Bamberg
Fußball-Landesliga

FC Eintracht hat zwölf Endspiele

Der Kampf um den Aufstieg bestimmt die Restsaison. An der Spitze stehen die Bamberger um Trainer Michael Hutzler. Doch die Konkurrenten wollen es wissen.
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Trainer Michael Hutzler und der FC Eintracht Bamberg belegen derzeit den ersten Platz in der Landesliga Nordost. sportpress
Trainer Michael Hutzler und der FC Eintracht Bamberg belegen derzeit den ersten Platz in der Landesliga Nordost. sportpress

Auch wenn das Jahr 2018 für den FC Eintracht Bamberg sportlich kaum besser hätte laufen können, haben die zwölf anstrengenden Monate doch ihre Spuren hinterlassen: bei der Mannschaft, die nach dem Titeltriumph in der Bezirksliga ohne große Verschnaufpause gleich das Landesliga-Abenteuer in Angriff nahm, aber auch bei Trainer Michael Hutzler. "Man hat den Kräfteverschleiß vor der Winterpause gespürt. Wir alle haben die Pause dringend gebraucht, um uns zu erholen und auf andere Gedanken zu kommen. Viele haben ja mehr oder weniger durchgespielt, die zweiwöchige Pause im Sommer bringt da wenig."

Vier Wochen Vorbereitung

Seit einigen Tagen ist die freie Zeit aber vorbei, Hutzler hat zu einer knackigen Vorbereitung geladen. Hausaufgaben hatte jeder Spieler mitbekommen, nun folgen vier intensive Trainingswochen. "Gefühlt trainieren wir jeden Tag, da müssen die Jungs durch. Mir macht das auch nur wenig Spaß, aber es muss sein. Wir sind bewusst spät eingestiegen, weil erfahrungsgemäß doch das eine odere andere Spiel wetterbedingt ausfällt."

Eine lange Anlaufphase ins neue Jahr darf sich der FC Eintracht jedenfalls nicht leisten, die ersten fünf Spiele gehen gegen Teams aus der oberen Hälfte, darunter auch die Partien gegen Neudrossenfeld, Schwabach und in Feucht. Jene Teams also, mit denen sich der FCE wohl bis zum Saisonende um die ersten zwei Plätze streiten wird.

Mit 52 Punkten führt Bamberg das Feld derzeit an, die Verfolger lauern aber direkt dahinter. Ein packender Vierkampf ist sicher. "Dass gleich vier Teams in einer Halbserie so viele Punkte holen, habe ich in dieser Form noch nie erlebt", sagt Hutzler. Zwar konzentriere sich alles auf diese vier Mannschaften, das trübe aber den Blick auf den Rest der Liga. "Uns stehen zwölf Endspiele bevor, wir dürfen uns nicht nur auf die drei Topspiele fixieren. Wer diese Partien konstant gut bestreitet, wird es schaffen. Die Liga ist extrem ausgeglichen, überall können Punktverluste passieren, kein Team lässt sich einfach so abschießen."

Eigentlich hätte der FCE mit einem weiteren Sieg das vor der Saison gesteckte Ziel erreicht. 55 Punkte hatte der Vorsitzende Jörg Schmalfuß als Richtwert ausgegeben, ein sicherer Platz im Mittelfeld. Dass die Bamberger nach dem Bezirksliga-Aufstieg gleich eine so überzeugende Hinserie in der Landesliga abliefern und ans Tor zur Bayernliga anklopfen, kam für viele überraschend. Auch für Hutzler.

Nur logisch ist aber, dass die Vorgabe inzwischen nach oben korrigiert wurde. "Die Ziele vor der Saison waren eine realistische Einschätzung. Wir haben bislang das Maximale rausgeholt und etwas geschafft, was uns vor der Saison niemand zugetraut hätte. Jetzt wollen wir oben dabei bleiben, uns mit den anderen drei Teams messen und ihnen einen spannenden Kampf um den Aufstieg liefern", sagt Hutzler.

Konkurrenten rüsten auf

Für diesen haben sich in der Winterpause besonders Neudrossenfeld und Schwabach in Stellung gebracht - und Spieler mit Profi-Hintergrund verpflichtet: In Schwabach zieht künftig Michael Görlitz die Fäden im Mittelfeld. Der 31-Jährige bringt es auf 140 Partien in der 2. Bundesliga für Arminia Bielefeld, FC St. Pauli und FSV Frankfurt. Nach einer Achillessehnenverletzung kam er beim TSV 1860 München nicht mehr in Tritt. Also zog es der Nürnberger vor, seine Laufbahn ein paar Klassen tiefer fortzusetzen.

Und beim TSV Neudrossenfeld lag sozusagen ein neuer Spieler unter dem Weihnachtsbaum: Nach vielen Jahren in der Jugendakademie von RB Leipzig versuchte sich Lukas Schelenz beim KFC Uerdingen in der 3. Liga, konnte sich angesichts der großen Konkurrenz des Aufstiegsanwärters aber nicht durchsetzen und kehrte in seine Heimat zurück. Nutznießer war Neudrossenfeld. Neid verspürt Hutzler aber nicht. "Man kann den Vereinen nur gratulieren, dass sie es geschafft haben, diese Spieler in die Landesliga zu holen. Meinen Glückwunsch."

Beim FC Eintracht hat sich personell im Winter wenig getan, einzig Lucas Horn hat den Verein aus zeitlichen Gründen in Richtung TSV Hirschaid verlassen, war aber schon seit Monaten kein Teil der Mannschaft mehr. "Es ist natürlich schade, weil Lucas ein Eigengewächs ist, aber ich verstehe seine Entscheidung auch", sagt Hutzler.

Selbst ist der FCE auf dem Spielermarkt nicht aktiv geworden - aus finanziellen Gründen, aber auch aufgrund der Wertschätzung der jetzigen Mannschaft gegenüber. "Die Jungs haben es selbst geschafft, nach 22 Spielen auf Platz 1 zu stehen. Sie haben es sich verdient, die Saison in dieser Konstellation zu Ende zu spielen. Es wäre falsch gewesen, ihnen neue Spieler vor die Nase zu setzen", so Hutzler.

Personell eng könnte es erneut werden, wenn im März wieder die Reise der Uni-Mannschaft ansteht. Vergangenes Jahr fehlten acht Stammspieler, das hätte dem FCE beinahe den Aufstieg gekostet. "Das wird uns definitiv schwächen, allerdings fahren diesmal nicht so viele Studenten von uns mit. Darüber bin ich ehrlichgesagt sehr froh."

Keine Zuschauer beim Topspiel

Bis die FCE-Anhänger ihr Team bei einem Liga-Heimspiel verfolgen können, vergeht aber noch Zeit. Schließlich findet das erste Heimspiel, die Partie gegen Neudrossenfeld am 9. März, nach den Vorfällen in Schwabach (wir berichteten) ohne Zuschauer statt. "Das ist natürlich bedauerlich für alle. Aber wir akzeptieren das so, ändern können wir es eh nicht", sagt Hutzler.

Auch der Ein-Punkt-Abzug hat noch Bestand. Sollte der Verein von der Staatsanwaltschaft den Namen des Unruhestifters aus dem Schwabach-Spiel aber an den Verband weiterleiten, könnte er rückgängig gemacht werden. "Wir sind guter Dinge und arbeiten daran, den Punkt wiederzubekommen", sagt Abteilungsleiter Sascha Dorsch.



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