Bamberg
Neu bei Brose Bamberg (6)

Tyrese Rice ist ein zielsicherer Wandervogel

Tyrese Rice soll das Team zusammen mit Kapitän Nikos Zisis führen. Der 31-jährige Aufbauspieler spielte bereits für neun Vereine - zuletzt in China.
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Tyrese Rice Foto: Daniel Löb
Tyrese Rice Foto: Daniel Löb

Der erste Eindruck von Bamberg war für Tyrese Rice erschreckend. "In Deutschland gibt es die meisten Fliegen auf der Welt. Millionen über Millionen von Fliegen", twitterte der Basketballprofi aus den USA kurz nach seiner Ankunft Mitte August. Der neue Aufbauspieler von Brose Bamberg war an einem der ersten Abende in seiner neuen Wahlheimat zum Essen in der Altstadt, als ein Fliegenschwarm um seinen Teller herumschwirrte. "Ich konnte mein Essen gar nicht mehr genießen. Für gewöhnlich esse ich nicht im Freien, deshalb war das ärgerlich. Gott sei dank ist der Sommer hier vorbei", erklärt Rice. Millionen von Fliegen seien es aber nicht gewesen, fügt er schmunzelnd hinzu, "vielleicht 20".

Zum dritten Mal in der Bundesliga

Abgesehen von den Fliegen gefällt es dem 31-Jährigen in Deutschland anscheinend doch. Schließlich macht er nach einem jeweils einjährigen Gastspiel bei den Artland Dragons in Quakenbrück (2010/11) und bei Bayern München (2012/13) nun schon zum dritten Mal in seiner Karriere in der Basketball-Bundesliga Station. " Die Bundesliga ist wirtschaftlich sehr stabil. Seit ich das erste Mal hier war, ist sie immer besser geworden. Jedes Jahr kommen bessere Spieler hinzu. Das gefällt mir", meint Rice.

Als das Angebot von Brose kam, musste er daher nicht lange überlegen, es anzunehmen. "Zu diesem Zeitpunkt meiner Karriere ist für mich die Situation hier perfekt. Ich habe die Chance, Titel zu gewinnen. Aber Bamberg ist für jeden Spieler eine gute Adresse", erklärt der 1,85 Meter große Aufbauspieler - auch wenn es für ihn in den ersten Tagen komisch gewesen sei, das Brose-Logo auf der Kleidung zu tragen: "Schließlich haben mich die Bamberger zwei Meisterschaften gekostet." Mit den Dragons unterlag er in der Halbfinalserie 2011 haarscharf mit 2:3 nach Siegen gegen Casey Jacobsen, Brian Roberts und Co. Im Jahr 2013 scheiterte er mit den Bayern ebenfalls mit 2:3 im Halbfinale an den Brose-Basketballern. "Deshalb bin ich froh, jetzt Teil dieses Teams zu sein", meint Rice, der mit der Auswahl Montenegros an der EM 2013 und 2017 teilgenommen hat. Der Balkanstaat hatte ihm damals einen Reisepass angeboten.

Von Spanien nach China

Bamberg ist bereits die neunte Station in der zehnjährigen Karriere als Profi. In der vergangenen Saison stand er gar bei zwei Vereinen unter Vertrag. Da er beim FC Barcelona nach einem Trainerwechsel keine Einsatzzeit mehr bekam und sogar in die zweite Mannschaft der Katalanen abgeschoben wurde, wechselte er im Januar dieses Jahres nach China. Mit den Shenzhen Leopards erreichte er das Halbfinale der nationalen Meisterschaft.

Seinen Vertrag dort verlängern wollte Rice aber nicht, obwohl ihm der Verein das angeboten hatte. "Das Leben in China ist anders als überall sonst. Ich hatte Glück, dass Shenzhen nur eine Stunde von Hongkong entfernt ist, da gab es wenigstens internationale Restaurants. Ich weiß nicht, wie sich manche ausländische Spieler in anderen chinesischen Städten fühlen", erklärt Rice. Trotz seiner vielen Vereinswechsel sieht er sich nicht als Wandervogel: "Das ist einfach so passiert. Jede Station war ein Schritt nach vorne in meiner Karriere. Ich musste diese Angebote wahrnehmen. Ich bin froh, so lange auf einem so hohen Niveau spielen zu dürfen."

13,7 Punkte im Schnitt

In seiner Profikarriere hat Rice bisher 424 Spiele absolviert (83 davon in Deutschland) und 5835 Punkte erzielt. Mit 13,7 Zählern im Schnitt zählte der Aufbauspieler stets zu den korbgefährlichsten Spielern seiner Teams. Das ist auch ein Grund dafür, warum die Bamberger ihn verpflichtet haben. "Tyrese hat einen hohen Basketball-IQ, gepaart mit einem guten Wurf und einer harten Verteidigung. Er ist exakt die Persönlichkeit, die wir uns gewünscht haben", sagt Ginas Rutkauskas. Der Brose-Sportdirektor hofft, dass der 1,85 Meter große Wirbelwind auch in Bamberg seine Führungsqualitäten auf dem Feld zeigt. In den bisherigen Vorbereitungsspielen hat es der US-Amerikaner zumindest bereits getan.

Rice ist einer der wenigen Basketballprofis, die sowohl die Euroleague als auch den Eurocup gewonnen haben. Der korbgefährliche Aufbauspieler führte 2014 beim 98:86 Maccabi Tel Aviv (an der Seite von Ricky Hickman) mit 26 Punkten zum 98:86-Finalsieg über Real Madrid und wurde zum MVP des Final-Four-Turniers in Mailand gekürt. Ein Jahr später gewann er mit Khimki Moskau den Eurocup. Nachdem der Aufbauspieler zuvor zum MVP der Eurocup-Saison ernannt worden war, wurde er auch als bester Spieler der Finalserie gegen Gran Canaria ausgezeichnet.

Erstmals Champions Leauge

Nun betritt Rice mit dem Start in der Champions League zusammen mit den Bambergern Neuland. "Die Euroleague ist immer noch der beste Wettbewerb, aber der Eurocup und die Champions League nähern sich immer weiter an. Auch die Champions League ist sehr schwer zu gewinnen. Wenn wir das schaffen würden, wäre das für mich persönlich natürlich toll", sagt Rice, der alleine nach Bamberg gekommen ist. Seine beiden Söhne blieben in den USA. "Mein ältester Sohn ist in der siebten Klasse, mein jüngster zweieinhalb Jahre. Er kommt bald in den Kindergarten. Aber sie werden mich öfter in den Ferien oder an langen Wochenende besuchen", sagt Rice. Gemeinsam gegessen wird dann vermutlich drinnen. Geboren am 15. Mai 1987 in Richmond/Virginia

Größe/Gewicht 1,85 m/86 kg

Vertrag bis 2019

Position Aufbauspieler

Bisherige Vereine Panionios Athen (2009/10), Artland Dragons (2010/11), Lietuvos Rytas Vilnius (2011/12), Bayern München (2012/13), Maccabi Tel Aviv (2013/14), BC Khimki Moskau (2014 bis 2016), FC Barcelona (2016 bis 2018), Shenzhen Leopards (2018)

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