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Basketball

Nur auf Rubit und Zisis ist im Brose-Team immer Verlass

Im Bamberger Brose-Team steckt Potenzial, das aber zu selten abgerufen wird. Jetzt sind alle Mann an Bord und müssen liefern.
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Augustine Rubit in Aktion Foto: Daniel Löb
Augustine Rubit in Aktion Foto: Daniel Löb
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"Mister Zuverlässig" - dieses Markenzeichen hat sich Augustine Rubit in den ersten 16 Partien der Bamberger Brose-Basketballer redlich verdient. Sowohl in der Bundesliga als auch in der Champions League ist der Power Forward der effektivste Bamberger und besticht im Gegensatz zu vielen seiner Teamkollegen mit ungeheuerer Konstanz. Hohe Trefferquoten, Nervenstärke auch in kniffligen Situationen sowie spektakuläre Dunkings und Blocks zeichnen den athletischen 29-jährigen Zwei-Meter-Mann aus.

Insgesamt fehlte es der Mannschaft von Trainer Ainars Bagatskis in den ersten zwei Monaten an der Beständigkeit. Die mannschaftliche Geschlossenheit und die exzellente Ballbewegung früherer Jahre wird schmerzlich vermisst. Vor allem in der Verteidigung ist noch jede Menge Luft nach oben. Gerade gegen Mannschaften mit guten Distanzschützen offenbarte die Abwehr erhebliche Defizite. Aber auch in der Pick-and-Roll-Verteidigung taten sich riesige Lücken auf.

In den acht Bundesliga-Begegnungen erzielten Rubit & Co. zwar im Schnitt 90 Punkte, ließen aber auch 85,5 Zähler zu. In der Champions League stehen 83,3 Punkten in der Offensive 80,7 Zähler des Gegners gegenüber. Diese Unzulänglichkeiten in der Defensive sorgten dafür, dass die meisten Partien erst in der Schlussphase entschieden wurden.

Nach vier knappen Siegen in der Bundesliga gegen Würzburg, Ludwigsburg, Bremerhaven und den Mitteldeutschen BC gab's in Braunschweig einen gehörigen Dämpfer. Die 66:92-Pleite bei den Basketball Löwen erinnerte frappierend an die derben Niederlagen in der letzten Saison in Bonn und Jena. Die Bagatskis-Mannschaft war am Tiefpunkt angelangt, rehabilitierte sich aber mit dem 109:101-Erfolg nach Verlängerung gegen das Überraschungsteam aus Gießen. Und trotz der 88:92-Niederlage beim Vizemeister in Berlin zeigten die Bamberger, dass sie in der Lage sind, den Top-Mannschaften auf Augenhöhe zu begegnen.

Kader erstmals komplett

Im letzten Spiel vor der Länderspielpause hatte Bagatskis erstmals in dieser Saison alle Mann an Bord und verbuchte dank einer überzeugenden zweiten Halbzeit einen 99:67-Erfolg gegen Jena, mit dem Rang 4 untermauert wurde.

Dabei stach aus einem erstmals kompakten und spielfreudigen Team Tyrese Rice heraus. Der oftmals eigensinnige Spielmacher glänzte mit Zauberpässen und verteilte 16 Vorlagen. Mit diesem Topwert kletterte er auch an die Spitze der Assistwertung in der BBL (8,8 im Schnitt). Ein wichtiger Faktor für den Umschwung in Hälfte 2 war aber auch Bryce Taylor, der fast ein Jahr nach seinem Achillessehnenriss wieder auf dem Parkett der Brose Arena glänzte.

"Nach den zahlreichen Verletzungen sind auch Bryce Taylor und Ricky Hickman zurück. Jetzt steht die Stabilisierung des Teams im Vordergrund", bilanzierte Bagatskis nach dem Sieg über Jena. Steigerungsbedarf sieht er vor allem in der Verteidigung: "Wir müssen unser Spiel aus einer stabilen Abwehr entwickeln, das habe ich vom ersten Tag an gesagt." Deshalb kam ihm die Länderspielpause gerade recht: "Wir sind jetzt komplett und haben zwei Wochen Zeit, uns zusammenzufinden."

Mit mehr Konstanz und mannschaftlicher Geschlossenheit sollte auch in der ausgeglichen besetzten Champions-League-Gruppe C, in der sich die Bamberger bisher recht unbeständig präsentierten (4:3 Siege), der Einzug in die K.o.-Phase zu schaffen sein, obwohl das Brose-Team in der Rückrunde nur noch dreimal Heimvorteil genießt.

Abzuwarten bleibt, ob das Beben nach der Entlassung von Geschäftsführer Rolf Beyer vor wenigen Tagen Auswirkungen auf die sportlichen Leistungen hat. Die geschlossen hinter Beyer stehenden Fans jedenfalls werden das Geschehen vor und hinter den Kulissen mit Argusaugen verfolgen, zumal ja auch noch die Rückkehr des in der letzten Saison oft gescholtenen Ricky Hickman ins Haus steht. Die Brose-Spieler in der Einzelkritik

Tyrese Rice Mit 14,4 Punkten im schnitt führt Rice die teaminterne Korbjägerliste in der BBL an, allerdings versucht er es zu oft mit der Brechstange. Dem Topwert von 8,8 Assists stehen 2,9 Ballverluste gegenüber. - Note: 2 Stevan Jelovac Der Serbe kommt ebenfalls auf 14,4 Zähler und holt 4,4 Rebounds. Seine oftmals schlechte Wurfauswahl und die mangelhafte Verteidigung trüben die Bilanz. - Note: 3 minus Augustine Rubit Der Power Forward spielt eine überragende Saison und ist der effektivste Bamberger Spieler. - Note: 1 Cliff Alexander Der athletische Center besitzt großes Potenzial, das er aber zu selten ausschöpft. Der 23-Jährige schließt oft per Dunking ab und holt die meisten Rebounds (5,9). - Note: 3 Nikos Zisis Der Routinier erlebt seinen x-ten Frühling. Der 35-Jährige lenkt souverän das Spiel und trifft zudem 45 Prozent seiner Distanzwürfe. - Note: 1 minus Elias Harris Das Kraftpaket unter den Körben ist nach langer Verletzungspause zurück und hilft dem Team mit seinem Einsatzwillen enorm weiter. - Note: 3 Bryce Taylor Auch der Kalifornier mit deutschem Pass war lange verletzt. Bleibt er gesund, wird er sicher ein wichtiger Faktor werden. - Note: 3 Patrick Heckmann Nach großem Verletzungspech findet er zu alter Stärke zurück. Seine bissige Abwehr wird mit viel Spielzeit belohnt. - Note: 2 minus Maurice Stuckey Der Scharfschütze gibt immer Vollgas und gilt als aggressiver Verteidiger. Seine Rolle im Team hat er noch nicht gefunden. - Note: 3 minus Daniel Schmidt Der Litzendorfer hat sich die Vertragsverlängerung verdient. Der Spielmacher ist zu einem soliden Regisseur gereift. - Note: 3 Louis Olinde Das Talent präsentiert sich stark verbessert, wurde aber zuletzt von einer Verletzung gestoppt. - Note 3 minus Arnoldas Kulboka Der gedraftete Litauer versenkt 48 Prozent seiner Dreier, hat jedoch enorme Defizite in der Abwehr. - Note: 4



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