Hirschaid
Gottesdiensttest (3)

St. Vitus in Hirschaid: Eine erfrischend kurze und knackige Predigt

Die Kirche St. Vitus in Hirschaid ist frisch saniert, wird gut betreut und bietet einen Gottesdienst ohne negative oder positive Überraschungen.
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Die Kirche St. Vitus in Hirschaid ist neu saniert und stammt ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert.Maresa Schlemmer
Die Kirche St. Vitus in Hirschaid ist neu saniert und stammt ursprünglich aus dem 18. Jahrhundert.Maresa Schlemmer

Dar Urteil unserer Testerin:

Ein alles in allem solider Gottesdienst ohne Überraschungen, weder im negativen noch im positiven Sinn. Man merkt, dass sich die Menschen hier kennen, sich familiär begegnen. Man begrüßt sich und macht ohne Aufforderung des Pfarrers den Friedensgruß. Die Ministranten gehen dafür sogar durch die ganze Kirche. Neu, sauber und frisch kommt das Gotteshaus daher. Dass es gerade saniert ist, kann man hier an jeder Ecke erkennen. Der Pfarrer schafft es, dem Gottesdienst einen roten Faden zu geben. Von der Begrüßung bis zum Segen ist das Thema der Patron der Kirche. Dass er dabei alles ablesen muss, verzeiht man dem Geistlichen deswegen gerne, da er sich mit der deutschen Sprache noch etwas schwer tut. Dem Organisten merkt man an, dass er sein Instrument beherrscht. Allein das Zusammenspiel mit dem Gemeindegesang will nicht ganz klappen. Auch die ständigen Registerwechsel und die allzu schnörkselige Begleitung trüben den Eindruck ein wenig. Irritierend wirkt der mehrfache Hinweis auf die Videoüberwachung der Kirche. Scheinbar ohne Anlass. Wenn man einen traditionellen Gottesdienst ohne Schnickschnack in schöner Atmosphäre mitfeiern will, ist man hier richtig.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg Pfarrer Plakkil beginnt den heutigen Gottesdienst nach einem gewaltigen Orgel-Intro mit dem Gedenken an den Hl. Vitus, dessen Patronat die Gemeinde an diesem Tag feiert. Er stellt den Kirchenpatron als einen der 14 Nothelfer vor und bezieht sich kurz auf die Legenden, die sich um diesen ranken. Es wird deutlich, dass sich das Thema durch den ganzen Gottesdienst ziehen wird. Bewertung: Guter Start in einen Gottesdienst mit durchgängigem Thema.

2. Musik Fünf Organisten unter Leitung von Hermann Popp kümmern sich um die musikalische Gestaltung der Gottesdienste. Die Vleugels-Orgel aus dem Jahr 1995 mit ihren 32 Registern füllt den Kirchenraum mit mächtigen Klängen. Der Organist nutzt heute den ganzen Umfang der Orgel, um die Gemeinde, die doch beherzt mitsingt, zu begleiten. Bewertung: Die Hirschaider Kirchengemeinde hat Glück mit ihrer gekonnt bespielten Orgel.

3. Lesungen Die Lesung wird von einem Gemeindemitglied vorgetragen. Klar, deutlich und langsam gelesen. Allein der Inhalt der Lesung aus dem Buch der Weisheit ist sehr komplex und schwer nachzuvollziehen. Da kann auch der gekonnte Vortrag nichts daran ändern, dass die Thematik schwer zu verstehen ist. Bewertung: Guter Vortrag eines schwierigen Inhalts aus dem Alten Testament.

4. Predigt

Auch in der Predigt findet sich das Thema des Gottesdienstes wieder. Der Heilige Vitus und sein Leben und Wirken stehen im Mittelpunkt. So werden sein Attribut, der Rabe, und dessen Bedeutung kurz angesprochen. Außerdem versucht Pfarrer Plakkil, den Bezug in die Jetztzeit zu finden und vor allem den Zusammenhang mit dem Patronat herzustellen. Die Predigt wird abgelesen. Dennoch sucht Plakkil ständigen Augenkontakt zu seiner Gemeinde und schafft so eine angenehme Atmosphäre. Bewertung: Eine kurze und knackige Predigt, die in fünf Minuten auf den Punkt kommt.

5. Kommunion/ Abendmahl Zwei Kommunionhelferinnen unterstützen den Pfarrer beim Austeilen der Kommunion. Einer bleibt im Altarraum, die anderen beiden verteilen ab der Mitte des Kirchenschiffs. Das läuft alles zügig und ohne Unterbrechungen ab. Einzig die Orgel stört, die noch während der Verteilung mit dem nächsten Gemeindelied beginnt. Bewertung: Eigentlich eine unkomplizierte Kommunion, allerdings unterbrochen durch die Orgel.

6. Segen

Am Ende des Gottesdienstes bleibt die Segensformel eigentlich wie gewohnt bestehen. Allerdings individualisiert Pfarrer Plakkil sie ein wenig. Passend zum Kirchenpatron nimmt er Bezug dazu und schließt so das Thema des Gottesdienstes gekonnt ab. Bewertung: Der Pfarrer schafft einen Bogen zum Anfang des Gottesdienstes. Sehr gelungen.

7. Ambiente Beim Betreten von St. Vitus wird man sofort von einer angenehmen Atmosphäre empfangen. Frisch saniert bietet das Gotteshaus einen außergewöhnlich sauberen und aufgeräumten Anblick. Frische Blumen schmücken den Altarraum und die Seitenaltäre. Emsige Mesner kümmern sich vor dem Gottesdienst um die Vorbereitungen. Bewertung: Hier merkt man sofort, dass sich Menschen mit viel Engagement um die Kirche bemühen.

8. Kirchenbänke Trotz Sanierung hat man es leider nicht geschafft, das Unbequeme alter Kirchenbänke ganz zu verbannen. Es mag zwar schlimmere Sitzbänke geben, allerdings drücken diese sich immer noch in den Rücken. Die Kniebänke sind gepolstert, aber als bequem kann man sie trotzdem nicht bezeichnen. Das sollen sie aber wohl auch nicht sein. Das Hochklappen schafft man nur mit einem kleinen Kraftakt. Bewertung: Das Hinknien während des Gottesdienstes soll hier wohl weiterhin die Demut unterstützen.

9. Beleuchtung Hier gibt es nicht viel zu sagen. Ein heller und freundlicher Raum mit großen Fenstern, die kein buntes, sondern weißes Glas haben und deswegen viel Licht hereinlassen. Unterstützt wird das durch neue Lampen, die warmes, aber unaufdringliches Licht spenden, das man allerdings bei Tageslicht nicht einschalten müsste. Bewertung: Lichtstimmung unterstützt die Atmosphäre.

10. Sinne

In dieser Kirche kann man das Auge schweifen lassen. Nicht nur der barocke Hochaltar und die aufwendigen Seitenaltäre ziehen die Blicke auf sich. Auch die Decke mit dem symmetrisch angelegten Stuck ist ein Hingucker. Die Vleugels-Orgel mit ihrem gewaltigen Klang spricht einen zweiten Sinn an. Mächtig thront sie über dem Kirchensaal und bietet ihren Zuhörern für die Größe der Kirche erstaunliche Klangwelten. Bewertung: Ein kleines barockes Schmuckstück mit viel Stoff für die Sinne.

Warum ein Gottesdiensttest?

Wir wollen mit unserem Gottesdienst-Test die Kirchen ein wenig mehr ins Blickfeld der Öffentlichkeit rücken. Unter Kirchgängern, Geistlichen und Lesern soll eine Diskussion darüber entstehen, was einen guten Gottesdienst ausmacht. Dieses in der Regel sonntägliche Treffen hat für evangelische wie katholische Christen ja bis heute eine große Bedeutung. Soll lebender Ausdruck des Christseins sein. Wir haben uns für eine Bewertung nach objektiven Kriterien theologische Hilfe geholt bei den Professoren Martin Stuflesser (Würzburg), er ist auch Berater der deutschen Bischofskonferenz, und Martin Nicol (Erlangen), der mit seinem Buch "Weg im Geheimnis" ein Plädoyer für den evangelischen Gottesdienst abgibt. Ergänzt werden objektive Kriterien um die subjektiven Eindrücke, die unsere Kollegen gewonnen haben.

Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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