Laden...
Bamberg
Triathlon

Wo der virtuelle Platten droht

Da aufgrund der Corona-Krise keine Wettkämpfe möglich sind, bestreiten die deutschen Ausdauersportler auf einer Online-Plattform gemeinsame Radrennen. Am Start ist auch Böhnlein Sports Bamberg.
Artikel drucken Artikel einbetten
Matthias Türk  von Böhnlein Sports Bamberg sitzt auf seinem Smarttrainer und verfolgt seinen Avatar auf dem Computerbildschirm, den er aus verschiedenen Blickwinkeln beobachten kann. Er belegte Platz 38 und war nur wenig langsamer als sein Teamkollege Chris Dels, der außer Konkurrenz fuhr und 30. wurde.privat
Matthias Türk von Böhnlein Sports Bamberg sitzt auf seinem Smarttrainer und verfolgt seinen Avatar auf dem Computerbildschirm, den er aus verschiedenen Blickwinkeln beobachten kann. Er belegte Platz 38 und war nur wenig langsamer als sein Teamkollege Chris Dels, der außer Konkurrenz fuhr und 30. wurde.privat

Nach Hälfte des Rennens liegt Daniel Wolf in aussichtsreicher Position in der ersten Gruppe, doch dann stoppt den Triathleten von Böhnlein Sports Bamberg urplötzlich der virtuelle Platten. Internetprobleme werfen Wolf aus der vierten Etappe der Zwift-Tri-Series, einer Online-Radrennserie der deutschen Triathlonvereine.

Aus der Not machen die Ausdauersportler eine Tugend. Da aufgrund der Corona-Pandemie an Wettkämpfe derzeit nicht zu denken ist, messen sie sich in den eigenen vier Wänden auf dem Rollentrainer. Möglich macht dies die in Radsportkreisen beliebte Software Zwift. "Das ist ein cooles Tool", sagt Chris Dels. Der Bamberger Ex-Weltmeister ist zwar aufgrund eines unbeabsichtigten Dopingvergehens noch bis 20. Juni gesperrt, nimmt aber außer Konkurrenz an der Serie teil.

Über acht Etappen

Jeden Sonntag treffen sich die deutschen Triathlonvereine derzeit online. Teams von der Bundesliga bis zur Landesliga treten zumindest in einer der drei Triathlondisziplinen gegeneinander an. 40 Männer- und 13 Frauenteams haben gemeldet, neben den Bambergern nimmt mit der TB 48 Schweinfurt noch eine weitere fränkische Mannschaft teil. Auf jeder der bislang vier von insgesamt acht Etappen über Distanzen zwischen 20 und 60 Kilometern traten stets mehr als 300 Starter gleichzeitig in die Pedale. Jeder Verein darf beliebig viele Teilnehmer ins Rennen schicken, doch nur die ersten drei kommen in die Wertung.

Das elf Mann starke Bamberger Böhnlein-Team, das in dieser Wettkampfsaison in der Landesliga an den Start gegangen wäre, belegte jüngst den 18. Rang und ließ höherklassige Teams hinter sich. Über eine Whats-App-Gruppe waren die Bamberger telefonisch verbunden und stimmten die Renntaktik untereinander ab. "Hätte Daniel keinen Platten gehabt, wären wir unter den besten zehn gelandet", sagt Dels. Auf der Etappe zuvor war Dels als 49. einen Platz vor Paul Schuster, dem deutschen Meister auf der Langdistanz, ins Ziel gekommen. "Mit einem Ironmanrennen kann man das Ganze natürlich nicht vergleichen, weil man da versucht, möglichst gleichmäßig zu treten und wenig Spitzen reinzubekommen. So ein Zwift-Rennen ist genau das Gegenteil. Da kommt es nur darauf an, so viel Watt wie möglich in die Pedale zu bekommen", erklärt Dels.

Als Trainingsplattform möchte der 35-Jährige die Software aber nicht missen, da man selbst Bergfahrten simulieren könne. So hat Dels das Vorderrad seines Rollentrainers in eine Vorrichtung gehängt, die die Gabel bei Bergauf- und Bergabfahrten hebt bzw. senkt. Die Software passt entsprechend den Widerstand in den Pedalen an. "Ich muss jetzt nicht mehr jedesmal ins Fichtelgebirge fahren, wenn ich Bergfahrten trainieren will. Wenn das Wetter mal schlecht ist, setze ich mich einfach auf die Rolle", sagt Dels.

Wie einst bei Mario Kart

Als bekennenden Zocker reizt ihn ein besonderes Gimmick an der Software. Wie einst beim Videospiel Mario Kart kann der Fahrer "Power-ups" gewinnen, die sich leistungssteigernd auswirken. "Beispielsweise bin ich dann bei Anstiegen für 30 Sekunden ein paar Kilo leichter oder der Held wird bei Abfahrten windschnittiger", erklärt Dels. Zwift-"Profis" sind bei der virtuellen Liga gegenüber den Einsteigern also klar im Vorteil.

Das musste auch Dels schon am eigenen Leib erfahren, als er am letzten Anstieg der dritten Etappe von der Spitzengruppe plötzlich abgehängt wurde. Von einem "virtuellen Plattfuß" blieb er dagegen bislang verschont.

So funktioniert Zwift

Das Prinzip Zwift ist eine kostenpflichtige App, mit der man einen Rollentrainer mit einem Laptop, Fernsehbildschirm oder dem Smartphone verbinden und dadurch in virtuellen Welten Fahrrad fahren kann. Mit interaktiven Rollentrainern (Smarttrainer) ist auch die Simulation von Bergauf- und Bergabfahrten sowie das Windschattenfahren möglich. Herkömmliche Rollen- oder Hometrainer benötigen einen Geschwindigkeitssensor, um Zwift nutzen zu können.

Modi Mit Zwift können sowohl Trainingsfahrten als auch Radrennen simuliert werden - alleine oder mit anderen Teilnehmern. Zudem gibt es Trainingsprogramme und Tools zur Datenauswertung. Virtuelle Welten Zwift bietet täglich neue Strecken, zum Beispiel die Olympiastrecke von London 2012 oder eine Kopie des legendären Anstiegs von Alpe d'Huez bei der Tour de France, Bildschirm Auf dem Display des angeschlossenen Mediums sieht sich der Teilnehmer in Gestalt eines digitalen Radrennfahrers, bei Online-Rennen werden zudem die Konkurrenten vor und hinter ihm angezeigt. Ständig im Display zu sehen sind zudem Trittfrequenz (Wattzahl), Fahrgeschwindigkeit, die zurückgelegte Fahrzeit, die Geschwindigkeit, die absolvierten Höhenmeter und die gefahrene Zeit. Alternativen zur Zwift-Software Road Grand Tours, Bkool, Veloton, Rouvy ps