Bamberg
Schießen

Die Magie des Schwarzpulvers

Robin Kreuz von der SG 1306 Bamberg räumt an der "Deutschen" im Schwarzpulverschießen zehn Goldmedaillen ab - und gibt einen kleinen Einblick in das Schießen mit Pulver, Pflaster und Blei.
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Zehnfacher deutscher Meister im Schwarzpulver-Schießen: Robin Kreuz Hans-Jürgen Fischer
Zehnfacher deutscher Meister im Schwarzpulver-Schießen: Robin Kreuz Hans-Jürgen Fischer

Für die 1306er- Schützen Rudi Reuß und Robin Kreuz bildet der Rauch das zentrale Thema an der deutschen Meisterschaft des BDS (Bund Deutscher Sportschützen) im Schwarzpulverschießen. Natürlich in Form von Pulverdampf, aber auch, weil vor Verzweiflung manchmal die Köpfe rauchen.

Die Vor- und Nachbereitung verschlingt hier eine Menge Zeit. Doch genau dieses "Drumherum" macht den Reiz aus.

Zunächst die Waffe an sich: Es wird zerlegt, gefummelt, Grate abgefeilt, Abzüge poliert, Visierungen angepasst. Die Bleigeschosse werden selbst gegossen. Sollen diese in Patronen verladen werden, folgt das Kalibrieren und Fetten. Hilfsmittel werden beschafft oder hergestellt: Schusspflaster aus Baumwollstoff, Trennmittel aus Filzpfropfen, Weizengrieß oder Plättchen aus einer Milchtüte gestanzt - jeder hat ein Geheimrezept.

Keine Experimente sind dagegen beim Schwarzpulver erlaubt: Es darf nur industriell hergestelltes Treibladungsmittel Verwendung finden. Um dieses erwerben zu dürfen, ist eine amtliche Erlaubnis erforderlich.

Nach dem ersten Schuss aus einer Vorderladerwaffe ist der Reiz klar: Die Handhabung, vor allem das Laden, unterscheidet sich gravierend von einer "Modernen". Bis ein Perkussionsrevolver feuerbereit ist, dauert es eine halbe Ewigkeit. Das Laden wird zum Ritus, zum bewussten Tun. Es stellt die mentale Vorbereitung auf den Schuss selbst dar. Das Vorderladerschießen ist geruhsamer, aber nicht weniger anspruchsvoll als mit modernen Waffen. Des Weiteren fasziniert die mit solch altertümlich wirkenden Sportwaffen erreichbare Präzision.

Nicht minder interessant ist der geschichtliche Hintergrund: Schwarzpulver wurde wahrscheinlich vor rund 1000 Jahren in China erfunden und diente rituellen Zwecken. Doch es verging nicht viel Zeit, bis sich die Menschheit der explosiven Wirkung bewusst wurde: Das erste Kanonen- oder Handrohr war erschaffen. Dieser Quantensprung veränderte die Welt. Die Waffentechnik entwickelte sich, Mitte des 19. Jahrhundert war die Metallpatrone erfunden: Hülse mit integriertem Zünder, Schwarzpulver und Geschoss können nun mit einem Handgriff geladen werden.

Drei Tage, 45 Disziplinen

Die offene deutsche Meisterschaft in Philippsburg bei Karlsruhe dauerte drei Tage. In 22 von 45 Disziplinen hatte sich Robin Kreuz angemeldet. Er nahm sich zuerst die Fallscheiben-Disziplinen vor, angefangen mit der Hahnflinte. Nach sechs Probeschüssen wollte kein Plate fallen. Auch nach der ersten Wertungsserie standen noch alle Stahlscheiben. Die Flinte streute auf 15 Metern wie verrückt - Abbruch. Nächste Disziplin: Patronenrevolver. Lief gut, Probeserie und erster Wertungsdurchgang sauber abgeräumt. Zweiter Durchgang blieben drei Planes stehen, dritter Durchgang alles daneben. Kreuz verstand im ersten Augenblick die Welt nicht mehr, doch ein Blick durch den Lauf schaffte Klarheit: total verdreckt. "Ich benutze normalerweise Schweizer Jagdschwarzpulver. Doch das hat seinen Preis, deswegen wollte ich eine günstigere Sorte ausprobieren." Doch der Zeitpunkt für solch einen Test war denkbar ungünstig: "Ich musste fortan nach fünf Schuss den Lauf durchwischen, um die Präzision zu erhalten, und das bei jeder Waffe in jeder Disziplin das ganze Wochenende lang. Es war zum Verrücktwerden."

Am nächsten Tag waren Kreuz und Rudi Reuß mit die Ersten am Start. Im Laufe des Vormittags traf noch der Bamberger Georg Winkler ein. Er startete in fünf Disziplinen. Die Stände waren zwar nicht voll besetzt, trotzdem herrschte bis auf einer kurzen Mittagspause immer Schießbetrieb. Um 18 Uhr hatte Kreuz sein Tagessoll, die Präzisions- und Kombidisziplinen, erfüllt. "Es lief auf jeden Fall besser als am Tag zuvor, doch wegen des laufenden Durchwischens hatte ich keine Verschnaufpause." Am dritten Tag standen die Speed-Disziplinen auf dem Programm.

Für die 1306er aus Bamberg war es wohl die erfolgreichste deutsche Schwarzpulver-Meisterschaft: Kreuz gewann zehn Mal die Goldmedaille, viermal Silber und einmal Bronze. Winkler erreichte einmal Gold und zweimal Silber. Reuß sicherte sich sieben Vizetitel und zwei Bronzemedaillen. red

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