Baunach
Basketball

Elias Baggette auf dem Weg zum Profi: Spaß ist sein Antrieb

Elias Baggette führt kein "normales" Teenager-Dasein - weil der Sport den Takt vorgibt. Der 17-Jährige spielt in der ProB für Baunach, in der NBBL für Breitengüßbach und in der U18-Nationalmannschaft.
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Elias Baggette zieht im Heimspiel der Baunach Young Pikes gegen die Münchner Erol Ersek (rechts) und Nils Schmitz (hinten) zum Korb.sportpress
Elias Baggette zieht im Heimspiel der Baunach Young Pikes gegen die Münchner Erol Ersek (rechts) und Nils Schmitz (hinten) zum Korb.sportpress

"Manchmal wäre ein bisschen mehr Freizeit schon ganz cool", gesteht Elias Baggette. "Aber Basketball macht mir nun mal Spaß, und es ist für mich ja keine Strafe, so viel zu trainieren." Der 17-Jährige ist einer jener talentierten Nachwuchs-Basketballer im Programm des Erstligisten Brose Bamberg, die im Gegensatz zu seinen Altersgenossen kein "normales" Teenagerleben führen: Sechs Tage in der Woche, inklusive Spiele am Wochenende für den ProB-Ligisten Baunach Young Pikes und das Team Brose Bamberg/Tröster Breitengüßbach in der Nachwuchs-Basketball-Bundesliga (NBBL), steht der gebürtige Berliner in der Basketballhalle.

Lediglich ein Tag verbleibt für Freizeitaktivitäten und das "Chillen" mit Freunden. Und selbst dieser ist mitunter kein kompletter Relax-Tag. "Wenn ich am Montag trainingsfrei habe, weil ich am Samstag und Sonntag im Einsatz war, habe ich wegen der Schule weniger Zeit für andere Dinge", sagt Baggette. Aber das gehe schon in Ordnung, schließlich habe er sich diesen Weg ausgesucht.

In U16-Auswahl berufen

Im Alter von sechs Jahren entdeckt Baggette seine Liebe zum orange-farbigen Leder und lernt bei der Interkulturellen Sportakademie Schöneberg das Basketball-Einmaleins. Später wechselt er in die ehemalige Kaderschmiede des TuS Lichterfelde, mit der die Sportakademie kooperiert. Schon früh kristallisiert sich heraus, über welches Potenzial Baggette verfügt.

Als Leistungsträger seiner Mannschaft wird er von Ex-Nationalspieler Patrick Femerling, dem Cheftrainer für die U16-Nationalmannschaft, in das Auswahl-Team des Deutschen Basketball-Bundes berufen.

Die Entwicklung, die der Point Guard hinlegt, wecken Begehrlichkeiten der Topklubs. Im Juli 2018 folgt der nächste logische Schritt: Baggette wird in das Nachwuchsprogramm des neunmaligen nationalen Titelträgers Brose Bamberg aufgenommen - nachdem er zuvor in der Jugend-Basketball-Bundesliga (JBBL) eine überragende Saison gespielt hat. Durchschnittlich 25,2 Punkte, 5,6 Assists und 5,2 Rebounds sind Ausweis seiner Allround-Qualitäten. Sein heutiger ProB-Trainer in Baunach, Mario Dugandzic, wird später sagen, dass Baggette ein "gutes Gefühl für das Spiel und die richtige Einstellung" mitbringt.

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Ziel: Euroleague, vielleicht NBA

Am Anfang war es der Spaß, der mich angetrieben hat", erinnert sich Baggette. "Später habe ich dann gemerkt, dass man mit Basketball weit kommen und daraus einen Beruf machen kann. Also habe ich intensiver trainiert - aber immer mit Spaß und Freude." Sein Ziel sei die Euroleague, vielleicht die NBA, gibt der Teenager zu Protokoll. Die Frage, ob er ein Vorbild hat, verneint Baggette: "Es gibt zahlreiche Spieler, von denen ich mir etwas abgucken kann." Und weiter: "Ich mag die kleinen, schnellen Spieler." Zu denen gehört Facundo Campazzo, der wieselflinke und unberechenbare Aufbauspieler von Vize-Weltmeister Argentinien. Campazzo, sagt Baggette, finde er gut.

An seine Premiere im Seniorenbereich kann sich der Gymnasiast ("Sport und Englisch liegen mir, Physik und Mathe sind nicht unbedingt mein Ding") noch gut erinnern. "Am Anfang bin ich nicht so zurechtgekommen. Alles war physischer und intensiver", bekennt der "Viel-Spieler", der Mitte Dezember am Nominierungs-Lehrgang der U18-Nationalmannschaft in Heidelberg teilnimmt. Aber dann sei es mit der Physis immer besser geworden.

ProA-Premiere gegen Hamburg

Seine ProA-Premiere feierte Baggette in der vergangenen Saison gegen den späteren Erstliga-Aufsteiger Hamburg Towers. Auf dem Scoutingbogen werden an diesem 22. September 2018 hernach zwei Punkte, zwei Assists und eine Spielzeit von 18 Minuten notiert sein: Gleichwohl kommt das Bamberger Farm-Team mit 66:109 mächtig unter die Räder. Und da die Trendwende ausbleibt, endet die Spielzeit 2018/2019 für die Baunacher mit dem Abstieg in die ProB.

Für Baggette nicht unbedingt ein Nachteil, denn eine Klasse tiefer steht der 17-Jährige derzeit in jeder Partie auf dem Parkett, kommt im Schnitt auf 25 Minuten Einsatzzeit und erzielt 8,3 Punkte. In der NBBL hat er dagegen erst drei Begegnungen absolviert; auch die Teilnahme am Teamtraining fällt deutlich reduzierter aus: Das Verhältnis von NBBL- und ProB-Training lautet 1:4.

Obwohl das Leben von Baggette straff durchorganisiert ist, die Sportart den Takt vorgibt und er weit entfernt von seinen Eltern wohnt ("Zu Beginn war das schon ungewohnt, nicht mehr zuhause zu sein; aber ich bin im Internat sehr gut aufgenommen worden"), verschwendet das Aufbau-Talent keinen Gedanken daran, wie es wäre, ohne Basketball auszukommen. "Basketball", sagt der 17-Jährige, "macht mir nun mal einfach viel zu viel Spaß".

Interview: "Spieler wie Elias wollen keine normalen Jungen sein"

Stefan Weissenböck zeichnet bei Brose Bamberg als "Head of Player Development" für das Individualtraining verantwortlich. Die Expertise des 46-Jährigen reicht mittlerweile sogar bis in die NBA hinein. Auch Elias Baggette gehört zu Weissenböcks Klienten.

Im Interview äußert sich der Österreicher über die Anforderungen, die auf die Coaches zukommen, und die Voraussetzungen, die ein junger "Viel-Spieler" mitbringen sollte.

Elias Baggette ist ein hoch talentierter Spieler, der auf mehreren Hochzeiten tanzt und zudem bei Ihnen noch Individualtraining erhält. Worauf kommt es in diesem Alter und bei dieser Mehrfachbelastung am meisten an?

Stefan Weissenböck: Dass die verantwortlichen Coaches den Überblick über die Belastung des Spielers haben. Dazu ist ein regelmäßiger und intensiver Austausch notwendig. Woche für Woche muss neu abgestimmt werden, wie das Training auszusehen hat - und das immer in Abhängigkeit von den jeweiligen Begegnungen.

Was meinen Sie damit genau?

Jede Partie ist anders. Hat Elias beispielsweise an einem Wochenende in beiden Mannschaften viel Spielzeit erhalten und waren diese physisch und psychisch eher herausfordernd, empfiehlt es sich, das Training danach zu dosieren. War indes ein Spiel dabei, in dem er weniger gefordert wurde, kann die Trainingsbelastung durchaus höher ausfallen. Das Wichtigste ist, dass die Trainer miteinander kommunizieren.

Besteht nicht die Gefahr, dass ein Zuviel an Basketball zu einer Übersättigung und einer Ermüdung beim Spieler führt?

Solche Spieler wie Elias wollen keine ,normalen‘ Jungen sein. Sie wollen ständig spielen. Wenn ein Youngster diesen Willen und diese Bereitschaft mitbringt und sich sagt: ,Das möchte ich, da will ich hin‘, dann wird er nicht das Gefühl haben, dass ihn der Basketball überfordert. Bei mir war das in den 80er-Jahren genauso: Ich konnte nie genug vom Basketball bekommen.

Welche Voraussetzungen sollte ein Talent mitbringen, um diesen intensiven Weg von Anfang bis Ende zu beschreiten?

Neben den oben genannten Merkmalen sollte sich jeder Nachwuchsspieler darüber im Klaren sein, dass er ein natürliches Limit hat - ob körperlich, kognitiv oder bezogen auf die Spielintelligenz. Entscheidend für den Fortgang des weiteren Basketball-Weges wird sein, inwieweit der Spieler an dieses Limit herankommt oder es gar ausschöpft.

Wie ehrlich sind Sie zu den Spielern im Sinne von "Du hast zwar Talent, aber ob es für eine Profi-Karriere reicht, ist ungewiss"?

Sehr ehrlich. Wenn wir merken, dass ein Nachwuchsspieler trotz jahrelanger intensiver Schulung und bester Rahmenbedingungen in seiner Entwicklung stagniert, teilen wir ihm das mit.

Gab es Spieler, die den Entwicklungsprozess aufgrund des Umfangs und der mentalen Anforderungen abgebrochen haben?

Ja, und diese Spieler haben es selbst gespürt - weil es in der Regel ein schleichender Prozess ist.

Elias Baggette - zur Person

Geburtsdatum: 28. April 2002

Geburtsort: Berlin

Größe/Gewicht: 1,85 Meter/ 74 Kilogramm

Position: Point Guard

Vorherige Vereine: TuS Lichterfelde, Interkulturelle Sportakademie Schöneberg

Statistiken in der ProB: (pro Partie / neun insgesamt):

24,9 Minuten, 10,3 Punkte, 3,2 Assists, 53,6 Prozent Trefferquote

Statistiken NBBL: (pro Partie / drei insgesamt): 38:27 Minuten, 10,5 Punkte, 3,0 Assists, 3,0 Steals

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