Bamberg
Premiere

Historisches Länderspiel

Der 5. März ist für viele Kosovaren ein historisches Datum. Eines, das folglich geradezu prädestiniert war, um das erste offizielle von der Fifa genehmigte Fußball-Länderspiel der Geschichte eines der jüngsten unabhängigen Länder des Erdballs auszutragen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Mehr als 18 000 kosovarische Fans feierten sich und die Akteure auf dem Feld. Fotos: pr
Mehr als 18 000 kosovarische Fans feierten sich und die Akteure auf dem Feld. Fotos: pr
+1 Bild
Zu Gast war der Weltranglisten-79. aus Haiti - und anpfiff.info!

Dienstag, 4. März: Die Sonne lacht über Pristina, der Hauptstadt des seit 2008 unabhängigen Staates Kosovo. Im "House of Sport" herrscht hektisches Treiben. Es ist der Tag vor dem historischen ersten Auftritt der kosovarischen Nationalmannschaft. Erst am 13. Januar diesen Jahres gestattete die Fifa dem Kosovo offizielle Freundschaftsspiele gegen Fifa-Mitgliedsverbände auszutragen.

In etwas mehr als 24 Stunden findet das Aufeinandertreffen mit der Auswahl Haitis statt. Der Weltranglisten-79. wird der erste Gradmesser für eine Mannschaft, die in dieser Formation noch nie gemeinsam auf dem Platz gestanden hat und die für ein ganzes Volk von knapp zwei Millionen Kosovaren Heldenstatus erlangen wird. In all diesem Trubel, der in den Räumen des FFK (Federata e Futbollit e Kosoves) herrscht, behält vor allem Vorsitzender Fadil Vokrri die nötige Gelassenheit.
Er war schon in den 1980er Jahren das Aushängeschild des so stolzen Volksstammes, als der heute 53-Jährige für Partizan Belgrad und Fenerbahce Istanbul stürmte und in der jugoslawischen Nationalmannschaft in zwölf Partien sechs Treffer erzielte. Nicht weniger als 192 Medienvertreter begehren Einlass zu einem Ereignis, das allgegenwärtig spürbar ist auf den Straßen der 500 000 Einwohner Metropole im Herzen des Balkans. Tags darauf werden sich knapp 18 000 begeisterte Zuschauer auf den Weg ins etwa 40 Kilometer entfernte Mitrovica machen, den Aktiven beider Lager einen unvergesslichen Empfang bereiten und gemeinsam ein friedliches Fußballfest feiern.


Gänsehautstimmung

"Wir sind Teil von etwas ganz Besonderem und sehr stolz hier zu sein", sagt Israel Cantero während des Abschlusstrainings der haitianischen Nationalmannschaft. Der Trainer der karibischen Auswahl wirkt entspannt und genießt die Gastfreundschaft eines Volkes, das seinem sportlichen Großereignis entgegenfiebert. Der 5. März als Austragungstermin ist mit Bedacht gewählt. Es ist jener Tag, an dem Adem Jashari, Nationalheld, Freiheitskämpfer der UCK und Namensgeber des frisch renovierten Stadions nahe der serbischen Grenze, im Kampf gegen die Unterdrückung ums Leben kam. Politik spielt an diesem besonderen Tag jedoch keine Rolle. Einzig der Fußball steht im Mittelpunkt. So hegt auch Florim Gashi, Mitbegründer der Initiative "Accept Kosovo in Uefa und Fifa", den innigen Wunsch, dass die Auswahl Kosovos bald bei Qualifikationsturnieren für Welt- und Europameisterschaften teilnehmen darf.

Ob Xherdan Shakiri (FC Bayern München), Granit Xhaka (Borussia Mönchengladbach) oder Manchester United-Jungstar Adnan Januzaj dann mit von der Partie sein werden, ist fraglich. Zum ersten Länderspiel versammelt Trainer Albert Bunjaku - nicht verwandter Namensvetter des Torjägers des 1. FC Kaiserslautern - 22 Akteure um sich, die aus vielen europäischen Ligen die Reise in die Heimat angetreten sind, darunter der Ex-Nürnberger Albert Bunjaku (1. FC Kaiserslautern) und Ilir Azemi (SpVgg Greuther Fürth) . Schon zwei Stunden vor dem Anpfiff geben zahlreiche Fangruppierungen stimmgewaltig ihr Bestes, um dem historischen Moment einen unvergesslichen Rahmen zu bescheren. "Duam fitore" skandieren die Zuschauer - "Wir wollen den Sieg".

Begleitet von einem blau-gelben Feuerwerk, den Nationalfarben Kosovos, betreten nicht nur die Mannschaften, sondern auch Premierminister Hashim Thaci, der jeden Spieler einzeln begrüßen wird, das weite Rund. Noch in der Kabine motivierte der Landesvater die auserwählten Kicker mit den heroischen Worten "Ihr seid die besten Krieger des Landes", so Torjäger Albert Bunjaku nach dem Spiel, das torlos endete.


Zukunftsträume

"Mein größter Wunsch ist es, dass der FC Pristina einmal gegen Bayern München spielt oder die deutsche Nationalmannschaft einmal gegen den Kosovo", schwelgt Florim Gashi, bereits in Zukunftsträumen - wohlwissend, dass der so oft zitierte erste Schritt ein ebenso bedeutender wie gelungener war.
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren