Hallstadt
Fussball

Vorreiterin als eine der ersten Frauen an der Pfeife

Gertrud Gebhard aus Hallstadt leistete als eine der ersten Schiedsrichterinnen Pionierarbeit.
Artikel drucken Artikel einbetten
Eine Aufnahme aus dem Jahr 1992: Elke Günthner (Bamberg), Getrud Gebhard (damals Regus, Hallstadt) und die Kitzingerin Iris Fuhr (v. l.) laufen im Berliner Olympiastadion ein, um das Pokalfinale der Damen zwischen dem FSV Frankfurt und dem TSV Siegen (1:0) zu leiten. Foto: Archiv
Eine Aufnahme aus dem Jahr 1992: Elke Günthner (Bamberg), Getrud Gebhard (damals Regus, Hallstadt) und die Kitzingerin Iris Fuhr (v. l.) laufen im Berliner Olympiastadion ein, um das Pokalfinale der Damen zwischen dem FSV Frankfurt und dem TSV Siegen (1:0) zu leiten. Foto: Archiv
Gertrud Gebhard (52) setzte als Schiedsrichterin in der damaligen Männerdomäne Fußball Zeichen. Als erste Frau leistete sie in den 90er-Jahren Historisches. Fast zehn Jahre lang war sie bis zu ihrem überraschenden Rücktritt sowohl in den höchsten Amateurklassen als auch beim DFB und der Fifa qualifiziert.

In einer Zeit, in der es für Damen fast unmöglich war, im Verein Fußball zu spielen, ist die Hallstadterin als Gertrud Regus groß geworden. Ihrem Hobby ging sie auf dem Bolzplatz zusammen mit ihren Brüdern nach. Erst mit Beginn der 80er Jahre war sie für den RSV Drosendorf und dann für den SV Hallstadt aktiv. Mit der bayerischen Vizemeisterschaft feierte sie auch als Fußballerin einen Erfolg. Mit ihrem rasanten Aufstieg als Schiedsrichterin Ende der 80er-Jahre endete ihre Zeit als Aktive. Erste Gehversuche als Unparteiische verliefen zaghaft. Rainer Pflaum, der spätere Obmann der Gruppe Bamberg, drückte ihr eines Tages eine Pfeife und die beiden Karten in die Hand und bat sie, ein Spiel der Christlichen Arbeitnehmerjugend zu leiten. Über die C-Klasse ging es nach dem Neulingslehrgang ab 1980 steil aufwärts. Der Weg war steinig. "Beschimpfungen unterhalb der Gürtellinie" waren keine Ausnahme, so Gertrud Gebhard. Eine Frau in einer Männerdomäne gab es bis dahin schlicht nicht. Die Spieler wollten sehen, wie weit sie bei ihr gehen konnten, die Zuschauer kamen, weil sie eine Frau als Exotin an der Pfeife sehen wollten.

Anfangs mit "Karten" Respekt verschafft

Wo sie sich anfangs den Respekt vielleicht noch mit "Kartenspielerei" zu verschaffen versuchte, änderte sich ihre Einstellung. "Ich bin jetzt viel lockerer und zeige längst nicht mehr so viele Karten. Mit ein paar Worten an die Adresse eines Spielers ist oft eine bessere Wirkung zu erzielen", äußerte sie einmal. "Es hatte sich herumgesprochen, dass mit mir nicht zu spaßen ist."

1989 wurde Getrud Regus wegen ihrer guten Leistungen auf der Verbandsliste in der Landesliga qualifiziert. 1992/93 erreichte sie als erste Frau mit der Bayernliga die höchste Amateurklasse, ein Jahr später wurde sie als erste Frau auf die DFB-Liste gesetzt und erhielt als Assistentin von Helmut Fleischer bei der Partie Tennis Borussia Berlin - VfL Bochum ihren ersten Einsatz in der 2. Liga. Im Damenfußball hatte sie schon Maßstäbe gesetzt. Als erste Frau in der DFB-Geschichte leitete sie ein Länderspiel zwischen Deutschland und der Schweiz und als erste Frau das DFB-Pokalfinale der Damen 1992. Zudem fungierte sie bei der WM 1991 in China als Linienrichterin und bezeichnet ihren Einsatz im Endspiel USA - Norwegen als "einen der größten Erfolge in meiner Karriere."

1993 war sie die erste Frau in der DFB-Geschichte, die im Gespann von Helmut Fleischer und unter einem riesigen medialen Interesse bei einem DFB-Pokalspiel (SV Sandhausen - Karlsruher SC) eingesetzt wurde. 1994 war sie beim historischen 1:0 des TSV Vestenbergsgreuth gegen Bayern München, einem der "ergreifendsten Momente für mich", an der Linie. 1995 war sie die erste Frau der Bundesliga-Geschichte mit Verantwortung am Spielfeldrand, als Linienrichterin bei der Partie Schalke 04 - FC Kaiserslautern.

Alle Kameras waren auf sie gerichtet - das nervte sie

Das Privatleben kam oft zu kurz. Oft fühlte sie sich - auch von den Medien - ungerecht behandelt. "Nichts hat mich so sehr genervt, wie die vielen Fernsehkameras, die auf mich gerichtet waren." Das Spieljahr 1995/96 war der Knackpunkt in der Karriere der seit Ende 1994 verheirateten Gertrud Gebhard. Während der Regionalliga-Saison lief nicht alles wunschgemäß. Sie musste absteigen und in der Folge auch ihren Assistenten-Job in der 2. Liga aufgeben. Als Begründung erfuhr sie, dass sie angeblich ohne Perspektive sei. Es folgte eine interne Auseinandersetzung mit dem Verbandsschiedsrichterausschuss, der dazu führte, dass sie von der Fifa-Liste gestrichen wurde. Sie habe "die Schnauze gestrichen voll" von den Funktionären, erklärte sie im Februar 1997 ihren Rücktritt als Schiedsrichterin aus allen Spielklassen. Heute ist sie Beobachterin für die Schiedsrichter-Gruppe Bamberg.


was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren