Bamberg
FT-Gottesdiensttest

St. Heinrich: Klare Worte in imposanter Kirche

In St. Heinrich blieben in den Pfingstferien zwar zahlreiche Plätze frei, doch die anwesenden Gläubigen erlebten unter anderem eine eindrucksvolle Predigt und eine wohlklingende Orgel.
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St. Heinrich in Bamberg Foto: Stefan Fößel
St. Heinrich in Bamberg Foto: Stefan Fößel

Was unser Tester sagt:

Das imposante Gotteshaus mit seinem großen Kreuz hinter dem Altar bleibt in Erinnerung, die musikalische Begleitung ist stimmig. Auch die Predigt von Kaplan Rafael Biniek, die ein Gläubiger im Anschluss als "gut und richtig katholisch" bezeichnet, hinterlässt durchaus Eindruck. Freilich bleiben in diesem Gottesdienst zahlreiche Plätze leer, was angesichts der Größe der Kirche ins Auge sticht. Zuvor sitzen viele für sich, einige stehen nach der Kirche aber noch in Gesprächsgruppen beieinander. Ein recht ansprechender Gottesdienst, der durchaus noch mehr Besucher verdient gehabt hätte.

1. Einstieg

Vor dem eigentlichen Einzug präsentiert Kaplan Rafael Biniek den Gläubigen die Monstranz. Pfarrer Günter Höfer führt in seiner Begrüßung zum zentralen Thema des folgenden Gottesdienstes hin: Christus habe durch sein Leiden und Sterben das ewige Leben geschenkt. Der Herr wolle uns dieses Leben geben - wenn wir dem zustimmen. Schnörkellose, kurze Ansprache an die Gemeinde

2. Musik

Getragenes Spiel auf einer wohlklingenden Orgel, viele Gemeindemitglieder singen mit, kommen stimmlich aber nicht gegen das Hauptinstrument an. Schöne, harmonische Zwischenspiele, ansonsten viel Bewährtes aus dem Gotteslob - was wiederum erklärt, dass so viele mitsingen.

Schöne Orgelmusik, die Gemeinde singt mit

3. Lesungen

Ein Diakon liest aus dem Brief an die Galater, orientiert sich dabei am Text, blickt aber auch immer wieder in die Gemeinde. Der Vortrag ist kurz und akustisch gut verständlich.

Nicht außergewöhnlich, aber guter Standard

4. Predigt

Eine starke Predigt von Kaplan Rafael Biniek, die sich um das Wort aus dem Lukas-Evangelium dreht: "Wer mir folgen will, der verleugne sich selbst und nehme sein Kreuz auf sich täglich und folge mir nach." Biniek macht deutlich, dass es den Weg zu Gott nicht ohne das Kreuz, ohne die schweren und traurigen Momente, ohne Leid und Schmerz, ohne den ständigen Kampf gegen Sünde und Teufel, gebe. Einem "Priestertum light", das der Gemeinde nur alles schön "nett und angenehm" bereiten will, erteilt er daher eine schroffe Absage. Der Vortrag bietet eine klare Botschaft in deutlichen Worten, der die Gemeinde durchaus zu fesseln vermag.

Predigt, die Zuhörer aufrüttelt

5. Kommunion

Zu getragenem Orgelspiel kommen die Gläubigen nach vorne, während Priester und Diakon die Kommunion spenden. Das Ganze findet in geordneter, aber feierlicher Atmosphäre statt - so wie man es auch aus vielen anderen Kirchen kennt.

Das Sakrament wird nach vertrautem Ritual gespendet.

6. Segen

Der Segen ist kurz und nach klassischer Formel, gesungen vorgetragen. Davor gibt es noch ein paar Ankündigungen durch den Pfarrer und eine Information zur Herkunft des reichen Blumenschmucks am Altar: Der sei noch von der großen Bamberger Fronleichnamsprozession übrig und habe die Gemeinde nichts gekostet - darauf weise er hin, bevor sich wieder jemand beschwere ...

Die Anmerkung zum Blumenschmuck überrascht, der Segen ist so, wie von den Gläubigen erwartet.

7. Ambiente

Das imposante, hohe Kirchenschiff wird vom riesigen Kreuz hinter dem Altar dominiert. Die Kirche entwickelt einen eigenen, faszinierenden Charakter. Freilich fällt angesichts der Dimensionen auch auf, dass die Bänke nur zu einem Drittel gefüllt sind und viele Plätze frei bleiben. Bewertung

Eindrucksvolle Gottesdienstatmosphäre

8. Kirchenbänke

Recht bequeme Bänke, man sitzt auf den in vielen Gottesdiensten beliebten Filzauflagen und kniet auf weichem Leder. Den Rücken kann man aufrecht anlehnen, keine störende Gebetbuchablage wie anderswo. Der Fußraum ist großzügig bemessen, Haken für Schirme oder Taschen sind vorhanden. Man sitzt und kniet bequem in dieser Kirche.

9. Beleuchtung

Moderne, effektive, aber unaufdringliche und somit stimmige Deckenbeleuchtung aus mehr als 20 Strahlern. Das Sonnenlicht dringt durch hohe Fenster mit buntem Glas, vor den Altären flackern Kerzen.

Stimmige Beleuchtung rundet Gesamtbild ab.

10. Jugend

Es mag auch ein wenig an der Pfingstferienzeit liegen: Neben der kleinen Ministrantenschar sind nur sehr vereinzelt Familien mit Kindern zu sehen.

Um die Jugend geht es in diesem Gottesdienst nicht explizit, allerdings bietet die Gemeinde einmal im Monat Kinderwortgottesdienste für alle Kindergarten- und Grundschulkinder an, die deutlich zahlreichere junge Besucher finden.

Nur wenige junge Leute an diesem Tag

Warum ein Gottesdiensttest?

Die Ergebnisse unserer unangekündigten Gottesdiensttests, das wissen wir, sind rein subjektiv. Warum dann dieser Test? Weil wir glauben, dass es eine Diskussionsbasis braucht, um Kirche und Bürger wieder näher zusammenzubringen. Und weil wir denken, dass Kirche und Glaube nicht weiter auseinanderdriften sollten. Wir freuen uns deshalb auf den Dialog mit Kirchenvertretern, Gläubigen und allen Menschen, die uns ihre Meinung zu diesem wichtigen Thema mitteilen wollen. Schreiben Sie uns: redaktion@infranken.de

Zum Abschluss der Testserie werden unsere beiden Experten Martin Stuflesser und Martin Nicol am 1. November Bilanz ziehen.

Alle Tests werden auf unserem Internetportal unter www.infranken.de/gottesdiensttest gesammelt.

Kommentare (4)

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