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Basketball

Ein Kampf um jeden Zentimeter

Ein Spiel mit Play-off-Charakter erwartet Brose Bamberg vor den Toren Athens. Bei einer Niederlage bei Peristeri BC wäre die europäische Reise für das Team von Trainer Roel Moors bereits nach der Gruppenphase beendet.
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Bereits im Hinspiel lieferten sich die Bamberger mit Retin Obasohan (Mitte) beim 72:69-Heimerfolg einen erbitterten Abnutzungskampf mit Peristeri BC um (von links) Steven Gray, Vassilis Xanthopoulos und Panagiotis Vasilopoulos.  Foto: Daniel Löb
Bereits im Hinspiel lieferten sich die Bamberger mit Retin Obasohan (Mitte) beim 72:69-Heimerfolg einen erbitterten Abnutzungskampf mit Peristeri BC um (von links) Steven Gray, Vassilis Xanthopoulos und Panagiotis Vasilopoulos. Foto: Daniel Löb

Von der Endzeitstimmung, die bei Brose Bamberg nach der bitteren Heimniederlage gegen Rasta Vechta kurzzeitig herrschte, ist eine Woche später nach den Siegen gegen Riga und Braunschweig nicht mehr viel zu spüren. Für ein Stimmungshoch muss die Mannschaft von Trainer Roel Moors aber am Dienstag in der Champions League bei Peristeri BC (18 Uhr, live beim Streamingdienst DAZN) unbedingt nachlegen. Sollten die Bamberger im Vorort der griechischen Hauptstadt Athen verlieren, ist die europäische Saison für den neunmaligen deutschen Meister nach dem abschließenden Gruppenspiel gegen Teneriffa bereits nächste Woche beendet.

Einige Fragen sind vor dem 13. Spieltag in der Gruppe C bereits geklärt: Mornar Bar, Gaziantep und VEF Riga sind schon ausgeschieden. Iberostar Teneriffa und ERA Nymburk (jeweils zehn Siege) haben ihr Ticket für die Play-offs bereits sicher.

Welche zwei Mannschaften die Spanier und Tschechen ins Achtelfinale begleiten, macht das Trio Nischni Nowgorod, Peristeri (jeweils sieben Siege) und Bamberg (sechs) an den letzten beiden Spieltagen unter sich aus. Die besten Trümpfe hält Nischni Nowgorod in der Hand. Die Russen haben mit Gaziantep und Riga lösbare Aufgaben vor sich und dazu den direkten Vergleich gegen Bamberg und Peristeri gewonnen.

Den Griechen ihrerseits würde ein Heimsieg gegen Brose genügen, um neben Nischni Nowgorod in die Play-offs einzuziehen und Bamberg den K.o. zu verpassen. "Wir alle wissen, was auf dem Spiel steht", sagt Brose-Kapitän Elias Harris, der mit 15 Punkten und vier Rebounds einer der Garanten für den 94:85-Sieg in Braunschweig am Sonntag war. "Jeder Sieg tut uns momentan gut, hat eine positive Wirkung. Die Stimmung ist gut, die müssen wir mitnehmen."

Defensivgeprägte Mannschaften

"Mitnehmen" sollten die Bamberger auch ihre Verteidigungsleistung aus der zweiten Halbzeit (nur 33 Punkte zugelassen) in Niedersachsen, nachdem in den ersten 20 Minuten noch ein Desaster gedroht hatte. "Wir haben in der ersten Halbzeit 52 Punkte bekommen, das ist nicht unser normales Spiel. In der zweiten Halbzeit haben wir Braunschweigs Dreier viel besser verteidigt", analysierte Moors nach der Partie.

Die gute Defensivarbeit war auch im Hinspiel der Schlüssel für den Bamberger 72:69-Heimerfolg. Ein ähnlich niedriges Ergebnis ist auch am Dienstag in der rund 4000 Zuschauer fassenden und 30 Jahre alten Heimspielstätte "Klisto Peristeriou" vor den Toren Athens zu erwarten. Die Gastgeber als zweitbestes Defensivteam (72,3 Gegenpunkte im Schnitt) der Champions League empfangen mit Bamberg die Nummer 4 in dieser Kategorie (73,6).

Die Griechen bevorzugen auch aufgrund einiger betagter Rotationsspieler, wie den jeweils 35 Jahre alten Aufbauspielern Will Hatcher, Vassilis Xanthopoulos sowie Power Forward Panagiotis Vasilopoulos, eher ein langsames Spiel. "Wir müssen es schaffen, das Tempo hochzuhalten. Dazu wird es wichtig sein, dass wir wieder gut in der Verteidigung stehen", erklärt Moors. Schnelles Umschalten in Perfektion zeigte sein Team beim 91:53-Heimsieg gegen Riga in der vergangenen Woche - wenn auch gegen eine Mannschaft, die über 40 Minuten den Beweis europäischer Klasse schuldig blieb.

Paris Lee, Retin Obasohan und Co. müssen versuchen, das Tempo immer wieder zu forcieren, denn im Setplay ist den körperlich starken Griechen nur schwer beizukommen. Mit den athletischen Centern Kingsley Moses (2,08 Meter) und Yanick Moreira (2,05 Meter) verfügt der Tabellenvierte der griechischen Liga über zwei Ringbeschützer mit enormer Armspannweite. Beide blockten in Bamberg jeweils drei Würfe.

Überraschender Trainerwechsel

Nur eine Woche nach der Niederlage Mitte November in der Brose-Arena musste Trainer Ilias Zouros, der das Amt erst im Sommer übernommen hatte, überraschend seinen Hut nehmen. Mit einer Bilanz von 6:2 Siegen in der griechischen Liga und 3:3 in der Champions League lag Peristeri bis dato ergebnistechnisch voll im Soll. "Ich mache diesen Job seit 34 Jahren, aber sowas habe ich noch nicht erlebt", sagte der 53-Jährige in einem Interview eine Woche nach seiner Entlassung. "Wir hatten mit Verletzungsproblemen einiger Leistungsträger zu kämpfen, befanden uns aber auf dem richtigen Weg. Für mich bleibt diese Entscheidung ein Rätsel."

Der 40-jährige Nikos Papanikolopoulos, der in der Vorsaison bereits als Assistenztrainer tätig gewesen war, übernahm als Chefcoach. Unter seiner Regie gewann Peristeri vier seiner sechs Partien in der Champions League, zuletzt mühten sich die Griechen allerdings zu einem 72:67-Sieg gegen Bar.

Zweistellig im Schnitt bei Peristeri punkten Center Moreira (10,9 pro Spiel), Flügelspieler Steven Gray (10,8) und Point Guard Hatcher (11,8). Letzterer ist mit elf Vereinen in zehn Ländern ein echter Weltenbummler. Seine Europakarriere startete der US-Amerikaner 2006 in Rhöndorf in der 2. deutschen Liga.

Ex-Bamberger zeigt, wie es geht

Dorthin, wo seine Profikarriere begonnen hatte, kehrte der Ex-Bamberger Nikos Zisis vor einer Woche zurück. Sein Comeback für seinen Heimatverein AEK Athen in der griechischen Liga nach 15 Jahren dürfte auch dem Brose-Trainerteam etwas Anschauungsmaterial geliefert haben. Der 36-Jährige hatte mit seinen 18 Punkten und fünf Assists in 34 Minuten entscheidenden Anteil am 77:73-Auswärtssieg von AEK in Peristeri. Ein Resultat, das auch Brose Bamberg schmecken würde.

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