Bamberg
Basketball

Die Legenden sind zurück

Die Saison 2019/20 ist eine besondere für den Bamberger Basketball. Sie ist die 50. seit dem erstmaligen Aufstieg in die Bundesliga im Jahr 1970. Die bevorstehende Spielzeit wird daher mit einem Schmankerl eingeläutet.
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Anton Gavel. Fotos: Archiv
Anton Gavel. Fotos: Archiv
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Im "Spiel der Champions" stehen am Samstag um 16 Uhr Akteure auf dem neu verlegten Parkett der Brose-Arena, die ihren Beitrag zu einer Erfolgsgeschichte mit neun deutschen Meisterschaften und sechs Pokalsiegen geleistet haben. Drei Spieler aus verschiedenen "Epochen" blicken auf ihre Zeit im Bamberger Trikot zurück.

Das Eigengewächs

Steffen Hamann (zweifacher Meister mit Bamberg): "Als Bamberger, der alle Jugendmannschaften durchlaufen hat, war mein erstes Bundesliga-Spiel in der Graf-Stauffenberg-Halle natürlich etwas ganz Besonderes. Aber mein größter Moment war der Gewinn der deutschen Meisterschaft 2005. Ich kann mich noch erinnern, wie ich nach der Schlusssirene des fünften Finalspiels Mike Nahar zu Boden gerissen habe und auch, wie ich die erste Bierdusche meiner Karriere bekam. Ich habe mein Trikot zwei Tage nicht ausgezogen und war während dieser Zeit sogar noch getapt. Das war damals einfach eine geile Truppe, die man in dieser Form im Profisport selten findet. Was der Mannschaft an Talent fehlte, hat sie mit Herz, Charakter und Hingabe wettgemacht. Jeder hat für jeden gekämpft. Ein Beispiel: Nach der Verletzung von Hurl Beechum kam Derrick Taylor aus der Rente zurück, trainierte zwei Wochen und spielte mit 41 Jahren sensationelle Play-offs. Wir haben auch abseits des Parketts viel unternommen, sind essen gegangen oder haben abends auch mal gefeiert. Aber: Wir haben am nächsten Tag im Training wieder Vollgas gegeben. Die Begeisterung der Fans war unglaublich. Ich kann mich noch erinnern, wie wir einmal abends nach dem Training die Halle verlassen haben und davor schon viele Fans ihre Zelte aufgebaut haben, um sich am nächsten Tag die letzten Karten für ein Play-off-Spiel zu sichern. Während der Play-offs wurde man in Bäckereien und Metzgereien sogar von Angestellten im Basketball-Trikot bedient - das war einfach Freak City." mg

Der Titelhamster

Anton Gavel (vierfacher Meister und dreifacher Pokalsieger mit den Brose Baskets): "Ich freue mich immer, wenn ich zurück nach Bamberg komme. Meine Freundin stammt von hier, und von daher sind wir ab und zu mit den Kindern bei Oma und Opa zu Besuch. Es haben sich in den fünf Jahren, in denen ich hier gespielt habe, einige Freundschaften gebildet, die Kontakte nach Bamberg sind also nie abgerissen. Auch mit vielen meiner damaligen Teamkollegen habe ich noch Kontakt, mit Boki Nachbar und Peja Suput beispielsweise. Bei Casey Jacobsen waren wir sogar einmal im Urlaub in den USA zu Besuch. Mit Stefan Weissenböck telefoniere ich auch regelmäßig. Es ist schön, jetzt einige von den ehemaligen Weggefährten wiederzusehen und mit ihnen an die alten Zeiten zurückzudenken. Von meinen vier Meisterschaften, die ich mit den Bambergern gewonnen habe, war wohl die erste am schönsten. Denn sie kam am unerwartetsten. Wir waren nach der Hauptrunde nur Fünfter, doch in der ersten Play-off-Runde sind die Mannschaften auf den Plätzen 1 bis 4 allesamt rausgeflogen. Diese Chance haben wir dann genutzt. Aber jede Meisterschaft hatte etwas Spezielles, denn ich habe mit Spielern zusammengespielt, die wirklich gut waren. Das sieht man daran, wo die Jungs alle nach ihrer Zeit in Bamberg gelandet sind. Brose hat jetzt einen Cut hinter sich, aber in Bamberg herrschen immer noch sehr gute Rahmenbedingungen, und die Fanschar ist groß. Daher glaube ich schon, dass hier irgendwann wieder eine neue Erfolgsära gestartet werden kann. "ps

Der Alterspräsident

Wolfgang Reichmann (Kapitän der Aufstiegsmannschaft von 1970): "Der Aufstieg in die Bundesliga war das schönste Erlebnis meiner aktiven Basketball-Karriere. Wir Spieler waren damals fast alle Bamberger, sechs davon, Werner Voigt, Fips Hoffmann, Beppo Pfeifer, Peter Müller, Rudi Lorber und ich, gingen sogar zur gleichen Schule. Das gab es sonst in Deutschland nirgendwo. Den Aufstieg in die Bundesliga haben wir damals auswärts in Darmstadt perfekt gemacht. Als der erste Darmstadter in die Halle wollte, war die schon voll. Aus Bamberg hatte sich eine ganze Karawane auf den Weg gemacht. Die Begeisterung damals war riesig. Bei den Heimspielen in der dunklen Kennedy-Halle hat die Stimmung gebrodelt. Das hat viele Gästemannschaften sichtlich beeindruckt. Die Zeit damals, als wir von der Bayernliga bis in die Bundesliga durchmarschiert sind, war wohl so etwas wie die Geburtsstunde des Bamberger Basketballs. Natürlich hat sich das Spiel seitdem stark verändert. Die Athletik ist heute eine ganz andere. Beim Jubiläumsspiel am Samstag bin ich so etwas wie der Alterspräsident, deshalb möge man mir verzeihen, wenn schon alleine das Vor- und Zurücklaufen für mich eine Anstrengung sein werden. Mit Steffen Hamann und Jan Rohdewald habe ich zwei fantastische Aufbauspieler im Team, vielleicht findet ja mal ein Pass von ihnen die linke Seite. Im Übrigen finde ich es eine tolle Sache, dass sich Brose Bamberg seiner Tradition bewusst wird. Mit Aktionen wie diesen finden junge und alte Bamberger Fans zusammen."ps

Die Mannschaften im "Spiel der Champions"

TEAM INTERNATIONAL Dalibor Bagaric Brose Bamberg 2014/2015 - deutscher Meister 2015 Chris Ensminger GHP Bamberg/Brose Baskets 2001 bis 2008 - deutscher Meister 2005 und 2007, siebenfacher BBL-Allstar, fünfmal bester Rebounder der BBL Casey Jacobsen Brose Baskets 2006/2007 und 2009 bis 2014 - deutscher Meister 2007, 2010, 2011 2012 und 2013; Pokalsieger 2010, 2011 und 2012 Demond Mallet GHP Bamberg von 2004 bis 2006 - deutscher Meister 2005 Rick Stafford von 2002 bis 2006 TSK/GHP Bamberg, 2006 bis 2008 Brose Baskets (Assistenztrainer) - deutscher Meister 2005 (Spieler) und 2007 (Assistenztrainer)

Predrag Suput Brose Baskets von 2007 bis 2012 - deutscher Meister 2010, 2011 und 2012; Pokalsieger 2010, 2011 und 2012 Gary von Waaden TTL Bamberg 1984/85, 1987/88, und 1989/90 Trainer Dirk Bauermann (2001 bis 2008 - deutscher Meister 2005 und 2007; Bundestrainer 1994 und von 2003 bis 2011)

Volker Stix (Assistenztrainer von 2002 bis 2010 - deutscher Meister 2005 und 2007) TEAM NATIONAL Anton Gavel Brose Baskets von 2009 bis 2014 - deutscher Meister 2010, 2011, 2012 und 2013; Pokalsieger 2010, 2011 und 2012; 89 A-Länderspiele für die Slowakei, 12 für Deutschland Hilar Gese 1. FC Bamberg von 1974 bis 1977 - 7 A-Länderspiele Wolfgang Goppert 1. FC Bamberg von 1982 bis 1987 - Wiederaufstieg in die Bundesliga 1984 Steffen Hamann 1998 bis 2003 TSV Tröster Breitengüßbach, 1999 bis 2006 TTL/TSK/GHP Bamberg, 2007/08 Brose Baskets - deutscher Meister 2005 und 2007; 131 A-Länderspiele; Teilnahme Olympische Spiele 2008 Ingo Mendel 1. FC/TTL Bamberg 1985 bis 1989 - 55 A-Länderspiele, Teilnahme Olympische Spiele 1984 Wolfgang Reichmann 1970 bis 1978 1. FC Bamberg - Aufstieg in die Bundesliga, erster Bamberger Nationalspieler (12 A-Länderspiele) Jan Rohdewald TSK Universa Bamberg 1999 bis 2002 Sven Schultze TSV Tröster Breitengüßbach, 1995/96, TTL Bamberg 1995 bis 1998; 121 A-Länderspiele; Silbermedaille bei der Europameisterschaft 2005, Teilnahme Olympische Spiele 2008 Volkmar Zapf 1990 bis 2005 TTL Bamberg, GHP Bamberg, 2005 bis 2010 Athletiktrainer - deutscher Meister 2005 (Spieler), 2007 und 2010 (Athletiktrainer) Trainer Arne Woltmann (Assistenztrainer Brose Baskets 2008 bis 2014 - deutscher Meister 2010, 2011, 2012, 2013; Pokalsieger 2010, 2011, 2012) und Wolfgang Heyder (1990 bis 2014 Manager, Geschäftsführer und Sportdirektor - deutscher Meister 2005, 2007, 2010, 2011, 2012, 2013; Pokalsieger 2010, 2011, 2012

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