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Judo

Max Heyder erklimmt nationalen Thron

Für den 22-Jährigen vom Judo Club Naisa soll der Sieg bei den deutschen Meisterschaften aber nur ein Etappenziel sein. Der Traum heißt Olympia.
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Der Jubelschrei nach dem Finalsieg: Max Heyder ist deutscher Judo-Meister in der Leichtgewichtsklasse bis 60 Kilogramm. privat
Der Jubelschrei nach dem Finalsieg: Max Heyder ist deutscher Judo-Meister in der Leichtgewichtsklasse bis 60 Kilogramm. privat

Die deutschen Judo-Einzelmeisterschaften der Frauen und Männer in Bad Cannstatt liefen für Max Heyder vom Judo Club Naisa nach Maß. Nach drei Vorrundenkämpfen in der Leichtgewichtsklasse bis 60 kg, bei denen Heyder sein Können eher verhalten auf die Matte brachte, überzeugte er in einem starken Halbfinale gegen Titelträger Lukas Klemm und zog so in das Finale gegen Moritz Plafky vom JC Hennef ein, die deutsche Nummer 1, wo er bereits nach gut einer Minute für eine Überraschung sorgte und sich den Titel holte.

Bis dahin war es aber ein weiter Weg: Der 22-Jährige traf in der ersten Runde auf Christian Krüger (Petersberg), den er durch einen Würgegriff bezwang. In der nächsten Runde wartete mit Daniel Vishnevskij aus Mönchengladbach, dem späteren Fünften, ein starker und wendiger Athlet, der Heyder mit blitzschnellen Angriffen attackierte. Erst im Golden Score gelang es ihm, einen dieser Angriffe mit einen Schulterwurf (Seoi-nage) zu übernehmen und die Begegnung durch Ippon zu beenden.

Im Viertelfinale erwies sich Tobias Teucke (Homburg-Erbach) als zäher Gegner. Er musste jedoch mehrere Strafen hinnehmen, die ebenfalls zum vorzeitigen Sieg für Heyder führten. Damit stand er im Halbfinale dem deutschen Meister Lukas Klemm (Sindelfingen) gegenüber. Beide Athleten kennen sich aus dem Effeff, weshalb die Begegnung über weite Teile von einem starken Griffkampf geprägt war. Erst gegen Ende konnte Heyder eine gewisse Griffdominanz ausspielen, worauf Klemm durch Zubodenziehen reagierte, was von den Kampfrichtern konsequent bestraft wurde. Die Entscheidung fiel - wenig schön, aber bei solchen Begegnungen nicht zu vermeiden - zugunsten Heyders durch die dritte Strafe für Klemm. Der Erstgesetzte Moritz Plafky hatte sich erwartungsgemäß durch den oberen Pool gekämpft, wo er im Finale nun von Heyder erwartet wurde.

Auch diese beiden kennen sich aus zahlreichen Trainingseinheiten mit dem Nationalkader bestens, so dass eine eher langatmige Auseinandersetzung zu erwarten war. Dementsprechend fackelte der Kamprichter nicht lange, Heyder erhielt früh eine Passivitätsverwarnung, die rückblickend wohl genau im richtigen Moment kam.

Heyder, nun im Zugzwang, gelang es bereits nach gut einer Minute, einen der gefährlichen linken Schenkelwurf-Ansätze (Uchi-mata) von Plafky durch eine reaktionsschnelle Fegetechnik zu kontern - und Plafky mit Schwung auf die Matte zu befördern. Die Hand des Hauptkampfrichters schnellte zum Ippon nach oben, Heyder und sein Coach Ralf Matusche begannen zu jubeln.

Da Plafky jedoch nicht vollständig auf dem Rücken gelandet war, wurde der vom Hauptkampfrichter gegebene Ippon nach der üblichen Videoanalyse von den Außenkampfrichtern in einen Waza-ari (halber Punkt) umgewandelt, so dass Heyder zwar in Führung lag, aber ansonsten wieder alles offen war. In der Folge konnte Heyder die an Intensität zunehmenden Angriffe seines Finalgegners durch einen cleveren Griffkampf und Hüfteinsatz unter Inkaufnahme einer weiteren Bestrafung ins Leere laufenlassen und so die Wertung über die volle Zeit bringen. Der Titel war ihm nicht mehr zu nehmen.

Für den Judo-Bezirksverband Oberfranken ist es die erste Goldmedaille bei den Männern seit dem letzten Titelgewinn durch Walter Rieß aus Bayreuth (dreifacher deutscher Meister) vor 35 Jahren. Coach Matusche aus München-Großhadern war überglücklich und hofft nun, dass bei Heyder, der bereits in der Jugend zweimal deutscher Meister und im Vorjahr Vizemeister wurde, auch international der Knoten platzt.

Die Nominierung für den Grand Slam in Düsseldorf, wo Ende Februar die weltbesten Judoka auf der Matte stehen, um wichtige Qualifikationspunkte für die Olympischen Spiele in Tokio zu sammeln, dürfte jedenfalls außer Frage stehen. Zuvor stehen allerdings das Turnier in Visé (Belgien) und ein European Open in Rom auf dem Programm. red



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