Bamberg
Basketball-Bundesliga

Heißes Pflaster Frankfurt

Bei den Skyliners hat sich das Brose-Team stets schwergetan. Die ehemaligen Bamberger Leon Kratzer und Daniel Schmidt wollen dafür sorgen, dass die Hessen zu Hause zum dritten Mal in Folge die Oberhand behalten.
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Gegen agile Center wie Elias Harris (links) tut sich Leon Kratzer oft schwer. Der 22-jährige Oberfranke im Frankfurter Team ist aber unter den Brettern eine Macht.  Foto: Archiv/Daniel Löb
Gegen agile Center wie Elias Harris (links) tut sich Leon Kratzer oft schwer. Der 22-jährige Oberfranke im Frankfurter Team ist aber unter den Brettern eine Macht. Foto: Archiv/Daniel Löb

Wie am vergangenen Sonntag gegen Ulm, kommt es auch an diesem Spieltag in der Basketball-Bundesliga dazu, dass das Brose-Team auf einen Gegner trifft, in dem zwei seiner ehemaligen Spieler stehen. Waren es bei Ulm Andi Obst und Patrick Heckmann, sind es am Samstagabend (18 Uhr, Fraport-Arena) mit Daniel "Schmiddi" Schmidt und Leon Kratzer zudem zwei "echte" Franken, die noch in der vergangenen Spielzeit für Bamberg aufliefen und nun das Trikot der Skyliners tragen. Gegen Ulm setzte es für das Team von Trainer Roel Moors eine Niederlage, hoffentlich kein schlechtes Omen aus Sicht der Bamberger.

Zwei Franken in Frankfurt

Schmidt, dessen Vertrag zum Ende der vergangenen Saison auslief und nicht mehr verlängert wurde, tritt erstmals als Frankfurter gegen Bamberg an. Dagegen wechselte Kratzer bereits Mitte November 2018 zu den Skyliners, da er unter dem damaligen Brose-Trainer Ainars Bagatskis kaum Einsatzzeiten bekam. In der Main-Metropole blühte der gebürtige Bayreuther auf und entwickelte sich zum Leistungsträger, der nach acht Spieltagen auf einen Schnitt von 10,8 Punkten und 8,4 Rebounds pro Spiel kommt.

Im April dieses Jahres führte der 22-jährige Center Frankfurt mit 26 Punkten zum 86:79-Sieg über sein Ex-Team. Dafür, dass es diesmal in Hessen kein böses Erwachen für die Oberfranken gibt, wollen Assem Marei und Elias Harris sorgen, die dem stets in der Startformation der Frankfurter stehenden und oft früh foulbelasteten Kratzer zusetzen wollen. Ein Mittel gegen den Koloss in der Abwehr sind Fouls, denn Kratzers Freiwurfquote blieb auch in Frankfurt mit 50 Prozent bescheiden. Doch da hat Bamberg mit Marei (42 Prozent) ein ebenso schwaches Pendant.

Frankfurter unberechenbar

In der Frankfurter Fraport-Arena sind die Skyliners unberechenbar. Hatte das Team von Trainer Sebastian Gleim, der den an den kanadischen Verband "ausgeliehenen" Gordon Herbert für ein Jahr ersetzt, die Münchner am Rande einer Niederlage (77:81), unterlag es zum Auftakt Göttingen (74:79) und vor zwei Wochen Bayreuth (74:88). Nur gegen Aufsteiger Hamburg gab es bisher einen Heimsieg nach Verlängerung zu feiern. Die beiden anderen Erfolge fuhr das Team um Dauerläufer Quantez Robertson in Ulm und beim Mitteldeutschen BC ein.

Lamont Jones bester Scorer der Skyliners

Besonders aufpassen müssen die Bamberger auf Lamont Jones. Der 1,83 Meter große Shooting Guard erzielt im Schnitt 20,3 Punkte. "Frankfurt hat mehr Waffen als Jones und Kratzer", weiß Brose-Trainer Moors. Neben diesen beiden punkten bei den Hessen mit Akeem Vargas (8,8 pro Spiel), Robertson (8,8), Shaquille Hines (8,0) und Richard Freudenberg (7,9) vor allem die Spieler auf den eher kleineren Positionen. Den Schlüssel zum Sieg sieht Moors - wie immer - in der Defensive, in der seine Spieler gegen Peristeri am Mittwochabend über weite Strecken mit hoher Intensität zu Werke gegangen waren. Davor hat auch der Frankfurter Trainer Respekt und schiebt die Favoritenrolle den Gästen zu. "Bamberg gehört zu den physischsten Mannschaften der Liga, ist sehr tief besetzt und zählt auch in diesem Jahr zu den Top-Teams", sagt Gleim, der dennoch gerne den dritten Heimsieg in Folge über Bamberg einfahren möchte.

Comeback-Qualitäten

Das will Moors möglichst verhindern und warnt seine Männer: "Die Frankfurter hatten einige Spiele, in denen sie deutlich zurücklagen, wieder zurückkamen und die Partie offen gestalteten. Darauf müssen wir vorbereitet sein."

Die beiden Ex-Bamberger im Skyliners-Trikot werden besonders motiviert sein. "Leon und Schmiddi werden ihrem ehemaligen Verein beweisen wollen, dass sie auf diesem Niveau spielen können, nachdem sie hier nicht so zum Zug gekommen sind", erwartet Brose-Kapitän Elias Harris.

Stuckey täglich im Kontakt

Maurice Stuckey, der gegen Peristeri immerhin neun Minuten aufs Feld durfte, nachdem er die Spiele zuvor kaum oder gar nicht eingesetzt worden war, hat noch täglich Kontakt zu Schmidt und Kratzer. "Wir schreiben uns, telefonieren nach jedem Spiel, und wenn es mal freie Tage gibt, treffen wir uns und gehen zusammen Essen. Deshalb freue ich mich aufs Spiel gegen die beiden. Die Sticheleien werden erst am Freitagabend beginnen, aber das gehört dazu, wenn man gegen Freunde spielt", sagt Stuckey und hofft, "dass ich dann nach dem Spiel in der besseren Position bin".

Über die Entwicklung Kratzers freut sich der Bamberger: "Nach unserer Niederlage im April, als Leon 26 Punkte erzielte, hat ein Auge geweint und eins gelacht."

Kratzer mit größerer Verantwortung

Seit dem Weggang von Jonas Wohlfahrth-Bottermann nach Ludwigsburg trägt Kratzer in Frankfurt noch mehr Verantwortung. "Der Verein baut ja auf junge Spieler. Coach Gleim lässt zwar nicht mehr so viel inside spielen wie Herbert, doch das Grundkonzept ist sonst nahezu gleich geblieben", ist der gebürtige Bayreuther mit seiner Rolle sehr zufrieden.

Duelle gegen Assem Marei oder ähnliche Brocken wie den Münchner Greg Monroe oder den Oldenburger Rasid Mahalbasic betrachtet der 22-Jährige als Herausforderungen, an denen er wächst. "Darauf freut sich jeder Center, das macht Spaß", sagt der 2,11 Meter große Franke vor dem Wiedersehen mit seinen Freunden aus Bamberg, "wo ich groß geworden bin". Ob Kratzer am Samstag wieder über sich hinauswächst?

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