Bamberg
Wahlkampf

Starke will die Richtung vorgeben

Andreas Starke möchte für weitere sechs Jahre Bamberger Oberbürgermeister bleiben. Im FT-Interview am Montagabend hat sich der SPD-Kandidat Fragen aus der Redaktion sowie von Lesern und Mitbewerbern gestellt.
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Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) will es noch einmal wissen. Foto: Matthias Hoch
Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) will es noch einmal wissen. Foto: Matthias Hoch

Recht entspannt und gut gelaunt startet Amtsinhaber Andreas Starke (SPD) ins Interview zur Oberbürgermeisterwahl 2020. Er bleibt es bis zum Ende, auch wenn es zuvor die eine oder andere kritische Frage zu beantworten gilt. Als zum Beispiel einige Zuhörer aus Bamberg-Nord wissen wollen, wie es in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft so schnell zur Genehmigung einer weiteren Moschee kommen konnte, rät Starke zur Gelassenheit. "Wir werden die Entwicklungen dort sehr genau beobachten und, wenn nötig, auch mit begleitenden Maßnahmen tätig werden", verspricht der OB.

Auf die provokante Frage von FT-Redaktionsleiter Michael Memmel, weshalb sich Starke dieses fordernde Amt für eine weitere Periode zumuten wolle, antwortet dieser: "Es geht ein sehr erfüllendes Gefühl damit einher, wenn man für seine Heimatstadt tätig werden darf, wenn man Gestaltungskraft umsetzen kann." Das gelinge den Politikern am besten, wenn sie maximale Motivation mitbringen. "Und das gilt auch für den 63-jährigen Amtsinhaber", sagt Starke. Zu den Herausforderungen der kommenden Jahre zähle, die Weichen so zu stellen, dass sich die Infrastruktur der Stadt an eine ständig wachsende Dynamik anpassen könne. Der amtierende Oberbürgermeister sagt über... ...den späten Zeitpunkt seiner Kandidatur: Er habe schon länger gewusst, dass er kandidieren wolle und versucht, "das in die Länge zu ziehen", als er mitbekommen habe, dass auch Zweiter Bürgermeister Christian Lange (CSU) OB werden wolle. "Ich wollte vermeiden, dass ein rivalisierendes Verhältnis unsere Arbeit im Rathaus belastet", sagt Starke. Es gebe zu viele drängende Aufgaben in der Stadt und viele parallel laufende Projekte. Und auch "der Wähler" wolle keinen derart langen Wahlkampf. ...sein Verhältnis zur SPD: Wie kommt es, dass die SPD auf Bundes- und Landesebene darbt, während gerade in Franken SPD-Bürgermeister Erfolge feiern können? "Die Persönlichkeitswahl ist natürlich letztlich entscheidend. Auf kommunaler Ebene spielt die Parteizugehörigkeit mittlerweile eine untergeordnete Rolle - und das finde ich auch gut so."

Bei der SPD fühle sich Starke dennoch zuhause, er sei als 16-Jähriger in die Partei eingetreten, unter dem Eindruck der Politik Willy Brandts. Freiheit, Gerechtigkeit und Brüderlichkeit, die Grundwerte der SPD, seien für ihn maßgeblich. Heute sieht Starke kritisch, dass die SPD nur die sozialpolitische Kompetenz betone. "Die SPD hat nur dann eine Machtperspektive, wenn es ihr gelingt, überzeugende Persönlichkeiten wie früher Brandt, Schmidt oder Schröder an der Spitze zu haben - kombiniert mit sozialer und wirtschaftlicher Kompetenz, um auch die Mitte der Bevölkerung zu erreichen." Auf die Frage von Redaktionsleiter Memmel, wen die Bamberger SPD außer Starke hätte aufbieten können, erklärt der Amtsinhaber: "Jeder ist beruflich ersetzbar. Das gilt auch für mich, und natürlich hätte es geeignete Kandidaten gegeben." ...erfahrene und jüngere Oberbürgermeister: Er blicke nicht zurück, sondern nach vorne, Starke sei noch begeistert und entschlussfreudig. "Und ich hoffe sehr, dass wir einen Wahlkampf führen, in dem wir uns nicht nur die Geburtsurkunden vor die Nase halten." Ob jemand das Amt gut ausüben kann, sei nicht eine Frage des Alters. "Es gibt auch junge Oberbürgermeister, wo man sich die Frage stellt: Was machen die da eigentlich?" ...über die Erfolge der vergangenen 13 Jahre: Naturgemäß zieht Starke eine positive Bilanz. Zu den Erfolgen wie der Brose-Ansiedlung, der Entwicklung der Erba-Insel, dem Quartier an der Stadtmauer oder dem Weltkulturerbezentrum zählt Starke auch erfolgte Schulsanierungen, den Ausbau der Kita-Plätze und die Konversion. Erfolg hänge nicht zuletzt von Mehrheiten im Stadtrat, von den richtigen Mitarbeitern und auch von der Finanzierung ab. "Wir haben uns zu Weltmeistern in der Akquise von Fördergeldern entwickelt." ...zum Vorwurf, er habe das Ankerzentrum eher gefördert als gebremst: Für Starke ist das "ein Ammenmärchen". 2015 sei in der Gesellschaft die Flüchtlingskrise das beherrschende Thema gewesen. Zeitweise seien pro Tag 8000 Asylbewerber nach Bayern gekommen. In dieser Situation habe das Land nach Möglichkeiten der Unterbringung gesucht. Das Konversionsgelände sei im Eigentum der Bundesrepublik gewesen, und die Stadt habe bei den Verhandlungen zwischen Bund und Freistaat nur "am Katzentisch gesessen". Mit der Aufnahmeeinrichtung habe die Stadt auch Vergünstigungen erhalten und das Versprechen, dass die Unterkunft bis 2025 schließe. In anderen Städten spreche man von vergleichbaren Fristen, nur in Donauwörth habe "ein Volksaufstand" zu einem früheren Ende geführt. "Ich bin froh, dass es in Bamberg einen solchen Aufstand nicht gegeben hat. Hätten wir zuschauen sollen, wie Asylbewerber mit ihren Familien in Zelten untergebracht sind, während wir hier leerstehende Gebäudlichkeiten haben?" Das Ankerzentrum ab 2025 zu entwickeln, liege auch im Zeitplan der Stadt. "Wir haben jetzt alle Hände voll zu tun, die 20 Hektar der Lagarde-Kaserne zu einem ganz neuen Stadtgebiet zu formen." ...zur Wohnungsnot und wie die Stadt darauf reagiert Starke weist auf wichtige Bauvorhaben wie Ulanen-Park, Lagarde-Kaserne und Erba-Insel hin, die auf den Weg gebracht wurden. Allein im Gebiet am Föhrenhain seien in 15 Monaten 139 Wohneinheiten entstanden - für 5,50 Euro kalt. Zudem gelte für alle künftigen Bebauungspläne eine Sozialklausel für 20 Prozent der bestehenden Wohnungen. Der OB räumt aber ein: "Keiner hat den Zauberstab in der Hand."

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