Leppelsdorf
Bogenschießen

Thomas Scholl - Weltklasse dank Eigenproduktion

Thomas Scholl gewann trotz widriger Umstände mit der deutschen Mannschaft Silber bei der WM im traditionellen Bogenschießen. Sein Sportgerät hat der Bamberger selbst angefertigt.
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Thomas Scholl nimmt mit seinem handgearbeiteten Bogen Maß.Marco Meißner
Thomas Scholl nimmt mit seinem handgearbeiteten Bogen Maß.Marco Meißner

Thomas Scholl greift zu seinem Bogen. Er hebt die Waffe ganz ruhig an, spannt die Sehne. Jeder Handgriff sitzt. Tausende Male haben seine muskulösen Arme den Pfeil schon auf ein Ziel ausgerichtet. Ein kurzes Zischen, dann bohrt sich die Spitze in die Markierung auf der Tierattrappe. Volltreffer! Der gebürtige Bamberger versteht aber nicht nur auf seinem heimischen Übungsparcours, mit dem Bogen umzugehen. Dass er eine ruhige Hand und ein gutes Auge besitzt, hat er kürzlich in den Vereinigten Staaten unter Beweis gestellt. Mit der deutschen Mannschaft wurde er Vizeweltmeister in der Kategorie Traditional Bowhunter Recurve. Und sein Sportgerät hat er auch noch selbst hergestellt. Ebenso wie den Bogen für Einzel-Vizeweltmeisterin Belinda Budrovcan in der Langbogen-Klasse, die der 53-Jährige zudem auch trainiert.

"Es ist mir wichtig, zu zeigen, dass meine Bögen Weltklasse sind", sagt Scholl. In seiner eigenen Bogenmanufaktur baut er die Sportwaffen selbst. Und seiner Ansicht nach soll ein Bogen eben nicht nur gut aussehen, sondern auch Leistung bringen.

Angefangen hatte Scholl mit dem Bogenschießen bei den 1306ern in Bamberg. Obwohl es ihn vor neun Jahren der Liebe wegen in den Landkreis Kronach verschlagen hat, unterhält er auch heute noch in Leppelsdorf bei Lauter einen Bogenparcour - und freut sich über jeden, der Bekanntschaft mit dem Sport machen möchte.

Dass es für den erfahrenen Bogenschützen - er schießt seit 28 Jahren - zum Vize-Titel reichen würde, hätte er noch kurz vor der WM nicht geglaubt. Hochmotiviert bereitete er sich vor. Dann trübte völlig unvermittelt ein Bandscheibenvorfall seine Ambitionen. "Das waren richtige Schmerzen", erinnert er sich. "Ich konnte mich nicht wie gewohnt vorbereiten. Diese Zeit hat mir gefehlt, sonst wäre es vielleicht noch ein bisschen besser gelaufen", spekuliert Scholl. Trotz Operation kämpfte er sich jedoch rechtzeitig in Wettkampfform zurück.

Der Wettkampf selbst dauerte vier Tage. Am Anfang standen Registrierung und Kontrolle. Dann folgte der Wettkampf. Geschossen wird beim TRB im Gelände und auf Distanzen zwischen 20 und 55 Metern. Zu Beginn standen zwei Drei-Pfeil-Runden an. Heißt, der erste von drei Pfeilen, der trifft, wird gewertet. Dabei gibt es auf den Zielattrappen die so genannte "Kill-Zone" und die "Wound-Zone", die unterschiedliche Punktezahlen bringen. Am dritten Tag wurden zwei Pfeile geschossen und beide gewertet. Am Schlusstag musste ein einziger Pfeil die Entscheidung herbeiführen. "Entweder du bist drauf oder nicht", erklärt Scholl.

Mit dem Vizetitel ist das Thema Wettkampf für ihn aber lange nicht abgeschlossen. Im kommenden Jahr steht eine Europameisterschaft in Deutschland an. Etliche Stunden nimmt er jede Woche die Ziele ins Visier, um sich vorzubereiten. "Da muss Technik trainiert werden, immer wieder Technik."

Augen für Sport öffnen

Für die Zukunft würde sich Scholl noch zwei Dinge wünschen: Mehr Aufmerksamkeit für seinen Sport und weitere Einsteiger. Er selbst stehe Interessierten gerne zur Seite (Kontakt: www.scholl-bogenbau.de).

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