Bamberg
Fußball-Bayernliga

Gabriel Jessen trifft für FC Eintracht: Mit letzter Kraft zum Derbysieg

1830 Zuschauer sehen ein packendes Stadtduell nach der Pause: Der FC Eintracht Bamberg setzt sich mit 1:0 gegen die DJK Don Bosco Bamberg durch.
Artikel drucken Artikel einbetten
Da ist er drin: Gabriel Jessen traf in der 78. Minute zum 1:0-Sieg des FC Eintracht Bamberg im Bayernliga-Derby gegen die DJK Don Bosco Bamberg. Fotos: sportpress
Da ist er drin: Gabriel Jessen traf in der 78. Minute zum 1:0-Sieg des FC Eintracht Bamberg im Bayernliga-Derby gegen die DJK Don Bosco Bamberg. Fotos: sportpress
+13 Bilder

Die Kräfteverhältnisse halten sich wieder die Waage: Nach der 0:1-Niederlage im Hinspiel hat der FC Eintracht Bamberg den zweiten Vergleich in der Fußball-Bayernliga gegen die DJK Don Bosco Bamberg ebenfalls mit 1:0 für sich entschieden. Vor 1830 Zuschauern im Fuchs-Park-Stadion war es lange ein Geduldsspiel, erst in der zweiten Halbzeit entwickelte sich ein echtes Derby mit entsprechenden Zutaten. "Die erste Halbzeit war schwierig, keiner wollte einen Fehler machen. Danach haben wir druckvoller, leidenschaftlicher und intelligenter als davor gespielt", sagte FCE-Trainer Michael Hutzler.

Jessen trifft zum Sieg

Weil der bis dato eher unglücklich agierende Gabriel Jessen seine letzte Kraft in einen finalen Sprint investierte und in der 78. Minute eine scharfe Hereingabe von Tobias Linz von der linken Seite in den Winkel bugsierte, ging der FC Eintracht noch als Sieger vom Feld. "Das war der letzte Sprint, den ich in meinen Beinen hatte. Eine tolle Vorarbeit von Tobi Linz", sagte der Siegtorschütze, hielt seine Freude trotz eigener DJK-Vergangenheit nicht zurück und lief jubelnd zu den Fans. "Wenn man das Siegtor im Derby schießt, darf man auch mal jubeln", sagte der 23-Jährige.

Die Gefühlsexplosion bei den Gastgebern hatte sich lange Zeit aber nicht angedeutet, in der ersten Halbzeit wirkte der FCE unkonzentriert, hatte keine Ballsicherheit und operierte auf dem schmierigen Untergrund oft mit langen Bällen. Eine echte Chance suchte man bei den Domreitern in den ersten 45 Minuten vergeblich. Das Spiel der DJK war strukturierter, allerdings entstand Gefahr meist nur nach Standards, aber zu selten aus dem Spiel heraus. Das bemängelte auch Trainer Rolf Vitzthum. "Die Umschaltsituationen haben wir zu einfach liegengelassen, sonst war die erste Halbzeit aber ordentlich", sagte der DJK-Trainer in seiner Analyse nach dem Spiel und nahm voraus, was er vom Auftritt in den zweiten 45 Minuten hielt: wenig bis gar nichts. "Das war ganz schwach, wir haben mit wenig Selbstvertrauen gespielt und den Gegner durch Fehler im Spielaufbau aufgebaut."

Esparza-Aus schwächt Don Bosco

Die nun um sich greifende Unsicherheit bei der DJK hatte viel mit der 51. Minute und der Verletzung von Nicolas Esparza zu tun. Der Kapitän rasselte 30 Meter vor dem Tor mit Robin Renner zusammen und blieb verletzt liegen. Die DJK monierte ein Foulspiel, der Schiedsrichter ließ weiterspielen und ermöglichte dem FCE den ersten Hochkaräter: Patrick Görtler schloss aber gegen den herausstürzenden Michael Edemodu zu zentral ab. Don Bosco blieb zwar das Gegentor erspart, für Esparza war die Partie aber beendet. Er humpelte vom Platz und zwang seinen Trainer zu erneuten Umbauarbeiten. Bereits in der 36. Minute musste Manuel Hümmer mit einer Muskelverletzung vom Platz. "Die beiden Verletzungen haben uns weh getan, danach waren wir nicht mehr so stabil. Die Ordnung war nicht mehr so gut wie zu Beginn", sagte DJK-Defensivmann Nicolas Wunder.

Ohne ihre zentrale Figur in der Abwehr wirkte die DJK nun verwundbarer. Der FC Eintracht versuchte das auszunutzen, rannte sich auf der bevorzugten rechten Angriffsseite aber immer wieder fest. Das Bruder-Duell gewann meist Linksverteidiger Johannes Jessen und kochte Gabriel gleich mehrmals ab. Gegen Robin Renner hatte er in der 66. Minute aber das Nachsehen, nachdem Edemodu dem Gegner den Ball mit einem schwachem Abwurf perfekt serviert hatte. Die flache Hereingabe auf den langen Pfosten landete bei Lukas Schmittschmitt, im Fallen schob er den Ball aber aus wenigen Metern am leeren Tor und dem bereits geschlagenen Edemodu vorbei. Eigentlich ein sicheres Tor. Der FCE-Fanblock auf der Haupttribüne raunte lautstark auf, der zum Jubeln aufgesprungene Hutzler bearbeitete seine Sitzmöglichkeit mit den Füßen. Nicht zum letzten Mal. "So etwas mache ich eigentlich nicht, aber bei so einem Spiel steht man unter besonderer Anspannung. Das musste irgendwo raus", sagte Hutzler.

Während die DJK kaum noch zu Entlastungsangriffen kam, rannte der FCE konsequent an - meist über die rechte Seite. Ausgerechnet mit dem ersten gefährlichen Vorstoß über links in der zweiten Halbzeit fiel der spielentscheidende Treffer: Linz startete durch und fand Jessen in der Zentrale (78).

Durch den Rückstand musste die DJK in der Schlussviertelstunde alles auf eine Karte setzen, lockerte den Defensivverbund - und kam noch zur großen Ausgleichschance: Der eingewechselte Simon Allgaier brachte den Ball aus spitzem Winkel aber nicht an FCE-Keeper Fabian Dellermann vorbei (83.). Auf der Gegenseite nötigte Patrick Görtler seinen Trainer zu einem weiteren Tritt gegen die Bank, als er nach einem Konter viel zu schlampig abschloss und die Vorentscheidung verpasste.

Das hätte sich beinahe gerächt, wenn Schiedsrichter Johannes Hamper ein konsequenter Ausleger der Handspiel-Regel gewesen wäre: In der 92. Minute blockte Marco Schmitt eine Flanke im Strafraum zwar mit dem angelegten Arm, drehte die Schulter aber in Richtung des Balles. Für Vergleichbares gab es schon Elfmeter. Dass sich Hamper aber dagegen entschied, war wohl die richtige Entscheidung.

FC Eintracht Bamberg: Dellermann - Schmitt, Müller, Nögel, Linz, Kollmer (46. N. Görtler), Renner, Schmittschmitt, Reischmann, Jessen (90. Saprykin), P. Görtler DJK Don Bosco Bamberg: Edemodu - Slawik, Esparza (51. Allgaier), Jessen, Kettler, Wunder, Spies, Fippl, Hümmer (36. Bergmann), Geyer (70. Baumgärtner), Rosiwal SR: Hamper (Katschenreuth) / Zuschauer: 1830 / Tor: 1:0 Jessen (78.) / Gelbe Karten: Kollmer, Müller, Schmitt, / Allgaier, Bergmann, Fippl, Hümmer

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren