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Junges Trio bei Brose Bamberg: Reifeprozess mit Hindernissen

Nach dem Trainerwechsel bei Brose haben mit Louis Olinde und Cliff Alexander zwei junge Spieler ihre Rolle gefunden. Arnoldas Kulboka muss sich gedulden.
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Zwei der größten europäischen Talente des Jahrgangs 1998, die sich auch neben dem Parkett gut verstehen: Louis Olinde (links) und Arnoldas KulbokaDaniel Löb
Zwei der größten europäischen Talente des Jahrgangs 1998, die sich auch neben dem Parkett gut verstehen: Louis Olinde (links) und Arnoldas KulbokaDaniel Löb

Im Schnitt 29 Jahre jung ist das neue Trainertrio von Brose Bamberg um Federico Perego, Dominik Günthner und Mark Völkl gerade einmal. Ein Alter, das von den fünf Bamberger Akteuren, die in der heißen Phase einer Partie auf dem Parkett stehen, nicht selten übertroffen wird. Insbesondere der Backcourt um Nikos Zisis (35 Jahre), Ricky Hickman (33), Bryce Taylor (32) und Tyrese Rice (31) darf als reichlich erfahren bezeichnet werden.

An entwicklungsfähigen Spielern mangelt es im Brose-Kader in dieser Spielzeit trotzdem nicht. Louis Olinde (20), Arnoldas Kulboka (21) und Cliff Alexander (23) gehören in die Kategorie "junge, hungrige Spieler", die sich Aufsichtsratsvorsitzender Michael Stoschek nach dem Play-off-Halbfinalaus gegen die Bayern im Juni 2018 gewünscht hatte. Nach der Hälfte der Saison bleibt zu bilanzieren, dass die junge Garde zwar Teil des "Resets" ist, aber noch keine Hauptrolle spielt.

Eine positive Tendenz ist nach dem Trainerwechsel vor vier Wochen klar erkennbar. "Wir müssen Louis, Arnoldas und Cliff die Chance für Fehler geben. Nur wenn wir sie spielen lassen, können sie sich verbessern. Wir sind sehr zufrieden mit der Art und Weise, wie sie sich entwickeln. Aber mehr geht natürlich immer", erklärt Perego.

Olindes Trumpf: Die Verteidigung

Die Entwicklung von Louis Olinde kam in dieser Saison vor allem verletzungsbedingt etwas ins Stocken: Im November knickte der gebürtige Hamburger um, im Dezember verletzte er sich an der Hüfte. Insgesamt musste Olinde bereits elf Spiele pausieren. "Jetzt fühle ich mich wieder hundertprozentig fit. Der Trainerwechsel hat mir auch gutgetan. Ich bekomme wieder viel Vertrauen. Ich bin auf einem guten Weg und hoffe, dass ich die nächsten Monate das Vertrauen zurückgeben kann", sagt Olinde.

Dass der 2,05-Meter-Mann in den vergangenen Wochen den Vorzug vor dem mittlerweile nicht mehr im Kader stehenden Stevan Jelovac bekam, dürfte nicht zuletzt an seinen defensiven Qualitäten liegen. "Defensiv ist er einer, der es schaffen kann, alle fünf Positionen zu verteidigen. Er hat die Größe und keine Angst, seinen Körper einzusetzen. Dazu ist er schnell, kann damit auch die kleinen Spieler vor sich halten", so Perego.

Ein Mann für die "kleinen Dinge"

Auch offensiv deutete Olinde seine Qualitäten in den vergangenen Wochen an, traf im Heimspiel gegen Antwerpen den vorentscheidenden Dreier zum 78:72 zwei Minuten vor Spielende und gehörte bei der Niederlage in Jerusalem mit zehn Punkten zu den Aktivposten.

Dabei muss der 20-Jährige gar nicht unbedingt punkten, um seinen neuen Cheftrainer zu überzeugen. "Louis kann ein Führungsspieler sein, der vor allem die kleinen Dinge einbringt, die in keiner Statistik stehen. Er bewegt sich sehr gut abseits des Balles, geht hart in den Offensivrebound. Zudem kreiert er durch seine Schnellig- und Beweglichkeit viel Freiraum für seine Mitspieler", sagt der 34-jährige Italiener.

Prozess bei Alexander gestartet

Bei Cliff Alexander, der vor einer Woche aufgrund einer Undiszipliniertheit für ein Spiel suspendiert wurde, verhält es sich etwas anders: Angesichts seiner begrenzten Spielzeit (16 Minuten im Schnitt in der BBL) legt der Center mit 8,4 Punkten und 5,4 Rebounds bei einem Effektivitätswert von 11,8 starke Zahlen auf, leistet sich aber trotz ansteigender Formkurve noch zu viele kleine Fehler auf dem Spielfeld, die nicht messbar sind.

Vor allem bei der Pick-and-Roll- sowie Help-Defense kommt der 23-Jährige oft einen Schritt zu spät und ist damit noch nicht der erhoffte Defensivanker unter den Körben. "Bei Cliff haben wir einen Prozess gestartet. Er hatte jetzt ein paar sehr gute Spiele, vor allem offensiv. Aber auch er wird noch eine Menge Hochs und Tiefs haben", sagt Perego über das 111 Kilogramm schwere Kraftpaket und fügt an: "Er muss und soll seinen Körper noch besser einsetzen, und zwar auf beiden Seiten des Feldes. Das trainieren wir täglich mit ihm."

Kulboka muss sich beweisen

Während Olinde und Alexander immer besser in ihre angedachten Rollen hineinwachsen, herrscht beim Dritten im Bunde, Arnoldas Kulboka, noch Nachholbedarf. Nachdem der Litauer zu Saisonbeginn noch in der festen Rotation gestanden hatte, änderte sich das Anfang Dezember mit der Rückkehr von Hickman. Als "siebter Ausländer" musste sich Kulboka das Geschehen in der Bundesliga größtenteils in Zivil anschauen, kam in den vergangenen zwei Monaten nur auf zwei BBL-Einsätze mit 15 Minuten Spielzeit.

Keine einfache Situation für den Flügelspieler, der sich, nachdem er im Sommer an 55. Stelle von den Charlotte Hornets gedraftet worden war, in Europa mit viel Spielzeit für ein mögliches NBA-Engagement empfehlen wollte. "Jeder Spieler will spielen. Das können wir Arnoldas momentan nicht immer geben. Daher ist es unsere Aufgabe ihn physisch und psychisch auf einem Top-Level zu halten", sagt Perego, der den 21-Jährigen noch nicht abgeschrieben hat.

Gedankenspiele, Kulboka noch in dieser Spielzeit an einen anderen Verein abzugeben oder auszuleihen, gibt es nicht. "Er wird definitiv bis Saisonende dabei sein", so Mediendirektor Thorsten Vogt. Im Heimspiel gegen Göttingen vor einer Woche bekam der Litauer mal wieder eine Chance, sich in der Bundesliga zu beweisen und tankte mit vier getroffenen Dreiern in zehn Minuten Selbstvertrauen. In der Champions League gegen Nymburk stand Kulboka gar 20 Minuten auf dem Parkett.

An den außergewöhnlichen Wurfqualitäten von Kulboka (47 Prozent Dreierquote in der BBL) zweifelt wohl niemand, seine Achillesferse ist wie bei vielen seiner Teamkollegen die Verteidigung. Gegen größere Spieler fehlt Kulboka die Körperlichkeit, gegen wendige Guards die Schnelligkeit. "Er arbeitet sehr viel mit Sandro Bencardino an seinem Körper, dazu mit Stefan Weissenböck an seinem Wurf und seinen Skills", sagt Perego über Kulbokas Trainingseinheiten mit den Individualcoaches.

Dass unter Perego ordentlich gebuckelt wird, kann Olinde nur bestätigen: "Im Training weht ein anderer Wind, um es salopp zu sagen. Federico hat einen ganz anderen Ansatz, als ihn Ainars Bagatskis hatte. Ich bin sehr gespannt, wo uns der Weg hinführt." Damit dürfte Olinde in Bamberg nicht alleine sein.

Spieler unter 24 Jahren bei den Top-8-Vereinen der Basketball-Bundesliga

Brose Bamberg: Cliff Alexander (USA, 23 Jahre, 16 BBL-Spiele): 8,4 Punkte, 5,4 Rebounds in 16 Minuten im Schnitt, Arnoldas Kulboka (LIT, 21, 9): 6,9 Pkt., 2,1 Reb. in 16 Min., Louis Olinde (D, 20, 11): 2,6 Pkt., 1,8 Reb. in 11 Min.

FC Bayern: Marvin Ogunsipe (D/AUT, 22, 13) 8 Min.

Oldenburg: Marko Bacak (D, 23, 11) 6 Min., Marcel Keßen (D, 22, 13) 5, Haris Hujic (D, 21, 12) 5, Till Isemann (D, 22, 4) 4, Robert Drijencic (D, 22, 2) 4.

Alba Berlin: Stefan Peno (SER, 21, 16) 24 Min., Jonas Mattiseck (D, 19, 9) 14, Tim Schneider (D, 21, 16) 12, Franz Wagner (D, 17, 14): 11, Bennet Hundt (D, 20, 2) 11

Vechta: Philipp Herkenhoff (D, 19, 20) 16 Min., Luc van Slooten (D, 16, 8) 3

Ulm: Ismet Akpinar (D, 23, 18) 23 Min., David Krämer (D, 22, 18) 13, Max Ugrai (D, 23, 17) 11, Gavin Schilling (D, 23, 13) 9

Ludwigsburg: Malcom Hill (USA, 23, 7): 27 Min., Kelan Martin (USA, 23, 18): 26, Karim Jallow (D, 21, 10): 19, Quirin Emanga Noupoue (D, 18, 9) 10, Ariel Hukporti (D, 16, 2): 8

Gießen: Mahir Agva (D, 22, 20): 14 Min., Bjarne Kraushaar (D, 19, 8); 16, Alen Pjanic (D, 21, 6): 4



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