Bamberg
Zweckentfremdung

Schluss mit illegalen Ferienwohnungen: So will die Stadt Bamberg gegen verlorenen Wohnraum vorgehen

Immer noch gibt es zu viele illegale Ferienwohnungen, die nicht dem Mietmarkt zur Verfügung stehen. Dem weiteren Wildwuchs schiebt die Stadt nun mit einer Satzung den Riegel vor.
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Bamberg leidet darunter, dass viele Wohnungen an Urlauber statt an Einheimische vermietet werden - und schiebt jetzt einen Riegel vor. Symbolfoto: Christin Klose/dpa
Bamberg leidet darunter, dass viele Wohnungen an Urlauber statt an Einheimische vermietet werden - und schiebt jetzt einen Riegel vor. Symbolfoto: Christin Klose/dpa

Die Wohnung ist schön, voll mit alten Möbeln, rund 75 Quadratmeter, drei Zimmer. Mitten in Bamberg. Doch sie kann nicht regulär gemietet werden. Der Besitzer bietet sie unter anderem auf der Internet-Plattform "Airbnb" Bamberg-Besuchern an. Die Nachfrage ist vorhanden: Es kommen US-Amerikaner, Australier, Brasilianer, viele Engländer, aber auch Touristen aus ganz Deutschland.

Die Ferienwohnung ist seit zwei Jahren legal. Er habe sie genehmigen lassen, als er erstmals mitbekommen habe, dass die Stadt gegen illegal betriebene Ferienwohnungen vorgehen will, erzählt der Besitzer, der lieber anonym bleiben will. Er hat Glück gehabt: Künftig werden Zulassungen für Ferienwohnungen schwieriger möglich sein. Denn nun legt die Stadt nach mit einer Zweckentfremdungssatzung.

Bußgeld bis 500.000 Euro

Was steckt hinter dem sperrigen Wort? Bisher hat für eine Genehmigung ein Bauantrag gereicht. Nun heißt es noch davor: Zweckentfremdungsantrag stellen. "Wenn ich eine Zweckentfremdung durchführen will, dann brauche ich gute Gründe", erklärt Baureferent Thomas Beese knapp zusammengefasst.

Mit der im Stadtrat beschlossenen Satzung will die Stadt verhindern, dass zu viel Wohnraum für Bamberger verloren geht und den Wildwuchs bei Ferienwohnungen eindämmen. Denn rund 260 von 386 sind nicht genehmigt.

Wer nun Feriengästen unangemeldet Wohnraum etwa auf "Airbnb" anbietet, riskiert laut Paragraf 14 der Satzung ein Bußgeld von bis zu 500.000 Euro. Wer aber seine Wohnung an der Sandkerwa für eine Woche vermietet, der muss nichts fürchten: Die Satzung sieht vor, dass Wohnungen bis zu acht Wochen im Jahr ohne Genehmigung zur Gästebeherbergung genutzt werden dürfen.

 

Doch trifft die Regelung auch Immobilienbesitzer, die ihre Wohnung dauerhaft vermietet haben. Wird ein Mietverhältnis beendet, darf eine Wohnung nicht länger als drei Monate leer stehen. "Der Mieterwechsel sollte nicht unnötig verzögert werden", erklärt Beese. Doch auch hier gibt es Ausnahmen, die die Satzung regelt.

Bereits in den 1990er Jahren hat es ein ähnliches Verbot in Bamberg gegeben, allerdings konnte dieses beispielsweise nur auf Umwidmungen zu Büroräumen, aber nicht zu Ferienwohnungen angewandt werden. Das macht ein bayernweites Gesetz inzwischen möglich. Baureferent Beese betont, dass man nun Erfahrungen sammeln will bei der Genehmigung entsprechender Anträge.

Der Besitzer der 75-Quadratmeter-Ferienwohnung muss nicht mehr bangen. Bei ihm ist alles genehmigt. Warum er seine Wohnung nicht normal vermietet? Der Rentner erklärt, er will sie seinen Kindern und Enkeln zur Verfügung stellen, wenn diese in Bamberg zu Besuch sind. Außerdem vermiete er den Rest der Wohnungen im Haus an reguläre Mieter. Und freilich: "Das Geld ist für mich die Sahne oben drauf", begründet er, warum er eine Ferienwohnung anbietet. Nicht zuletzt: "Mir macht es Spaß, Leute aus anderen Ländern kennenzulernen."

Und die Gäste aus der ganzen Welt würden gerne kommen, schließlich lägen die Vorteile einer Ferienwohnung auf der Hand: "Ich kann kochen, wann ich will, ich kann kommen und gehen, wann ich will." Und: Für eine größere Gruppe seien Wohnungen deutlich billiger als einzelne Zimmer: Für die drei Zimmer bezahlen vier Urlauber 85 Euro. Pro Nacht.

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Kommentar von Sebastian Martin

Nur ein Baustein

Wohnraum in Bamberg ist knapp und muss deshalb oberste Priorität haben. Die Zweckentfremdungssatzung ist ein Baustein dafür, diese Vorgabe zu erfüllen. Einer Umwidmung von Wohnraum in andere Nutzungen ist damit ein Riegel vorgeschoben worden.

Das ist aus Mietersicht absolut zu begrüßen. Doch ist damit noch kein bezahlbarer Wohnraum geschaffen. Dazu sind weitere Bausteine beim Wohnbau nötig. Jeder Stein kostet, gerade für neuen und bezahlbaren Wohnraum muss noch viel mehr Geld in die Hand genommen werden.

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