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Memmelsdorf
Fußball

Winterchaos in der Schmittenau

Wenn der SV Memmelsdorf in einer Woche in die Restrunde startet, wird der Landesligist froh sein, dass wieder das Sportliche im Mittelpunkt steht. Im Winter hatten die zahlreichen personellen Umstrukturierungen die Schlagzeilen bestimmt.
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In dieser Saison noch Kapitän, ab der neuen Spielzeit dann hauptverantwortlicher Spielertrainer: Michael Wernsdorfer schlüpft beim SV Memmelsdorf bald in eine neue Rolle. Der SVM hätte zwar schon heute beim TSV Lengfeld antreten sollen, das erste Ligaspiel nach der Pause fiel aber dem Wetter zum Opfer. sportpress
In dieser Saison noch Kapitän, ab der neuen Spielzeit dann hauptverantwortlicher Spielertrainer: Michael Wernsdorfer schlüpft beim SV Memmelsdorf bald in eine neue Rolle. Der SVM hätte zwar schon heute beim TSV Lengfeld antreten sollen, das erste Ligaspiel nach der Pause fiel aber dem Wetter zum Opfer. sportpress

Den Auftakt in ereignisreiche Wochen machte eine Bekanntgabe des Vereins Mitte Dezember, wonach Trainer Gerd Schimmer nach Ablauf der Spielzeit nicht weiter Teil der Planung sein wird. Eine Meldung, die aufgrund einer bisher zufriedenstellenden Saison mit Platz 4 und Anschluss an die Aufstiegsrelegation für viele überraschend kam. Nicht jedoch für Schimmer: "Die Entscheidung traf mich nicht vollkommen unerwartet, schließlich gab es bis zu jenem Zeitpunkt noch keine Gespräche bezüglich einer weiteren Zusammenarbeit."

Sportliche sowie menschliche Beweggründe sollen dabei keine Rolle gespielt haben, wie der zweite Vorstand des SVM, Florian Brehm, versicherte: "Gerd hat bei uns überragende Arbeit geleistet, das Verhältnis zwischen Verein und Trainer ist weiterhin gut." Das beendete Engagement lag vielmehr in einer Neuausrichtung der Trainerposition, künftig soll ein Spielertrainerduo die sportliche Verantwortung übernehmen. Für einen Landesligisten ist das ein bemerkenswerter Schritt. "Wir wollten mit dieser Entscheidung auch finanziell etwas einsparen, um künftig mehr in die Jugendarbeit investieren zu können", sagt Brehm.

Unterdessen nahm der personelle Aderlass mit den Abgängen von Spielmacher Dominik Römer (Umzug nach Haßfurt), dem aufstrebenden Mittelfeldspieler Moritz Göbhardt (FC Eintracht Bamberg, U19) sowie Offensivakteur Christopher Sowinski (TSV Breitengüßbach) einen schmerzhaften Verlauf und fand im Verlust von Torgarant Dominik Sperlein einen empfindlichen Höhepunkt: Mit einer Empfehlung von 62 Treffern in 78 Partien für den SVM kehrt der erfolgreichste Torschütze aller Landesligen in der vergangenen Spielzeit zum Bayernligisten DJK Don Bosco Bamberg zurück. Damit verloren die Schmittenau-Kicker nicht nur die erste Angriffsoption, sondern auch ihren Co-Trainer. "Dominik wollte unbedingt Bayernliga spielen, da hätten wir auch finanziell nicht mithalten können", erklärt Brehm, der bis zum Saisonende das Amt von Sperlein übernimmt.

Das Thema Finanzen bestimmte in den vergangenen Wochen einige Gerüchte rund um den Verein, von nicht gezahlten Gehältern sei unter anderem die Rede gewesen. "Ich kann mit Bestimmtheit sagen, dass an diesen Annahmen nichts dran ist. Wie diese aufgekommen sind, kann ich mir beim besten Willen nicht erklären", weist Vorstandsmitglied Brehm die Aussagen vehement zurück.

"Relegation wäre ein Wunder"

Zurück aufs Spielfeld: Bedingt durch die entstandenen Kaderlücken plant Schimmer für seine Abschieds-Tournee mit den Kühm-Zwillingen Niklas und Noah sowie Yves Graf mit drei vielversprechenden Talenten, die aus der eigenen Jugend zur ersten Mannschaft stoßen und künftig mehr Verantwortung übernehmen sollen. Auch in taktischer Hinsicht kommt es zu Veränderungen: Die Dreier- wird zugunsten einer Viererkette aufgegeben, insgesamt soll sich Memmelsdorf kompakter und defensiver präsentieren.

Zurück im Team nach überstandener Verletzung ist Oliver Kratz, Wladislaw Nikiforow (Kreuzbandriss) befindet sich seit zwei Wochen wieder im kontaktlosen Training, ein Comeback noch in dieser Saison ist nicht auszuschließen. Dies gilt allerdings nicht für Sebastian Ruschig, dessen Bandscheibenvorfall noch nicht auskuriert ist.

Auch wenn seine jungen Wilden die Abgänge nach eigener Aussage nicht vollwertig ersetzen können, glaubt der Übungsleiter an einen positiven Saisonabschluss: "Wir wollen zumindest den fünften Platz halten, das Erreichen der Relegation wäre jedoch ein Fußballwunder", sagt Schimmer, der sich ab Sommer vorerst auf seine Tätigkeit als Spielerberater in der Region und ein mögliches Engagement im Stadtrat konzentrieren möchte.

Vom Kapitän zum Spielertrainer

Bezüglich der Spielertrainer-Lösung ab der neuen Saison ist der SV in den eigenen Reihen fündig geworden: Leistungsträger und Kapitän Michael Wernsdorfer wird mit seinen dann gerade einmal 28 Jahren die Geschicke übernehmen und von Teamkollege Markus Saal in der Assistentenrolle unterstützt. "Da ich bereits seit Längerem den nächsten Schritt zum Spielertrainer gehen wollte, habe ich mich sehr über das Angebot vom SV gefreut", erklärt Wernsdorfer, der in Memmelsdorf eine perfekte Situation, aber auch große Herausforderung vorfinde.

Mut für diese bekommt er vom scheidenden Amtsinhaber: "Ich traue Michael diese sicherlich schwierige Aufgabe zu. Aus ihm wird mal ein guter Trainer."

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