Bamberg
Fußball

Peter Schirner unzufrieden mit Jugendförderung

Peter Schirner hat viel erreicht: als Schiedsrichter in der Bayernliga, als Assistent in der Bundesliga und als Funktionär auf höchster Ebene. Die Förderung des Nachwuchses liegt ihm besonders am Herzen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Peter Schirner (2.v.re) bei einem Bundesliga-Einsatz als Assistent von Siegfried Brehm (Mitte). Links Walter Junghans, rechts Klaus Allofs. Foto: pr
Peter Schirner (2.v.re) bei einem Bundesliga-Einsatz als Assistent von Siegfried Brehm (Mitte). Links Walter Junghans, rechts Klaus Allofs. Foto: pr
Als jugendlicher Fußballer konnte Peter Schirner in seinem Heimatort Geisfeld dem Hobby Fußball nicht nachgehen, weshalb er im benachbarten Naisa aktiv war. Als Erwachsener zog es ihn zurück nach Geisfeld, wo er aber rein fußballerisch gesehen nicht wirklich glücklich wurde. "Mehr als Ausrede, damit ich nicht spielen musste, entschied ich mich, Schiedsrichter zu werden." Also nahm er 1968 an einem Neulingslehrgang teil, den er erfolgreich absolvierte. Unter dem neuen Obmann Rainer Pflaum, einem seiner größten Förderer, ging es für Peter Schirner rasant aufwärts. Im Ein-Jahres-Abstand kam er hinauf bis in die Landesliga, drei Jahre später in die Bayernliga, damals die dritthöchste Spielklasse.

Besonders an die vielen prestigeträchtigen Derbys erinnert sich der 67-Jährige gerne zurück.
Beispielsweise das Gastspiel des FC Augsburg beim TSV 1860 München vor 22.000 Zuschauern oder das unterfränkische Spitzenspiel zwischen dem FC Schweinfurt und Heidingsfeld.

An eine Partie hat er besondere Erinnerungen. Das Gastspiel der Sechziger in Straubing, ein Derby wie es im Buche stand, fand unter keinen guten Voraussetzungen statt. Eine Woche zuvor kam es zu Ausschreitungen der Gästefans und man befürchtete für die anstehende Begegnung das Schlimmste. Aufgrund der Situation bekam der als resolut bekannte Schirner kurzfristig den Spielauftrag. In der Kabine musste er zunächst den Bürgermeister der Stadt hinauskomplimentieren, weil dieser ihn mit den Worten begrüßte: "In ihrer Hand liegt es, wie sich die Lage heute entwickeln wird!" Unter solchen Umständen eine brisante Partie zu leiten, war eine enorme psychische Belastung. Treu an seiner Seite standen während all der Jahre seine beiden Assistenten Andreas Eichelsdörfer und Josef Geck, "die besten Linienrichter der Welt." Die beiden gingen mit ihm durch dick und dünn und "sind gestanden wie eine Eiche, da konnte kommen was wollte!"

In der Bundesliga an der Linie

Ab der Saison 1983/84 war Schirner zusätzlich als Linienrichter für die Bundesliga qualifiziert. Unter anderem war er zwei Jahre lang im Gespann mit Siegfried Brehm unterwegs. Neben heute fast lächerlich wirkenden Spesen von nicht einmal 100 DM, bekam er auch eine komplette Ausgeh- und Sportausrüstung gestellt. Zudem erhielt er 200 DM Trainingsgeld pro Monat. Die Bundesligazeit endete 1988, weil er zu diesem Zeitpunkt die Altersgrenze von 42 erreicht hatte.

Schon während seiner aktiven Zeit war der Geisfelder als Funktionär tätig. Seit Mitte der 1970er im Ausschuss, von 1979 bis 1983 als stellvertretender Obmann der Gruppe Bamberg. Anschließend war er bis 1994 als Beobachter "von der Regionalliga bis hinunter" im Einsatz. Dann übernahm er auf Bitten von Obmann Rainer Pflaum das Amt des Lehrwartes. Bis zum Jahr 2000 sollte er diese Tätigkeit für insgesamt sechs Jahre ausüben. Zu jener Zeit kam es zu internen Streitigkeiten, wegen derer er den Posten räumen musste. Aber im Verbandslehrstab, mit dem Schwerpunkt Nachwuchsförderung, Trainerprüfungen und Leistungslehrgänge der Verbandsschiedsrichter, war er über mehr als zehn Jahre hinweg eingebunden.

"Talente werden verheizt"

Nicht wenige heute hochrangige deutsche Schiedsrichter haben Peter Schirner viel zu verdanken, weil er sie von Anfang an gefördert hat. Dabei hat er mit seiner Meinung nie hinter dem Berg gehalten. Das tut er auch heute nicht und kritisiert die Jugendförderung in ihrer derzeitigen Art. "Es gibt keine Einrichtung im Verband, die so viel Arbeit hat wie die Schiedsrichter. Gerade die jungen, qualifizierten Schiedsrichter sehen sich einer Überbelastung ausgesetzt. Sie werden mit einer viel zu hohen Anzahl an Spielen regelrecht verheizt. Das ist ein großes Problem."

Ein weiteres Problem hat er ebenfalls erkannt: "Die Jugendförderung ist notwendig, daran besteht kein Zweifel. Aber man darf dies nicht auf Teufel komm raus tun. Wenn ein junger förderungswürdiger Schiedsrichter in seiner höchsten Klasse offensichtlich überfordert ist, dann muss man auch einmal den Mut beweisen, ihn aus dieser Klasse wieder zurückzuziehen und ihm sagen: ,Junge, wir haben uns in dir getäuscht, du brauchst noch etwas länger.' Man muss im Grunde viel mehr Wert auf die Persönlichkeitsschulung legen. Denn das ist es, worauf es ankommt. Leider passiert in dieser Richtung nichts!"

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren