Bischberg
Gottesdiensttest

St. Markus in Bischberg: Ein Leuchtturm und viele kleine Schiffchen

Die Jugend ist in der Bischberger Kirche St. Markus stark präsent. Neun Ministranten begleiten den Pfarrer, und die Kommunionkinder stellen sich vor.
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Am Kirchberg, wo heute das Gotteshaus St. Markus steht, gab es bereits im Jahr 1013  eine Kapelle. M. Memmel
Am Kirchberg, wo heute das Gotteshaus St. Markus steht, gab es bereits im Jahr 1013 eine Kapelle. M. Memmel

Das Urteil unseres Testers:

Ein hübsches Gotteshaus, das Comeback des früheren Pfarrers, bestes Frühlingswetter und ein anrührendes Evangelium - ja, es gab schon ein paar Gründe für einen aufregenden, emotionalen Gottesdienst. Doch ein solcher fand in weiten Teilen so nicht statt. Es mutete an wie "business as usual"! Solides Alltagsgeschäft in der Kirche - sowohl für die Gläubigen als auch für den Pfarrer. Doch St. Markus kann auch anders. Zum Angebot in Bischberg gehören auch die Kinderkirche, Familien- und Jugendgottesdienste und jeden Donnerstagnachmittag ein Schülergottesdienst. Dass es sich in Bischberg um eine lebendige Gemeinschaft handelt, zeigt sich auch darin, dass sich vor einigen Jahren ein Orgelbauverein gegründet hat, nachdem eine Untersuchung des aus den Jahren 1859 und 1979 stammenden Instruments zu einem klaren Ergebnis kam: Die Orgel befindet sich in einem beklagenswerten Zustand. Eine Maßnahme, die den historischen Bestand sowie die musikalische und funktionale Qualität des gesamten Instruments sicherstellt, würde rund 300 000 Euro kosten. So hat es sich der Orgelbauverein zum Ziel gemacht, langfristig finanzielle Mittel als Grundstock für diese Baumaßnahme zu beschaffen.

Die Bewertung im Einzelnen:

1. Einstieg

Pfarrer i. R. bedeutet für Friedrich Schmitt tatsächlich weniger "im Ruhestand" als "in Rufweite". Und so hilft er, der 28 Jahre als Pfarrer in Bischberg wirkte, auch elf Jahre nach seinem offiziellen Abschied immer noch aus und meldet sich just in diesem Gottesdienst nach einem längeren Krankenstand wieder zurück bei einer Sonntagsmesse. Für ihre Anteilnahme und die Besuche im Krankenhaus dankt Schmitt ganz offen den anwesenden Gläubigen: "Vergelt's Gott!" Und er entschuldigt sich schon mal präventiv für seine Stimme, die hörbar, jedoch keineswegs unangenehm unter einer Erkältung leidet. Ein persönlicher Auftakt. So entsteht Nähe!

2. Musik

Die eher schlichte Orgelbegleitung, die wohl dem Zustand des Instruments geschuldet ist, animiert den Großteil der rund 70 Besucher trotzdem zum Mitsingen. Inbrunst klingt zwar anders, Desinteresse allerdings auch. Vielleicht ist am vierten Fastensonntag auch nicht mehr zu erwarten. Zweck erfüllt, ohne mitzureißen.

3. Lesungen

Ein Laie trägt Kapitel 5 aus dem zweiten Brief von Paulus an die Korinther vor. Obwohl dieser klar und deutlich spricht, fällt es schwer, den theoretischen Worten zu folgen, da der Vortrag nicht hundertprozentig flüssig ist. Leider gelingt es dem Vortragenden auch nicht, beim Lesen einmal aufzublicken und so die Kirchengemeinde durch einen Blick besser mitzunehmen. Der Text kommt nicht an bei den Gläubigen.

4. Predigt

Das Evangelium ist ein Klassiker des Neuen Testaments: die Geschichte vom verlorenen Sohn, dem der Vater nach der Rückkehr ein üppiges Fest ausrichtet und damit den anderen, rechtschaffenen Sohn verärgert. Die Handlung ist so vertraut, dass die Gefahr groß ist, nicht mehr genau hinzuhören. Pfarrer Schmitt ergeht sich in seiner Predigt in einer haarkleinen Nacherzählung, um mit der Erkenntnis zu schließen, dass Gott ein liebender Vater ist, was nicht so leicht zu erkennen sei. Eine einfache Erkenntnis. Angenehm kurz, aber im Evangelium gefangen.

5. Kommunion/Abendmahl

Gemäß der Aufteilung der Kirchenbänke stellen sich die Besucher in drei Reihen auf und nehmen die Hostie in Empfang. Sehr positiv: Im Anschluss trägt das Gemeindemitglied, das bereits die Lesung übernommen hatte, einen hintergründigen Text zu dem Fastentuch vor, das in diesen Wochen den Hauptaltar in weiten Teilen verhüllt. Das gibt den Anwesenden die Gelegenheit, noch bei sich im inneren Gebet zu bleiben, oder sich eigene Gedanken zu dem Kunstwerk zu machen Angenehm: Die Kommunion darf nachhallen.

6. Segen

Der Abschied fällt weniger persönlich aus als der Auftakt. Immerhin wird den Anwesenden der Wunsch mit nach Hause gegeben, einen schönen Sonntag zu verleben, und auf die angenehmen Temperaturen verwiesen. Mit Ende der Messe verschwindet der Pfarrer in der Sakristei, doch etliche Gläubige unterhalten sich im Anschluss noch in kleineren Gruppen mitten in der Kirche. Ein unspektakuläres Ende, schade.

7. Ambiente

t. Markus weiß zu überraschen. Schon von außen ist zu erahnen, dass die Kirche kein homogener Bau ist. Im Inneren wird leicht sichtbar, wie hier drei Kirchen und drei Bauformen aus den Entstehungsjahren 1500, 1720 und 1978 miteinander vermengt wurden. Durchaus gelungen scheint diese Mischung, wobei der Grundcharakter modern ist dank der großen Holzdecke und dem quadratischen, säulenfreien Kirchenschiff. Die gut gepflegte Saalkirche ermöglicht Begegnungen und Gemeinschaft, steht den Blicken der Besucher untereinander doch nichts im Weg. Kein Wunder, dass beim Friedensgruß auch unbekümmert größere Distanzen überwunden werden. Der Gotteshaus-Mix lädt ein zum Mitfeiern.

8. Kirchenbänke

Die Sitze sind bequem gepolstert, allerdings zwingt die Rückenlehne den Oberkörper etwas weiter nach vorne, als es angenehm wäre. Bei den Kniebänken fällt die Polsterung einen Tick zu fest aus. Eine Dreiviertelstunde ist hier bestens auszuhalten.

9. Beleuchtung

Eine Kirche muss nicht grell erleuchtet sein - erst recht nicht in der Fastenzeit. Die von Glasmaler Herbert Bessel geschaffenen und in braun gehaltenen Fenster lassen nicht viel Licht in das Gotteshaus dringen, so dass es künstlicher Leuchtquellen - von der Holzdecke herabhängende Lampen - bedarf, um für eine angenehm gedämpfte Helligkeit zu sorgen. Diese Beleuchtung ermöglicht jedem Gläubigen, alles Wesentliche im Gottesdienst zu erfassen und gleichzeitig, sich zurückzuziehen und bei sich selbst sein zu können. Dezentes Licht erzeugt eine wohlige Atmosphäre.

10. Jugend

Unter den rund 70 Besuchern zwischen 30 und 75 Jahren überwiegt zwar das mittlere Alter, doch junge Nuancen sind unverkennbar vorhanden. So ministrieren neun Kinder und an der Seite im Altarraum lenkt ein großer Leuchtturm die Blicke auf sich. Das hohe Bauwerk steht für Jesus. Drum herum scharen sich kleine Schiffchen, auf dem jeweils eines von rund 40 Kommunionkindern aus Bischberg abgebildet ist. In der aufwendigen Installation verbindet sich die Mainfischer-Tradition mit der Zuversicht für die Zukunft. Für Nachwuchs ist vorerst gesorgt.

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer unangekündigten Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten.

Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de Alle Berichte unserer Serie finden Sie auf unserer Übersichtsseite zum Gottesdiensttest. Dort finden Sie auch ausführliche Infos.

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