Stadelhofen
Gottesdiensttest

St. Peter und Paul in Stadelhofen: Eine Predigt, die zu überraschen weiß

Trotz frühem Gottesdienstbeginn füllt sich das mächtige Kirchenschiff in Stadelhofen zu zwei Dritteln. Eine Jesusfigur muss weichen.
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Die Kirche St. Peter und Paul in StadelhofenStefan Fößel
Die Kirche St. Peter und Paul in StadelhofenStefan Fößel

Das Urteil unseres Testers:

Der Gottesdienst in Stadelhofen überzeugte durch eine wohltuende Atmosphäre und wurde von den Gläubigen gut mitgefeiert. Der Gastpfarrer aus dem Forchheimer Raum bot den ritualisierten Rahmen, besondere Akzente setzten der gute Organist, der engagierte Diakon und das prachtvolle Gotteshaus. Auch in diesem Fall bleibt der Gesamteindruck eines gelungenen traditionell-festlichen Gottesdienstes.

Die Bewertungen im einzelnen:

1. Einstieg: Der Pfarrer (es handelt sich um einen Gastpfarrer aus dem Forchheimer Raum, dessen Name leider keinem der befragten Gläubigen geläufig war) begrüßt mit einer thematischen Hinführung zum Fest Christi Himmelfahrt. Seither sei der Herr nicht mehr auf Erden gesehen worden, und doch sei er bei uns. Das spüre man im alltäglichen Leben. Klassische Begrüßung ohne besondere Bezugnahme auf die Gemeinde. 2. Musik Der Organist versteht sein Handwerk, die Liederauswahl setzt auf zahlreiche bekanntere Titel aus dem Gotteslob. Auch die Orgel-Zwischenspiele, etwa zur Kommunion, sind geschmackvoll gewählt und stimmig umgesetzt. Die Gemeinde singt gut mit, gerade bei den bekannten Liedern, in die auch viele ohne Gotteslob einstimmen können. Auch hier bleibt ein harmonischer Gesamteindruck. Die musikalische Begleitung ist angemessen, die Gemeinde macht mit. 3. Lesungen Eine Laiin trägt schnell, aber flüssig die Lesung aus der Apostelgeschichte vor. Ihr Blick gilt vor allem dem Text. Keine Versprecher, akustisch gut zu verstehen. Eine Lesung, wie man sie aus vielen Gottesdiensten kennt. 4. Predigt Die Predigt überlässt der Gastpfarrer dem Diakon Michael Herbst. Und der sorgt gleich für eine Überraschung: Zur Verbildlichung seiner Worte hat er die Jesus-Figur hinaustragen lassen: Christus ist in den Himmel aufgefahren und hinterlässt eine Lücke auf Erden. Herbst wählt dabei einen provokanten Einstieg, die mögliche Perspektive der frühen Christen: "Da war er keine 33 Jahre auf der Erde, hat für Unruhe gesorgt und dann verschwindet er einfach im Himmel." Selbstverständlich löst der Diakon das auf, denn Jesus gebe uns weiter die Richtung vor. Herbst erklärt den Heiligen Geist als "das, was uns Menschen mit Gott verbindet" und vermittelt die optimistische Botschaft: Wer glaubt, ist nicht allein. Gute Predigt, die angekommen ist. 5. Kommunion/Abendmahl Die Gläubigen kommen bankweise nach vorne, begleitet von Orgelmusik. Pfarrer und Diakon teilen die Kommunion aus. Nach wenigen Minuten sind alle wieder auf ihren Plätzen. Zügig, aber besinnlich.

6. Segen Nach einer Stunde Gottesdienst verabschiedet sich der Gastpfarrer mit einem klassischen, aber feierlichen Segen. Wer zuvor noch eine persönliche Ansprache erwartet hatte, wird enttäuscht. Dafür gibt es nach dem Segen wieder schöne Orgelbegleitung zum Auszug. Eine klassische Verabschiedung ohne persönliche Note.

7. Ambiente Das mächtige Kirchenschiff von St. Peter und Paul ist an diesem Himmelfahrtstag zu knapp zwei Dritteln gefüllt - obwohl der Gottesdienst bereits um 9 Uhr beginnt und sicher der eine oder andere Vatertagsausflügler fehlt. Die Kirche macht einen hellen und gepflegten Eindruck, Weihrauchduft schwängert die Luft. Die weit nach vorne reichende Empore sorgt dafür, dass die Gemeindemitglieder oben wie unten nicht allzu weit vom Altar weg sind. Gut gelaunt stehen die Gläubigen vor und auch noch nach dem Gottesdienst draußen beieinander, freundlich wird auch der Fremde begrüßt. Die Atmosphäre lädt zum gemeinsamen Gottesdienst ein. 8. Kirchenbänke Die Bänke sind dank einer dünnen Filzauflage nicht zu hart zum Sitzen, Kniepolster sucht man freilich vergeblich. Auf der Empore steht oder kniet man - es gibt keine Sitzgelegenheiten. Alles in Ordnung, nur langes Knien will geübt sein. 9. Beleuchtung Auch an diesem Tag hätte allein schon die Sonne gereicht, um für eine helle Kirche zu sorgen. Hinzu kommt dezentes Decken- und Seitenlicht. Vor den Altären sorgen selbstverständlich auch zahlreiche Kerzen für festliche Stimmung. Die Sonne strahlt mit den Gläubigen. 10. Jugend Neben der stolzen Zahl von zehn Ministranten sieht man noch vereinzelt Familien mit Kindern und junge Erwachsene. Bei späterem Gottesdienst-Beginn und wenn nicht gerade Vatertag ist, wären es vielleicht noch ein paar mehr. Entsprechend hat die Gottesdienst-Gestaltung auch keine Elemente, die besonders auf die Jugend abzielen würden. Sehr sympathisch allerdings die besondere Begrüßung zweier neuer Ministranten, über die sich Diakon Herbst "tierisch freue". Die Jugend macht eher den kleineren Teil der Gemeinde aus.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer unangekündigten Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de. Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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