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Fußball

Geovannie Lake und Dominik Schmitt: auf Weltreise nach Franken

Zwei Spieler, unterschiedliche Wege: Geovannie Lake stammt aus der Karibik, in Europa will er Profi werden. Dominik Schmitt hatte seine oberfränkische Heimat verlassen, fand aber in Vietnam nicht sein sportliches Glück. Jetzt spielen beide in Franken.
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Geovannie Lake stammt aus St. Nevis und Kitts, Dominik Schmitt suchte ein mehrmonatiges Abenteuer in Vietnam. Jetzt spielen beide in Franken.Illustration: Carolin Neundorfer
Geovannie Lake stammt aus St. Nevis und Kitts, Dominik Schmitt suchte ein mehrmonatiges Abenteuer in Vietnam. Jetzt spielen beide in Franken.Illustration: Carolin Neundorfer
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Geovannie Lake: "Sie beten jeden Tag für mich"

Der große Traum beginnt für Geovannie Lake rund 7500 Kilometer von seiner Heimat entfernt. In Wildensorg, beim Bayernligisten DJK Don Bosco Bamberg. Vor wenigen Wochen hat er den kleinen Inselstaat St. Kitts und Nevis in der Karibik verlassen, um eines Tages seinen Lebensunterhalt als Profi in Europa zu verdienen. Das ist sein Plan. Aber nicht irgendwo. "In einer Top-Liga", sagt er. Dort sehe er sich irgendwann. "Das will er unbedingt schaffen", sagt auch Holger Denzler, Sportlicher Leiter der DJK. Er fädelte den Deal ein und lotste den 21-Jährigen nach Franken. "Es ist eine Win-Win-Situation und ein Abenteuer für alle. Geovannie kann sich in Europa präsentieren, wir haben einen neuen Mittelstürmer-Typ. Und das Risiko hält sich für alle in Grenzen."

Lake hat seine Heimat nicht wegen einer Notsituation verlassen, in der Hauptstadt Bassaterre führte er ein unbeschwertes Leben. "Das Essen ist großartig, die Musik auch. Und man kann hier sehr viel erleben: Schnorcheln, Wandern, Seilrutsche, schöne Strände", zählt er auf. Ein Urlaubsparadies. Besonders US-Bürger spülen viel Geld ins Land, der Tourismus ist der größte Wirtschaftsfaktor des nur 55 000 Einwohner zählenden Inselstaats. Als IT-Techniker stand Lake bei Flughafen und Hafen in Lohn und Brot. Er genoss das Leben. Bis der Wunsch größer wurde, es als Profi zu versuchen. Starken Rückhalt erfährt er dabei aus seiner christlich geprägten Familie. "Sie unterstützt und betet jeden Tag für mich", sagt Lake. Also fiel die Entscheidung, hinaus in die Welt zu ziehen. Wer es auf St. Kitts zum Profi schaffen will, orientiert sich in der Regel nach Europa oder in die USA. Nur: Wie kommt man dahin?

Mitte August landete eine Anfrage bei Denzler. Die Spielerberatungsagentur IFX Europe aus Nürnberg hat sich darauf spezialisiert, Spieler aus Mittel- und Lateinamerika nach Europa oder in die USA zu vermitteln. So fand bereits US-Stürmer Alassane Kane vor einigen Jahren den Weg nach Wildensorg. Es gäbe da womöglich einen interessanten Stürmer, hieß es. 21 Jahre alt, U23-Nationalspieler und in der dortigen 1. Liga aktiv. 27 Tore in 38 Spielen weist seine Statistik auf. Aber wie stark ist die Liga? Und wer ist er überhaupt? "Uns war klar, dass wir keinen Spieler verpflichten, den wir noch nie gesehen haben", sagt Denzler. Die Lösung war ein einwöchiges Probetraining. Als Trainer Rolf Vitzthum sein anschließendes Okay gegeben hatte, wurden Nägel mit Köpfen gemacht: Bis Jahresende wird Lake, ausgestattet mit einem dreimonatigen Touristen-Visum, zum Kader gehören und mit Mitspieler Marco Haaf in dieser Zeit eine WG bilden. Noch zehn Spiele sind bis Jahresende zu absolvieren.

Zu zwei Kurzeinsätzen kam der Neuzugang schon, gegen den TSV Abtswind erzielte er sein erstes Tor. "Athletisch und austrainiert ist er und bringt eine gewisse Physis ins Spiel, die wir so bislang nicht hatten", sagt Denzler: "Und menschlich ist er sehr zugänglich. Ein netter, feiner Bursche." In den ersten Tagen erlebte Lake aber, wie groß die Unterschiede in einer Sportart sein können. "In der Karibik ist der Fußball langsamer, aber viel aggressiver und mit Fokus auf schnelles Umschalten. In Deutschland wird mehr Wert auf Ballbesitz gelegt."

Was aber nach dem 31. Dezember passiert, steht in den Sternen. Ab dann würde er als Vertragsspieler ein Arbeitsvisum benötigen, die Aussichten darauf wären in seinem Fall aber wohl recht gut. "Ich kann mir sehr gut vorstellen, länger in Deutschland zu bleiben. Mir gefällt es hier sehr gut. Dann möchte ich auch die Sprache richtig lernen", sagt er. Servus, Danke und Bitte beherrscht er bestens.

Dominik Schmitt: "Es war für Europäer grenzwertig"

Knapp acht Monate hat das Abenteuer "Profifußball in Vietnam" für Dominik Schmitt gedauert. Nach Jahren in der Regionalliga mit Stationen in Fürth, Frohnlach, Ingolstadt, Bamberg und Bayreuth sowie einem halbjährigen Intermezzo bei Türkgücü München in der Bayernliga wagte der 27-Jährige Anfang Januar den Schritt zum SHB Da Nang und erfüllte sich damit den Traum als Profifußballer im Ausland.

Seit Anfang August ist er wieder in Franken - obwohl die im Februar gestartete Erstligasaison erst im Oktober zu Ende geht. "Das ist etwas komplizierter", startet Schmitt seine Erklärung für das vorzeitige Ende seines Saisonvertrags. "In Vietnam gilt die Regel, dass jede Mannschaft nur drei Ausländer im Team haben darf. Die Vereine versuchen, so oft es geht die ausländischen Spieler zu wechseln. Da geht es auch ums Geld, denn die Trainer verdienen an den Transfers mit." So musste neben dem 27-Jährigen noch ein Brasilianer den SHB Da Nang verlassen. Ein Franzose durfte dagegen bleiben. "Das ist ein normaler Vorgang, von dem ich allerdings vorher nichts wusste." Als das Transferfenster in Vietnam Mitte Juni öffnete, tauchten von Tag zu Tag mehr Probespieler beim Training auf. "Da kann man sich zusammenreimen, was auf einen zukommt", sagt Schmitt.

Während der SHB Da Nang aktuell Fünfter der V.League 1 ist und in den verbleibenden zwei Spielen noch um den dritten Platz kämpft, ist Schmitt beim Landesligisten VfL Frohnlach gelandet, für den er in der Saison 2012/13 in der Regionalliga Bayern auflief. Die Spielgenehmigung liegt allerdings noch nicht vor. Da Nang muss noch bestätigen, dass Schmitt nicht mehr in Vietnam aktiv ist. "Ich hoffe, dass ich am ersten Oktoberwochenende mein Debüt geben kann." In Deutschland wird der Fußball aber wieder zum Hobby für Schmitt. "Ich bin zufrieden, wie es gelaufen ist", sagt der gelernte Automobilkaufmann, der künftig wieder seinem Beruf nachgehen wird. Der Ausflug nach Vietnam hat sich finanziell für Schmitt gelohnt. "Ich konnte mir schon etwas zu Seite legen", sagt er.

In seiner Zeit in Asien lernte Schmitt die Vorzüge seiner fränkischen Heimat zu schätzen. "Es war schon verrückt dort und für Europäer grenzwertig", erklärt der gebürtige Bamberger. Den Tagesablauf vergleicht Schmitt mit dem Militär. "Es gibt ein Camp, in dem alle Spieler bereits vier, fünf Tage vor den Spielen wohnen. Freie Tage gab es selten und die Ausstattung wäre in Deutschland unterster Standard." Aus Gesprächen mit anderen ausländischen Profis hat Schmitt erfahren, dass es so ein Camp-Leben nur in Vietnam gebe. "Dass ich nicht den ganzen Tag am Strand chillen kann, war klar, aber so etwas habe ich nicht erwartet."

Doch die Küstenstadt Da Nang mit etwa einer Million Einwohner hatte auch ihre schönen Seiten. An die Zeit am Strand oder an Restaurantbesuche denkt er gerne zurück. Schmitts Freundin Olga und ihr gemeinsamer Hund Maja machten das Leben angenehmer. Auch mit seinen ausländischen Kollegen - einem Argentinier mit vietnamesischem Pass, dem Franzosen und dem Brasilianer - hat sich Schmitt gut verstanden. "Wir sind Freunde geworden", erzählt Schmitt. "Es gibt schon Pläne, dass sie uns in Deutschland besuchen kommen." Ob Schmitt noch einmal den Sprung ins Ausland wagen würde? "Ich sage niemals nie, aber finanziell müsste es schon ein brutales Angebot sein", betont der 27-Jährige. Und er müsste auf seine Freundin Rücksicht nehmen. "Für sie war es ein einmaliges Erlebnis." Seinen Profi-Traum hat er sich ohnehin schon erfüllt, auch wenn er vorzeitig geendet ist.

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