Bamberg
Fußball-Bayernliga

Stadt-Derby in der Bayernliga: Alles blickt nach Wildensorg

Bis zu 1500 Zuschauer sollen kommen: Am Mittwoch steigt das mit Spannung erwartete Derby zwischen der DJK und FC Eintracht.
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1300 Zuschauer  sahen das letzte Stadtderby im August 2015, damals gewann der FC Eintracht bei Don Bosco mit 2:1. sportpress
1300 Zuschauer sahen das letzte Stadtderby im August 2015, damals gewann der FC Eintracht bei Don Bosco mit 2:1. sportpress

Unterschiedlich ist die Stimmungslage vor dem großen Stadt-Derby in der Fußball-Bayernliga heute um 18.30 Uhr in Wildensorg: Während der FC Eintracht beim 2:0-Heimsieg als einziger Aufsteiger der Liga einen erfolgreichen Start feierte, steckt Gastgeber DJK Don Bosco noch die unglückliche 1:2-Niederlage in Ammerthal in den Knochen. Auf der Rudi-Ziegler-Sportanlage wartet jedenfalls ein Leckerbissen auf die Fans aus nah und fern, streiten die Protagonisten doch neben den drei Punkten auch um die vorläufige Fußball-Krone in der Stadt.

Beim FCE durften sich die Verantwortlichen mit über 700 Besuchern über einen Arbeitssieg gegen Mitaufsteiger Karlburg freuen. Trotz großer Nervosität in der Anfangsphase gelang es, den Gegner in Schach zu halten. "Wir hatten die Hosen voll. Tempo und Leichtigkeit waren nicht vorhanden", sagt Trainer Michael Hutzler. Dass die Führungsspieler der Partie ihren Stempel aufdrückten, ließ so manches blau-violettes Herz höherschlagen. Der vom FC Schweinfurt verpflichtete Rückkehrer Nicolas Görtler ebnete mit einem Traumfreistoß nicht nur den Weg, er nahm auch den Fuß seiner Nebenleute von der Bremse. Der 29-Jährige präsentierte sich so, als sei er nie fort gewesen. Zusammen mit dem 21 Jahre alten Mittelfeldregisseur Lukas Schmittschmitt und dem gleichaltrigen und hochveranlagten Torhüter Fabian Dellermann bildete er eine zuverlässige Achse.

"Es war ein Kraftakt. Wir sind froh, gut gestartet zu sein. Umso mehr freuen wir uns auf das erste Stadtderby seit vier Jahren", sagt Hutzler - und zollt dem Gegner größten Respekt. "Wir wissen, dass die DJK eine Megatruppe mit individueller Klasse hat. Im Vergleich zu ihnen haben wir noch keine Körperlichkeit. Unsere Modellathleten sind im Vergleich nur 1,50 Meter groß und wiegen 50 Kilo", skizziert er spaßig und mit schelmischem Grinsen den für ihn größten Unterschied beider Teams. "Respekt haben wir sicherlich, aber gewiss keine Angst", sagt er kämpferisch.

Unglücklicher Spielverlauf

Im Vergleich zum FCE bissen sich die Wildensorger an Ammerthal die Zähne aus und verloren mit 1:2. Sie leisteten sich zu viele individuelle Fehler, lagen schnell mit zwei Toren zurück und fanden trotz intensiver Bemühungen nicht in die Spur zurück. Dass "Fortuna" keinesfalls auf Seiten der DJK stand, erschwerte die Aufholjagd immens. Ein Unglücklicher Handelfmeter, ein Abseitstor und die schwache Vorstellung in Halbzeit eins waren in der Summe zu viel.

Da trotz 30-minütiger numerischer Überzahl die spielerischen Lösungsansätze nicht griffen und der Gegner sein Bollwerk zusammenhielt, sprang nur der Anschlusstreffer heraus. Coach Mario Bail bestätigte in seinem Resümee die "verschlafene erste Halbzeit", machte aber auch deutlich, dass seine Schützlinge "sehr gut zurückgekommen sind. Es war im zweiten Durchgang ein Spiel auf ein Tor. Ein Unentschieden wäre gerecht gewesen."

Gegen den Lokalrivalen vertraut er dem gleichen Aufgebot wie zum Saisonauftakt. Zusätzlich stößt Johannes Jessen zum Kader, so dass es durchaus auf dem Spielfeld zum Bruderkampf kommen kann. Gabriel Jessen stand beim FCE in der Startformation gegen Karlburg. "Der FCE ist unglaublich spielstark und vor allem offensiv brandgefährlich", lautet Bails Einschätzung. "Es treffen viele Bekannte aufeinander, für die es alle ein besonderes Spiel ist." Er verrät auch die angedachte Vorgehensweise und offenbart seine Vorfreude. "Wir wollen mehr Ruhe und Struktur in unser Spiel bringen und mit mehr Intensität und Körperlichkeit agieren. Es ist vor allem eine Nervensache vor so großer Kulisse. Wir freuen uns darauf."

Fehlen werden bei der DJK weiterhin Uli Spies (verletzt), Manuel Müller (studien- und berufsbedingt bis Ende September) und Rodrigo Lloveras Marxuach (Auslandsaufenthalt). Ob Johannes Rosiwal, der gegen Ammerthal aufgrund einer Muskelverhärtung passen musste, wieder auflaufen kann, entscheidet sich erst kurzfristig.

Beim FCE stehen Andre Jerundow (Zehenprobleme), Felix Popp (Kreuzbandriss) und Vlad Saprykin (angeschlagen) nicht zur Verfügung. Der Einsatz von Steffen Müller, der sich im Abschlusstraining eine leichte Zerrung zuzog, ist noch fraglich.

Funktionäre im Interview: "Es ist ein Derby wie Schalke gegen Dortmund"

Im Vorfeld sprachen wir mit dem Sportlichen Leiter der DJK, Holger Denzler, sowie dem Abteilungsleiter des FCE, Sascha Dorsch, über die Partie, deren Bedeutung, die Stärken des Anderen und die Ziele.

Ist das erste Derby seit längerer Zeit ein Spiel wie jedes andere oder geht es um mehr als drei Punkte?

Holger Denzler: Die Situation, zwei Bayernligisten in einer Stadt zu haben, sorgt schon dafür, dass es kein Spiel wie jedes andere ist. Ob es um die Bestätigung der Nummer 1 geht, mag eine Rolle spielen. Es ist aber auch ein Spiel für die Anhänger beider Klubs und die Freunde des Fußballs im Spielkreis, wie es seit langem nicht mehr dagewesen ist. Ich hoffe wie jeder von uns darauf, dass uns viele Zuschauer einen würdigen Rahmen bescheren, der den Fußballern beider Teams gerecht wird. Das haben sie sich verdient. Sie kennen sich gegenseitig sehr gut und schätzen sich. Dennoch: Es wird schon brennen auf dem Platz. Aggressivität und Physis gehören zu einem richtigen, hochklassigen Derby. Es soll heiß hergehen, aber fair bleiben.

Sascha Dorsch: Es geht natürlich um mehr. Wir freuen uns drauf und sind heiß. Es ist ein Derby wie Schalke gegen Dortmund. Es ist auch für die Spieler etwas Besonderes. Schließlich gibt es viele Verflechtungen, hüben wie drüben; Spieler, die für beide Vereine aktiv waren und sind. Es soll immer fair bleiben. In der Vergangenheit führten wir viele Gespräche auf Funktionärsebene, die fruchtbar waren. Ich schätze Rudi Ziegler sehr. Mein Respekt gegenüber der DJK und den dort handelnden Personen ist riesig.

Was beeindruckt Sie am meisten am Gegner, wo sehen Sie dessen Stärken?

Holger Denzler: Es ist dieser Weg, den sie vor drei Jahren eingeschlagen und durchgezogen haben. Zwei Aufstiege in Folge sprechen für sich. Der FCE hat es verdient, in dieser Liga zu spielen. In der Offensive ist eine sehr hohe Qualität vorhanden, mit Tobias Ulbricht und Nicolas Görtler sind sie sehr gut bestückt. Die herausragende Arbeit, vor allem von "Hutzi" als Trainer, ringt mir höchste Anerkennung ab.

Sascha Dorsch: Die DJK ist über die letzten zwei bis drei Jahre gewachsen, der Kader sehr stabil aufgestellt. Die Spieler treten als kompakte Einheit auf, sind körperlich robust und sind außergewöhnlich präsent. Hinzu kommt die Erfahrung aus fünf bis sechs Jahren. Vor allem in der Innenverteidigung und auf der "Sechs" sind sie top besetzt. Hätten wir zum Auftakt nicht gegen Karlburg, sondern gegen ein älteres, abgezockteres Team gespielt, hätten wir in der Anfangsphase 0:2 oder 0:3 zurückgelegen. Wir müssen noch in der Liga ankommen. Athletisch und physisch sind uns viele Gegner aktuell voraus, auch die DJK, weil erfahrene Granaten in ihren Reihen stehen. Spielerisch können wir sicher mithalten.

Wie lautet das sportliche Ziel in einer spielerisch starken Bayernliga?

Holger Denzler: Unser oberstes Ziel ist wieder der Klassenerhalt. Im Hinterkopf haben wir freilich die gute vergangene Saison. Könnten wir gar Platz 8 bestätigen, wäre das eine super Sache. Das zu realisieren, wird verdammt schwer, da die Liga noch enger zusammengerückt ist. Zudem sind wir nur 17 Vereine, worüber ich nicht glücklich bin und was das Unterfangen noch schwieriger macht.

Sascha Dorsch: Neben dem internen Ziel Klassenerhalt steht vor allem die Weiterentwicklung der Spieler ganz oben. Dieser Weg ist klar und alternativlos für uns. Ich wünsche mir außerdem, dass unsere Fans beim Spiel keinen Quatsch machen.

Die Aufgebote

DJK Bamberg: Edemodu, Glos - Allgaier, Bergmann, Eckstein, Esparza, Fippl, Geyer, Haaf, Hoffmann, Hümmer, J. Jessen, Kettler, Niersberger, Pfänder, Rosiwal?, Strobler, Trawally, Wunder

FC Eintracht Bamberg: Dellermann, Oeser - Elshani, N. Görtler, P. Görtler, Heinz, Hofmann, G. Jessen, Kollmer, Linz, Müller?, Nikolaus, Nögel, Pfeiffer, Reischmann, Renner, Schmitt, Schmittschmitt, Ulbricht

Informationen für die Zuschauer

Eintritt: Die Tageskassen sind bereits ab 17.15 Uhr und damit 75 Minuten vor Spielbeginn geöffnet. Da stichprobenartige Einlasskontrollen durch Sicherheitsdienst und ggf. Polizei stattfinden, sollten Zuschauer etwas mehr Zeit einplanen. Fahnen bis zu einer Länge von einem Meter dürfen auf das Gelände mitgenommen werden. Parkplätze: Für die mit Pkw anfahrenden Zuschauer stehen Parkplätze auf zwei frisch gemähten Wiesen mit kurzen Wegen zum Sportgelände bereit. Darüber hinaus darf aufgrund der Absprache mit der Polizei Bamberg der Gehsteig außerorts in Fahrtrichtung Wildensorg zum Parken benutzt werden. Trauerflor: Am Mittwoch und drei Tage später gegen Hof wird der FCE anlässlich des Todes von Ehrenmitglied Theo Gulden mit Trauerflor spielen. red

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