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Neustart bei der DJK Bamberg und beim SC Kemmern ist alternativlos

Die DJK Bamberg und der SC Kemmern planen die kommende Saison der Damen in der 2. Liga und der Mädchen nach dem Ausstieg des Hauptsponsors Brose Bamberg.
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Gute Laune im Januar: Brose-Bamberg-Manager Rolf Beyer (l.) und die langjährige DJK-Spielerin Liisi Sokman als Siegerin des Dreier-Wettbewerbs bei der gelungenen Premiere des "German Allstar Days" in der Georgendammhalle mit der DJK Brose als Gastgeber. "Bambergs Basketballherz", so Beyer seinerzeit, "schlägt auch für den Damen- und Mädchenbasketball" - nun eben ohne Brose als Hauptsponsor. Foto: sportpress
Gute Laune im Januar: Brose-Bamberg-Manager Rolf Beyer (l.) und die langjährige DJK-Spielerin Liisi Sokman als Siegerin des Dreier-Wettbewerbs bei der gelungenen Premiere des "German Allstar Days" in der Georgendammhalle mit der DJK Brose als Gastgeber. "Bambergs Basketballherz", so Beyer seinerzeit, "schlägt auch für den Damen- und Mädchenbasketball" - nun eben ohne Brose als Hauptsponsor. Foto: sportpress
Es bleibt in diesen Tagen keine Zeit, weiter verwundert und überrascht zu sein oder gar Groll zu hegen. Nach dem Rückzug von Brose Bamberg aus der Förderung des Damen- und Mädchenbasketballs in der Region Anfang dieser Woche sehen sich die Vereine DJK Don Bosco Bamberg und SC Kemmern gefordert, nüchtern zu analysieren, sich neu aufzustellen und die kommende Saison zu planen.
Martina Förner, die langjährige Basketball-Abteilungsleiterin des SCK und Mutter von Jugendnationalspielerin Julia Förner, sagt: "Der Rückzug von Brose kam für uns alle aus heiterem Himmel und wurde uns nur durch eine E-Mail übermittelt. Wir müssen es jetzt schaffen, der Meldefrist wegen binnen vier Tagen zu entscheiden, unter welchem Verein und wie unsere erfolgreiche U18-Mannschaft in der Juniorinnenbundesliga WNBL spielen wird. Die 2. Liga ist ebenfalls ein sehr wichtiges Thema." Es gehe zudem um Bayernauswahl- und Nationalspielerinnen. Die zwei Vereine habe man von heute auf morgen unvorbereitet mit einer derartigen Situation konfrontiert. Förner: "Wir sind mit der DJK Don Bosco in Verhandlungen, wie es weitergeht."
Sprachlosigkeit scheint bei den Spielerinnen vorzuherrschen, sie müssen abwarten, welche Lösungen gefunden werden. Mara Münder, eine der erfahrenen Spielerinnen im Zweitligakader, verzichtet "aufgrund der zurzeit hoch emotionalisierten Lage" auf eine Wertung.
Mögliche Arbeitsfelder beim Neustart: Bleibt es bei der Zusammenarbeit von DJK Bamberg und SC Kemmern? Zu verteilen sind die Spielerinnen auf die Teams - vornehmlich 2. Liga, Regionalliga, Bayernliga und Nachwuchs. Zu denken ist an Neuverpflichtungen. Zu vergeben sind die Trainerposten - in der 2. Liga etwa lief die Planung bis zum Brose-Ausstieg mit Jessica Miller, der WNBL-Coach Ulf Schabacker ist zum ProB-Absteiger BBC Coburg gewechselt. Aufzufangen ist in der Finanzplanung der Wegfall des Hauptsponsors, was angesichts des Engagements neuer Gönner machbar erscheint. Die Organisation der Hallenzeiten und Meldungen der Teams gehören wohl eher zum alltäglichen Tun.


Ziel: deutsche Meisterschaft

So überrascht die Vereine sein mögen, gänzlich von ungefähr scheint der Schritt des Hauptsponsors auch nicht gekommen zu sein. Schon länger hofften die Eltern der U18-Basketballerinnen, die zur nationalen Elite zählen, offensichtlich auf mehr Wertschätzung des Teams, das in diesem Jahr knapp das Finalturnier um die deutsche Meisterschaft verpasste. Klares und damit vorrangiges Ziel müsse es nun sein, deutscher Meister zu werden. Die Unzufriedenheit scheint Rolf Beyer, dem Geschäftsführer von Brose Bamberg, nicht verborgen geblieben zu sein. Indes: Die Planungen für die kommende Saison liefen bis weit in die letzte Woche hinein weiter. Und da waren sich die Vereine offenbar einig, im Herbst jeweils eigene Teams in den Altersklassen U14 und U16 ins Rennen zu schicken. Die so oft propagierte "nachhaltige und breit aufgestellte Jugendförderung" durch die DJK Brose Bamberg wurde so überflüssig.
Der Brose-Bamberg-Manager blickt nochmals zurück: "Es ist in der Tat so, dass wir im weiblichen Basketballbereich unter der Leitung von Sebastian Gut - aber auch Ulf Schabacker, Jessica Miller, Kai Tzschentke, Konstantin Hammerl und vielen mehr - in den letzten Jahren ein Programm mit einer Vision aufgesetzt haben, das klar die Verbreiterung der Sportart bei den Mädchen und Damen zum Ziel hatte, und hierdurch auch genügend Substanz im Damenbereich für eine zweite Liga schaffen konnte. Dafür haben die Bamberger Basketball GmbH und der Brose Bamberg e. V. einen sechsstelligen Betrag eingesetzt. Dieser von den genannten Personen vorgeschlagene Weg wurde von mir immer vollumfänglich mitgetragen. Ich bin ihnen daher sehr dankbar, dass sie den Mut und die Passion hatten, neben Studium und Beruf so viel Herzblut einzubringen, damit etwas Gutes daraus entstehen konnte."


Die Ausrichtung nicht vergessen

Es sei sicherlich nicht so, "dass wir solche weitreichenden Entscheidungen spontan treffen, jedoch zeigten die Entwicklungen der letzten Monate und Jahre, dass es unterschiedliche Interessenlagen hinsichtlich der Ausrichtung des Konzepts gibt, und dass diese Ausrichtung und Umsetzung keine flächendeckende Akzeptanz finden." Dies habe nichts mit der Person des Sportlichen Leiters der DJK Brose, Sebastian Gut, zu tun, so Beyer, "vielmehr wollen wir Entwicklungen, die vielleicht für den Damen-Basketball besser sein können, nicht im Wege stehen."
Es scheine eine Selbstverständlichkeit zu sein, dass Brose finanziere, aber dann keine Ausrichtung vorgeben solle. Beyer: "Ich sehe diesen, zugegeben hart gesetzten Impuls als Chance, dass viele nun aufstehen und sich nicht nur auf Brose verlassen. Wenn die Sichtweisen so unterschiedlich sind, ist es besser, einen Schnitt zu machen. Dies soll aber nicht heißen, dass wir sinnvolle Konzepte und Maßnahmen in diesem Bereich nicht weiter unterstützen würden."
Sebastian Gut beschreibt das Ende seiner Tätigkeit als Sportlicher Leiter der DJK Brose: "Für mich war immer klar, dass ich meine Arbeit nicht fortsetzen werde, wenn ich im Gesamtkontext nicht mehr davon überzeugt bin, etwas Positives bewirken zu können. Das habe ich frühzeitig signalisiert, das war in der Vorbereitung auf die neue Saison zunehmend der Fall, und das habe ich Rolf Beyer als meinem Auftraggeber mitgeteilt." Die aktuelle Entwicklung sei sicher für einige überraschend gekommen, man solle bei aller Emotion aber die Signalwirkung verstehen. Gut: "In diesem Umbruch liegt wie in jedem Ende eines Zyklus eine Chance. Ich freue mich, wenn ein aussichtsreicher Anknüpfungspunkt im Sinne der Sache gefunden wird."


Jährlich auf dem Prüfstand

Rolf Beyer, der Manager des deutschen Basketballmeisters, beleuchtet das Förderkonzept: "Wir stellen jedes Jahr unser Programm auf den Prüfstand; zum einen hinsichtlich der Qualität der Arbeit, zum anderen aber auch im Verhältnis Aufwand zu Nutzen. Wir sind im männlichen Nachwuchsbereich mit Yassin Idbihi und Ginas Rutkauskas einige weichenstellende Struktur-Aspekte durchgegangen und werden diese über den Sommer auch umsetzen. Dies kann auch mit weniger Budget erfolgen, ist aber keine wesentliche Prämisse. Grundsätzlich hängen Budgethöhen einzelner Bereiche aber natürlich auch von den zu erwartenden Erlösen im Gesamtkonzept ab, danach ist dann auch zu planen und gegebenenfalls kann erhöht oder muss reduziert werden."
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