Bamberg
Weltkulturerbelauf

Chaos beim Weltkulturerbelauf: Zuschauer schickt Läufer auf Irrweg - "Es tut mir sehr leid"

Beim Brose-Lauf haben etliche einen falschen Weg genommen. Warum, das wusste zunächst niemand. Bis sich Albrecht Breitschuh bei der Sportredaktion meldete.
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Mehr als 11 000 Läufer gingen beim Weltkulturerbelauf über die verschiedenen Distanzen an den Start. Beim Brose-Lauf mussten die Spitzenläufer aber einen Umweg machen. Nun ist auch der Grund bekannt. Rinklef
Mehr als 11 000 Läufer gingen beim Weltkulturerbelauf über die verschiedenen Distanzen an den Start. Beim Brose-Lauf mussten die Spitzenläufer aber einen Umweg machen. Nun ist auch der Grund bekannt. Rinklef
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Albrecht Breitschuh musste sein Gewissen erleichtern. "Es tut mir sehr leid, dass ich bei diesem wunderbaren Lauf und dieser in jeder Hinsicht außergewöhnlich tollen Veranstaltung so nachhaltig eingegriffen habe." Mit diesen Worten endet seine E-Mail an den Fränkischen Tag, ein Schreiben, das in seiner Offenheit beeindruckt. Viele wären vor Scham wohl im Boden versunken, Breitschuh aber steht zu dem, was ihm am Sonntag unterlaufen ist.

Wie berichtet, kam es beim Weltkulturerbelauf zu großen Irritationen auf der Strecke, als die Spitzenläufer des Brose-Laufs auf einen falschen Weg geschickt wurden - und nicht mehr wussten, wohin sie zu laufen haben. Der Ärger bei den Sportlern war groß.

Wie es zu diesem Malheur kommen konnte, das wusste zunächst niemand. Bis Albrecht Breitschuh mit seiner E-Mail für Aufklärung sorgte. Im Interview spricht Breitschuh, ein Lüneburger mit familiären Verflechtungen nach Bamberg, über sein fatales Eingreifen an der Strecke.

Herr Breitschuh, Sie nehmen in Ihrer E-Mail die ganze Schuld auf sich. Die Angelegenheit scheint Sie sehr umzutreiben.

Albrecht Breitschuh: Ich laufe seit gut 20 Jahren Wettkämpfe und kann sagen, mich noch nie auch nur annähernd so mies gefühlt zu haben wie in diesem Moment. Ich weiß wirklich, was es bedeutet, am Anschlag zu laufen. Jeder zusätzliche Meter ist da einer zu viel. Und das, was ich den Spitzenläufern an Zuschlag eingebrockt habe, ist die absolute Höchststrafe. Ich kann nur um Entschuldigung bitten.

Sie waren gar nicht als Streckenposten vor Ort, sondern als Zuschauer und starteten später im Halbmarathon. Wie konnte es dann dazu kommen?

An der besagten Stelle, etwa bei Kilometer 5 am E.T.A.-Hoffmann-Denkmal, war kein Streckenposten eingeteilt. Mein Schwager und ich haben einen Mitarbeiter der Feuerwehr gefragt, ob das Feld hier entlang laufen würde. Seine Antwort: ja, sogar gleich zweimal. Sie würden zunächst dem Straßenlauf folgend weiterlaufen, nach ein paar hundert Metern eine Schleife drehen und wieder zurückkommen. Ich wies den Feuerwehrmann darauf hin, dass man auch nach rechts abbiegen könnte, also der Streckenlauf nicht eindeutig sei. Er wiederholte noch einmal, dass nicht nach rechts abgebogen, sondern dem Straßenlauf gefolgt wird. Da er ein Trassenband bei sich hatte, schlug ich vor, doch auch die Rechtskurve und damit die richtige Abbiegung abzusperren. Er verneinte und sagte, für den Streckenverlauf nicht zuständig zu sein. Kurz darauf kam ein Mitglied des Orga-Teams mit dem Fahrrad, schaute sich alles an, und verschwand wieder. Ein, zwei Minuten später erreichte die Spitzengruppe diese Stelle, es waren zwei Läufer. Ohne Führungsfahrrad.

Der führende Läufer wusste also nicht, wo er hinlaufen sollte?

Genau. Er sah uns an, bewegte deutlich um Orientierung bittend Kopf und Hände, mal nach links, mal nach rechts, und wollte wissen, wo er lang laufen soll. Daraufhin zeigte ich von mir aus gesehen nach rechts. Natürlich in dem Glauben, dass der mehr oder weniger Offizielle neben uns die Streckenführung kennt. Es folgten weitere Läufer, von denen einige automatisch dem Straßenverlauf folgten, weil es ja auch irgendwie logisch schien. Andere - darunter die erste Frau - schickte ich ebenfalls in die falsche Richtung.

Wann wurde der Fehler bemerkt?

Kurz darauf kamen zwei Frauen an, die auch Angehörige anfeuern wollten und wiesen uns auf den Fehler hin. In dem Moment kamen bereits die ersten Läufer wieder zurück und beschimpften mich - wofür ich volles Verständnis habe - ziemlich wüst. Aber ich bin fest davon ausgegangen, dass der Mann von der Feuerwehr den Streckenverlauf kennt. Ich habe mich nur deshalb als Streckenposten betätigt, weil die Führenden nicht wussten, wo sie lang laufen sollten.

Das kann man als Kritik an den Organisatoren interpretieren...

Das ist nicht meine Absicht, ich möchte die herausragende Arbeit des Orga-Teams in keiner Weise schmälern. Ich habe schon 2013 und 2015 am Weltkulturerbelauf teilgenommen und schätze ihn als große Herausforderung für einen Flachlandläufer. An dieser Stelle hätte aber zwingend ein offizieller Streckenposten stehen müssen, abgesehen davon, dass ein Führungsfahrrad auch geboten gewesen wäre.

Wie ging es danach weiter?

Ich bin sofort zu einem Info-Stand gegangen und habe eine Frau vom Orga-Team informiert. Die Zeit drängte aber, da mein Start im Halbmarathon bevorstand. Ich war aber so aufgewühlt durch meinen Fehler, dass ich gar nicht mehr laufen wollte, bin dann aber doch gestartet. Ich bin den Lauf bewusst gemächlich angegangen, um wieder runterzukommen. Auch wenn ich mich wiederhole: Ich kann nur um Entschuldigung bitten.

Das sagt der Veranstalter

Martin Sage, Pressesprecher des Weltkulturerbelaufs: "Wir machen niemandem irgendwelche Vorwürfe, so etwas kann passieren. Als Veranstalter werden wir unsere Schlüsse daraus ziehen und dazulernen. Wir hoffen und sind zuversichtlich, dass sich Vergleichbares in zwei Jahren beim Weltkulturerbelauf nicht wiederholen wird."

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