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Fußball

Weniger Zoff auf dem Rasen? Neue Regeln für die Fußballer

Eine umstrittene Mauerregelung, Rote Karten für alle - und doch finden die Spieler vieles gut, was sich ändert.
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Matthias Hoch
Matthias Hoch
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Verteidiger und Stürmer geraten in der Mauer aneinander. Kurz vor Spielende braucht der auszuwechselnde Spieler eine gefühlte Ewigkeit, um das Spielfeld zu verlassen. Der Ball prallt vom Schiedsrichter ab, ein Konter ist die Folge. Um solche Situationen zu vermeiden und für weniger Konflikte auf dem Rasen zu sorgen, hat das International Football Association Board (IFAB) einige Regeln geändert, die ab der Saison 2019/2020 in allen Klassen gelten. Wie sinnvoll sind die Neuerungen? Schiedsrichter, Spieler und Trainer bewerten die sieben wichtigsten Änderungen.

1. Der Unparteiische ist nicht mehr "Luft". Wird er angeschossen und das Spiel so entscheidend beeinflusst (Ballbesitz wechselt, Ball prallt ins Tor), gibt es Schiedsrichterball.

Markus Pflaum, 42 Jahre, Schiedsrichter vom SV Dörfleins : Eine sinnvolle Änderung, die zu einer Verbesserung führen wird. Bisher gab es immer Diskussionen, wenn ein Angriff entstanden oder gar ein Treffer gefallen ist, nachdem der Schiedsrichter den Ball berührt hatte. Nun ist es klar geregelt, dass in solchen Situationen abgepfiffen wird. Das ist fair für beide Mannschaften. Noch einfacher wäre es für den Schiedsrichter, bei allen Situationen abzupfeifen, wenn dieser den Ball berührt.

Christian Holzmann, 42, Torwart-Trainer beim TSV Mönchröden (Bezirksliga Ofr. West):

Die Regeländerung ist sinnvoll. Oft wechselte nach einer Berührung des Schiedsrichters der Ballbesitz oder es entstand ein gefährlicher Angriff. Da es in vielen anderen Situation oft in der Willkür der Schiedsrichter liegt, ob sie pfeifen oder nicht, finde ich diese Regel sehr gut und ich denke, sie trägt zu mehr Gerechtigkeit bei. Es gibt weniger Benachteiligungen und es macht es für die Schiedsrichter einfacher, da sie nicht zum Sündenbock werden.

2. Der auszuwechselnde Spieler muss nun das Spielfeld an der nächstgelegenen Außenlinie (egal ob Tor- oder Seitenauslinie) verlassen und nicht mehr auf Höhe der Mittellinie. Damit soll das Zeitspiel unterbunden werden.

Markus Pflaum:

Vor Auswechslungen gehen die Spieler gerne auf die andere Seite des Spielfeldes, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Jetzt kann der Schiedsrichter sagen, dass der Spieler den Platz an der nächstgelegenen Stelle verlassen muss. Es wird sicher Spieler geben, die das clever nutzen. Daher bringt diese Änderung meiner Meinung nach nicht viel. Die Fußballer werden weiterhin versuchen, möglichst viel Zeit zu schinden - wie bisher.

Fabian Dollhäupl, 26, Spielertrainer beim TSV Hemhofen (Kreisklasse 2 ER/PEG) Es gibt aktuell schon die Regel, dass der Schiedsrichter eine Auswechslung gegen Ende des Spiels unterbinden kann, wenn er merkt, dass nur auf Zeit gespielt werden soll. Deswegen glaube ich nicht, dass sich durch die neu geänderte Regel im Hinblick auf das Zeitspiel großartig etwas ändern wird.

3. Der Torhüter muss beim Elfmeter nur noch mit einem, nicht mit beiden Füßen auf der Torlinie stehen.

Markus Pflaum: Durch die jetzige Regel müssen die Torhüter mit beiden Beinen auf der Torlinie stehen, aber sie bewegen sich beim Elfmeter gerne. Für den Schiedsrichter ist diese Änderung eine Erleichterung, da er nun nicht mehr darauf achten muss, was der Torhüter mit seinen Füßen macht. Er bleibt ja immer noch auf der Linie, nur eben nicht mit beiden Füßen. Und der Schütze wird sich davon kaum beeinflussen lassen.

Julian Glos, 23, Torhüter bei Don Bosco Bamberg (Bayernliga):

Ich begrüße die Änderung, da die bisherige Regel in der Praxis komplett ignoriert wurde: Kein Torhüter steht bei der Ausführung mit beiden Beinen auf der Linie, ein Torhüter orientiert sich zwangsläufig immer diagonal nach vorn. Schon deshalb, um beim Hechten nicht gegen den Pfosten zu prallen. Außerdem braucht der Torhüter einen kleinen Vorsprung, wenn der Schütze in der Ausholbewegung ist.

4. Spieler der angreifenden Mannschaft dürfen sich bei einem Freistoß nicht mehr in die Mauer stellen.

Markus Pflaum: Für den Schiedsrichter ist diese Änderung eine große Hilfe und erleichtert dessen Arbeit ungemein. Bisher musste immer darauf geachtet werden, dass es kein Gerangel in der Mauer gibt. Damit ist es nun vorbei. Als Schiedsrichter kann ich mich mehr auf den Strafraum konzentrieren und was dort passiert. Der ballferne Assistent beobachtet die Mauer, der zweite Assistent achtet auf Abseits. Die Aufgaben lassen sich besser verteilen.

Tobias Dachwald, 38, Spielertrainer der DJK Hallerndorf (Kreisliga 1 ER/PEG):

Als Erleichterung für den Schiedsrichter ist die Regel sinnvoll, da es in der Mauer oft zu einem Gerangel kommt, bei dem es schwer ist, die Übersicht zu behalten. Allerdings finde ich es schade, dass die Stürmer einen Meter Abstand halten müssen und damit zum Beispiel die Sicht des Torwarts nicht mehr einschränken können. Dadurch gehen Freistoßvarianten verloren, das Spiel wird steriler. Das Lauern auf Abpraller wird dadurch sicher auch nicht einfacher.

5. Auch Offizielle wie Trainer und Betreuer können Gelbe und Rote Karten kassieren und somit des Platzes verwiesen werden.

Markus Pflaum: Vereinsoffizielle beschweren sich ja öfter einmal. Durch die Gelbe und Rote Karte kann ich nach außen hin zeigen, was los ist. Es ist für alle sichtbar und daher eine Erleichterung. Wenn sich ein Trainer mehrmals beschwert, gibt es Gelb. Dann muss er sich zurücknehmen. Die Rote Karte sollte das letzte Mittel sein und nicht oft verwendet werden. Nur bei extremen Sachen wie Beleidigungen.

Daniel Ritzel, 38, Spielertrainer beim TSV Staffelstein (Kreisliga 1 CO/KC):

Ich finde die Änderung gar nicht schlecht, da sich wahrscheinlich die Mannschaftskassen füllen werden. Ein Trainer, Betreuer oder Verantwortlicher sollte sich soweit im Griff haben, dass er nicht den Schiedsrichter beleidigt. Jede Rote Karte schadet dem Verein und der Mannschaft. Ich möchte nicht, dass mein Betreuer im nächsten Spiel nicht mit auf der Bank sitzen darf, nur weil er seine Klappe nicht halten konnte. Mit Meckern kommt man nicht weiter. Die Schiris wollen nur in Ruhe ihren Job machen.

6. Die "unnatürliche Vergrößerung der Körperfläche" beim Handspiel steht im Regelwerk.

Markus Pflaum: Die Vergrößerung der Körperfläche war bisher schon Bestandteil in der Anwendung. Das ist für Schiedsrichter also nicht sonderlich neu. Dass dagegen in Zukunft jedes Handspiel abgepfiffen wird, das zu einem Torerfolg geführt hat, finde ich in der Theorie gut. Es kann absolut von Vorteil sein. Aber man sollte erst einmal abwarten, wie die Umsetzung in der Praxis funktioniert.

Mario Ramming, 31, Spieler beim VfB Kulmbach (A-Klasse 7 BT/KU):

Ich kann an der Änderung nichts Negatives erkennen. Aber letztlich spielt diese Regeländerung auch keine große Rolle für mich. Wenn ein Tor nach einem Handspiel - egal ob absichtlich oder unabsichtlich - nicht zählt, ist das völlig in Ordnung. Außerdem hilft es den Schiedsrichtern, dass eine klare Regel geschaffen wird, die weniger Raum für Diskussionen lässt und ihnen die Entscheidung erleichtert.

7. Der Ball muss bei einem Abstoß nicht mehr den Strafraum verlassen, bevor er von einem Mitspieler berührt wird.

Markus Pflaum: In Zukunft muss der Schiedsrichter nicht mehr darauf achten, dass der Ball beim Abstoß den Strafraum verlässt. Tat er das nicht, gab es Wiederholung. Dass diese Methode für Zeitspiel genutzt wurde, ist mir aber nicht bekannt. Ich denke, dass es eher weniger damit zu tun hat. Stattdessen wird der Spielfluss gewährleistet. Grundsätzlich ist diese Regel eine Erleichterung für den Schiedsrichter.

Florian Rottenberger, 31, Torwart des FC Bad Kissingen (Bezirksliga Ufr.):

Die Regeländerung ist gar nicht schlecht. Für mich als Keeper wird es einfacher, aktiv an der Spieleröffnung teilzunehmen - auch wenn ich den Sinn dahinter ehrlich gesagt nicht verstehe. Da wir grundsätzlich immer versuchen, das Aufbauspiel über die Innenverteidigung oder die Sechser zu gestalten, kommt diese Situation schon relativ häufig vor. Herausfordernd ist es, das gegen früh anlaufende Gegner trotzdem zu versuchen.

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