Bamberg

Vorerst weiter mit Roel Moors

Brose Bamberg hält an seinem Trainer fest. Doch der Belgier soll sein Team möglichst schnell in die Play-off-Ränge der Bundesliga zurückführen.
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Foto: Daniel Löb
Foto: Daniel Löb

Nach der dritten Pflichtspielniederlage in Serie sah sich Arne Dirks zu einem Treuebekenntnis genötigt. "Es ist mir zu einfach zu sagen, dass es am Trainer liegt. Logisch wäre es die einfachste Lösung, und ich kann die Fans verstehen, wenn sie einen Wechsel wollen. Aber wir wollen innovativ sein und müssen andere Wege finden, wieder Spiele zu gewinnen. Es stimmt so viel und fehlt so wenig", sagte der Geschäftsführer der Bamberger Brose-Basketballer nach der 85:86-Heimniederlage in der Bundesliga gegen Rasta Vechta, die die Diskussion um den in die Kritik geratenen Coach Roel Moors neu befeuerte.

Zusammen mit Sportdirektor Leo De Rycke machte sich Dirks 20 Minuten nach Spielende auf den Weg zur Südtribüne, wo aber nur noch wenige aus den Fanclubs ausharrten. Die meisten Anhänger hatten sich schon enttäuscht auf den Heimweg gemacht. Wie schon vor einer Woche nach dem Pokal-Aus gegen Alba waren unmittelbar nach der Schlusssirene Pfiffe in der Brose-Arena zu hören, die die Mannschaft aber nicht verdient hatte.

Zehn-Punkte-Führung verspielt

Denn diesmal zeigte sie Leidenschaft und Siegeswillen, belohnte sich aber dafür nicht,weil sie es abermals nicht schaffte, einen Vorsprung über die Zeit zu bringen. 2:49 Minuten vor Spielende führten die Bamberger nach einem Dreier von Paris Lee mit zehn Punkten Vorsprung (78:68), doch dann begann bei den Brose-Basketballern wieder das Kopfkino, in dem abermals ein Horrorfilm auf dem Programm stand. Nur noch sieben Punkte gelangen ihnen bis zum Spielende, den Vechtanern dagegen 18.

Nach der siebten Niederlage in dieser Saison weisen die Bamberger zwar noch ein positives Punktekonto auf (16:14), sind aber auf den neunten Tabellenplatz abgerutscht und damit erstmals aus den Play-off-Rängen gefallen. Allein das sollte ausreichend sein, die Alarmglocken beim neunfachen deutschen Meister schrillen zu lassen. Wenn die Trendwende nicht bald gelingt, könnte das Treuebekenntnis zu Moors schnell zur Makulatur werden. Das weiß auch Dirks: "Wir können nicht Woche für Woche reden, und es passiert nichts, sondern wir brauchen schnellstmöglich Ergebnisse. Das ist völlig klar. Wir sind zwar in einer Umbruchsaison, aber das bedeutet ja nicht, dass wir nicht in die Play-offs kommen wollen."

Wie Moors in seinem Team den Schalter umlegen will, weiß er aber selbst nicht. "Wir machen zu viele Fehler, das ist die Realität. Wir sind nicht in der Lage, Spiele zu Ende zu bringen. Ich versuche alles Mögliche, dies zu ändern. Aber offensichtlich habe ich die Lösung noch nicht gefunden", sagte der sichtlich geknickte Belgier. Er hatte den zuletzt formstarken Bryce Taylor anstelle von Kameron Taylor in die Startformation beordert, was sich auszahlte. Bamberg legte einen 8:0-Lauf vor. Doch je länger das Spiel dauerte, desto deutlicher wurde, dass das Moors-Team kein Konzept gegen die aggressive Verteidigung von Vechta beim Einwurf hatte. Fünfmal verlor es leichtfertig den Ball an den Gegner. Und in der Crunchtime, als die Schiedsrichter eine strittige Szene per Video überprüften, saß der Belgier auf der Bank, während sein Trainerkollege Pedro Calles seinen Spielern Anweisungen gab.

Die Alleinschuld an der Niederlage hatte Moors aber keinesfalls. Während bei Vechta Trevis Simpson mit 15 seiner 32 Punkte im letzten Viertel ebenso heiß lief wie Steve Vasturia, der 13 seiner 19 Zähler im letzten Abschnitt erzielte, hatten die Bamberger niemanden in ihren Reihen, an dem sie sich in der Schlussphase aufrichten konnten. Christian Sengfelder zeigte zwar mit 23 Punkten (davon fünf Dreier) eine bärenstarke Leistung, doch anstelle des Matchwinners wurde er zum tragischen Helden. Denn zwei Sekunden vor Schluss foulte er Simpson beim Korbleger. Der US-Amerikaner traf den Bonusfreiwurf zum 86:85 und somit zur einzigen Führung seiner Mannschaft im gesamten Spielverlauf.

Nach der erneuten Heimpleite gegen die Vechtaner, die im Januar vergangenen Jahres bereits mit ihrem Sieg in Bamberg die kurze Amtszeit von Coach Ainars Bagatskis beendet hatten und wenige Monate später in der Brose-Arena den neunfachen Meister aus dem Play-off-Viertelfinale warfen, sprach Kapitän Elias Harris von der "schwierigsten Phase" seiner Zeit in Bamberg. Der Brose-Kapitän ist seit Dezember 2013 bei den Oberfranken. Seitdem hat der mit Abstand dienstälteste Spieler schon sechs Trainerwechsel erlebt.

Kommentar: Das Team braucht neue Impulse

Neunter in der Bundesligatabelle kurz vor Saisonhalbzeit: Eine Platzierung außerhalb der Play-off-Ränge ist zu wenig für die Ansprüche, mit denen Brose Bamberg in die Spielzeit 2019/20 gestartet ist. Schließlich hatte der neunfache Meister betont, trotz Schuldenabbaus einen gehobenen Etat zur Verfügung zu haben und an der Spitze mitspielen zu wollen. Doch auf dem Parkett ist davon seit Wochen nichts mehr zu sehen. Wer ist also schuld an der sportlichen Talfahrt von Brose Bamberg, die Mannschaft oder der Trainer? Es ist wohl eine Mischung aus beidem. Dem Team fehlt es an Qualität und Hierarchie. Es verfügt über zu viele Mitläufer und weist keine Führungsspieler auf, die das Heft in die Hand nehmen, wenn es einmal eng wird. Wenn sich einer auf den anderen verlässt und keiner Verantwortung übernehmen will, dann ist es kein Wunder, wenn Vorsprünge regelmäßig verspielt werden.

Doch für die Zusammenstellung der Mannschaft war - zusammen mit Sportdirektor Leo De Rycke - der Trainer zuständig. Moors hat bewusst auf individuell starke Spieler, die sich ihren Wurf selbst kreieren können, verzichtet und voll auf Teambasketball gesetzt. Darauf zu hoffen, dass die junge Mannschaft noch aus ihren Fehlern lernen wird, ist gewagt. Dieses Team braucht dringend neue Impulse - wenn nicht von der Seitenlinie aus, dann in Form von Nachverpflichtungen. Doch in Zeiten, in denen der Rotstift regiert, ist beides schwierig umzusetzen. Dass finanzielle Konsolidierung und sportlicher Erfolg nicht unter einen Hut zu bringen sind, wird den Verantwortlichen bei Brose Bamberg in dieser Saison vor Augen geführt. p.seidel@infranken.de

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