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Bamberg
Basketball

DJK verzichtet auf den Aufstieg

Die Damen der DJK Bamberg hätten den Weg in die 1. Liga gehen können, verzichten aber darauf. Die Zukunft ist ungewiss, die Ausrichtung noch unklar. Weiterhin in der 2. Liga zu spielen, ist keine Selbstverständlichkeit.
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Wohin des Weges? Zum aktuellen Zeitpunkt ist es völlig unklar, wie es mit den Basketballerinnen der DJK Bamberg um Jana Barth (l.) und Erica Balman in der kommenden Saison weitergeht. sportpress
Wohin des Weges? Zum aktuellen Zeitpunkt ist es völlig unklar, wie es mit den Basketballerinnen der DJK Bamberg um Jana Barth (l.) und Erica Balman in der kommenden Saison weitergeht. sportpress

"In der aktuellen Situation sind schnelle Entscheidungen gefragt." Dirk Landwehr, 52, seit Anfang 2019 Geschäftsführer der Basketball-Damen von DJK Don Bosco Bamberg, hat den DJK-Trainerstab und den Geschäftsführer der Damen-Basketball-Bundesliga (DBBL), Claus-Arwed Lauprecht, informiert, dass sein Verein auf die Teilnahme an der 1. Bundesliga in der Saison 2020/2021 verzichtet - obwohl der Primus der 2. Liga Süd nach der vorzeitigen Beendigung der Saison das sportliche Anwartschaftsrecht dazu gehabt hätte.

Doch Landwehr und Mit-Geschäftsführer Oliver Edelmann waren sich schnell einig, dass es aufgrund struktureller Defizite im organisatorischen Bereich und den zum jetzigen Zeitpunkt nicht absehbaren wirtschaftlichen Auswirkungen, die die Corona-Krise mit sich bringen wird, unverantwortlich gewesen wäre, in Deutschlands Beletage aufzusteigen. "Das wäre für uns überhaupt nicht machbar gewesen", sagt Landwehr.

Virus beschleunigt Entscheidung

Schon in der aktuellen Spielzeit sei die organisatorische Unterstützung aus dem Umfeld nicht so gewesen, wie es für ein Top-Team aus der 2. Liga notwendig gewesen wäre. Und hätte nicht Headcoach Konstantin Hammerl die meiste Last geschultert - dem Klub wären viel früher seine Grenzen aufgezeigt worden.

Die Ausbreitung des Coronavirus hat die Entscheidung letztlich beschleunigt. Niemand, sagt der Vater von zwei Töchtern, könne aktuell darüber eine Aussage treffen, ob und in welchem Umfang sich bestehende oder potenzielle Sponsoren zukünftig engagieren werden. "Es ist davon auszugehen", so Landwehr weiter, "dass selbst ein derzeit finanziell gesundes Unternehmen Einbußen hinnehmen muss. Insofern war unser Schritt, auch zu diesem frühen Zeitpunkt, der richtige."

Bis zur Beendigung des Spielbetriebs am 12. März hatten die DJK-Damen, die in dieser Saison "sehr international" (Landwehr) aufgestellt waren, sportlich überzeugt - und lagen vor den punktgleichen Bad Homburg Falcons auf Rang 1 der Süd-Gruppe. Allerdings stand die Teilnahme an den Play-offs, wie Landwehr verrät, auf der Kippe. Aufgrund der zahlreichen verletzten Spielerinnen hatte es Überlegungen gegeben, einen "Play-off-Verzicht auszusprechen". Durch die Einstellung des Ligabetriebs waren diese Gedankenspiele aber obsolet geworden. Da die Verträge mit den Spielerinnen ihre Wirkung verlieren, fallen weniger Personalkosten an. Doch das ist für Landwehr in diesen Tagen der Krise nur peripher von Belang.

Was den Geschäftsführer, der die Transformation in die GmbH mit viel Energie vorangetrieben hat, vielmehr beschäftigen wird, ist die Frage, wie es generell um die Zukunft des Bamberger Damen-Basketballs bestellt ist. Nach seiner Einschätzung müsse dahinter ein "dickes Fragezeichen gemacht werden, sofern die Unterstützung, besonders aus dem organisatorischen Bereich, auch weiterhin überschaubar sein sollte".

Interview: Corona-Krise könnte "Machtverhältnisse verändern"

Konstantin Hammerl hatte eine Mission: Die Basketball-Damen der DJK in die 1. Liga führen. Bis zum 21. Spieltag lag seine Mannschaft auf Kurs, war Spitzenreiter in der Süd-Staffel - doch dann wurde der Spielbetrieb aufgrund der Corona-Krise für beendet erklärt. Die DJK-Verantwortlichen um Geschäftsführer Dirk Landwehr haben aber erklärt, nicht in die 1. Liga zu wollen.

Herr Hammerl, wie haben Sie auf die Nachricht reagiert, auf den Aufstieg zu verzichten?

Konstantin Hammerl: Es ist kein großes Geheimnis, dass eine solche Entscheidung auch bei mir Spuren hinterlässt. Erst recht, wenn man zehn Monate sportlich auf den Aufstieg hingearbeitet hat und sich mit der Meisterschaft und dem

Aufstieg belohnen möchte.

Haben Sie von den strukturellen Problemen, die Landwehr angesprochen hat, nichts mitbekommen?

Das Tagesgeschäft hat letztlich alles übermannt. Als Trainer ist man in gewisser Weise auf einer Mission - zumal wir in der vergangenen Spielzeit unheimlich großen Erfolg und es damals bis ins Play-off-Finale geschafft hatten. Diese positive Entwicklung hat bei mir den Ehrgeiz entfacht, es noch besser zu machen.

Gehen Sie mit der frühen Entscheidung der Liga konform?

Ich finde es richtig, dass sehr schnell sehr klare Verhältnisse geschaffen wurden. Das gibt allen Beteiligten Planungssicherheit und entlastet zudem den aktuellen Etat. Unsere beiden US-Amerikanerinnen sind gestern zurück in die Heimat geflogen.

Welche Auswirkungen wird die Coronakrise auf den Profi-Bereich im Damen-Basketball haben?

Zunächst einmal wird es jeden Verein, egal ob Erste oder Zweite Liga, vor neue Herausforderungen stellen. Jeder Klub wird um Partner und Sponsoren kämpfen müssen, ohne zu wissen, wie diese ihre finanziellen Mittel einsetzen werden. Letztlich könnte es dazu führen, dass sich die Machtverhältnisse ändern und dass es aufgrund geringerer Budgets zu Anpassungen bei den Gehältern der Spielerinnen kommen wird.

Und wie bewerten Sie die Entwicklung bei den DJK-Damen?

Unter den aktuellen Gegebenheiten ist die Perspektive mehr als fraglich.

Die Fragen stellte Dirk Kaiser.

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