Bamberg

Sengfelder sorgt für ein Tollhaus

Brose Bamberg verabschiedet sich mit einer starken Leistung und einem überraschenden 98:96-Heimerfolg gegen Teneriffa aus der Champions League. Der Krimi reißt die nur 4435 Zuschauer in der Verlängerung von den Sitzen.
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Fünf Sekunden vor Ende der Verlängerung trifft Christian Sengfelder mit diesem Dreier zum 98:96. 30 Sekunden zuvor hatte er von der rechten Seite aus der Distanz getroffen. Foto: Daniel Löb
Fünf Sekunden vor Ende der Verlängerung trifft Christian Sengfelder mit diesem Dreier zum 98:96. 30 Sekunden zuvor hatte er von der rechten Seite aus der Distanz getroffen. Foto: Daniel Löb
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Obwohl die Brose-Arena gefühlt halb leer war, herrschte eine Play-off-Atmosphäre wie in besten Zeiten. 4435 Zuschauer waren dankbar für die leidenschaftliche Vorstellung, die die Bamberger Basketballer in ihrem letzten Champions-League-Spiel boten. Beim hart erkämpften 98:96-Sieg über Iberostar Teneriffa zeigten die Bamberger - obwohl das Aus in diesem internationalen Wettbewerb schon zuvor besiegelt war - ihre wohl beste Saisonleistung. Gäste-Trainer Txus Vidoretta traf mit seiner Feststellung den Nagel auf den Kopf: "Die Bamberger haben mit sehr großer Intensität gespielt. Wenn sie das in den 13 Spielen zuvor auch gemacht hätten, hätten sie das Achtelfinale auf alle Fälle erreicht."

Mit dem siebten Erfolg im 14. Gruppenspiel glichen die Bamberger jedoch ihre Bilanz in der Gruppe C gerade mal aus. Zu wenig für den Final-Four-Teilnehmer des Vorjahres, um abermals in die K.-o.-Runde einzuziehen. "Nach diesem Sieg über Teneriffa, das für mich die beste Mannschaft in der Champions League ist, ist das Ausscheiden doppelt schade. Denn wir hätten das Niveau, in der nächsten Runde dabei zu sein", meinte Brose-Sportdirektor Leo De Rycke.

Wie in der Bundesliga schaffte es das Team nach Ansicht des Belgiers aber oft nicht, knappe Spiele für sich zu entscheiden. Beim 80:84 zu Hause gegen Gruppensieger ERA Nymburk, beim 75:76 in Nischni Nowgorod, beim 73:77 in Bar oder beim 75:78 in Peristeri schnupperten die Bamberger zwar am Sieg, gingen aber leer aus. "Mitzuhalten oder zu gewinnen ist eben ein großer Unterschied. Uns hat oft die Konstanz gefehlt, um Spiele zu Ende zu bringen. Das hat man auch heute wieder am Ende der regulären Spielzeit gesehen", sagte De Rycke.

Gegen Teneriffa waren die Bamberger ebenfalls wieder drauf und dran, den Sieg zu verspielen. Mit 87:84 führten sie neun Sekunden vor der Schlusssirene. In ihrem letzten Angriff gelang den Gästen aber durch einen Dreier von Santi Yusta, der zuvor schon dreimal aus der Distanz getroffen hatte, der Ausgleich. Yusta hätte aber nie die Chance zum Wurf bekommen dürfen. Das taktische Foul, das Brose-Coach Moors angeordnet hatte, um die Gäste an die Freiwurflinie zu bekommen, von wo aus sie maximal zwei Punkte hätten erzielen können, blieb aber aus. "Die ganze Halle hat geschrien, dass wir foulen sollen. Aber in Drucksituationen macht man halt Fehler, auch wenn uns das eigentlich nicht passieren darf", erklärte Mateo Seric, der knapp 20 Minuten auf dem Feld stand.

Spannung bis zum Schluss

Auch in der Verlängerung sollten Dreier entscheidend sein. Diesmal waren es aber die Bamberger, die die wichtigen Würfe trafen. Zum Matchwinner avancierte Christian Sengfelder, der mit zwei Dreiern in den letzten 35 Sekunden die Brose-Arena in ein Tollhaus verwandelte und ein spannendes Spiel aus Sicht der Gastgeber zu einem glücklichen Ende brachte. "Es war ein starkes Gefühl, die beiden Dreier zu treffen, aber ich bin einfach nur froh, dass wir endlich einmal ein enges Spiel gewonnen haben", sagte Sengfelder. Coach Moors freute sich darüber, "dass wir mit Chris einen Spieler hatten, der in der entscheidenden Phase mental voll da war".

Neben Sengfelder, der elf seiner 17 Punkte nach der Pause erzielte, zeigten Retin Obasohan (22/7 Assists) und Center Assem Marei (18/8 Rebounds) in Abwesenheit von Kapitän Elias Harris (Knieprobleme) starke Leistungen. Kameron Taylor (16) wies eine hundertprozentigen Freiwurfquote (8 Treffer) auf und war damit in den Schlussminuten der regulären Spielzeit sehr wertvoll für sein Team. Kaum Impulse kamen dagegen von Aufbauspieler Paris Lee (2) und Darion Atkins (6/1 Rebound). Gegen Teneriffa fiel das nicht ins Gewicht, dennoch gab De Rycke zu bedenken: "Es sind immer zwei oder drei dabei, die ihre Leistung nicht abrufen. Wenn alle Importspieler gut spielen, haben wir eine richtig gute Mannschaft. Aber das ist eben das Problem." Wie zuvor Geschäftsführer Arne Dirks wollte daher auch der Sportdirektor nicht ausschließen, noch einmal personell nachzubessern. "Wir halten uns die Option offen", hatte Dirks am Sonntag gesagt. De Rycke betonte nach dem unerwarteten Champions-League-Aus: "Es ist ja nicht so, dass alles schlecht ist. Aber wir wissen auch, was nicht ganz so gut läuft."

Brose Bamberg in der Champions League 2019/20

Höchster Sieg 91:53 gegen VEF Riga am 21. Januar 2020 Höchste Niederlage 71:91 bei ERA Nymburk am 16. Oktober 2019 Erzielte Punkte im Schnitt 76,9 (Platz 23 unter 32 Mannschaften/Stand 4. Februar 2020) Feldwurfquote 42,1 Prozent (Platz 29); Zweierbereich 45,8 Prozent (Platz 32), Dreierbereich 35,2 (Platz 15) Freiwurfquote 69,4 Prozent (Platz 25) Rebounds 38, 6 im Schnitt (Platz 4) - defensiv 24,9 (Platz 16), offensiv 13,7 (Platz 2) Assists 15,1 (Platz 30) Ballgewinne 6,6 (Platz 23) Ballverluste 9,1 (Platz 1) Blocks 2,4 (Platz 16) Zuschauerschnitt 5129 (Auslastung 83,3 Prozent)

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