LKR Bamberg
Fußball

Die Bamberger Schiedsrichter im Wandel der Zeit

Die Gruppe Bamberg feiert ihr 100. Jubiläum. Sport und Gesellschaft haben sich verändert. Der Idealismus der Pfeifenmänner- und frauen blieb gleich.
Artikel drucken Artikel einbetten
Helmut Fleischerimago
Helmut Fleischerimago
+3 Bilder

Im November 1918 endete der vier Jahre andauernde Erste Weltkrieg, der Millionen von Menschen das Leben kostete. Die Folgen des Krieges rissen Deutschland in eine riesige Inflation und damit in eine gesellschaftliche Krise. Die lange Jahre lahmgelegte Sportbewegung allerdings entwickelte sich zaghaft wieder. In diese Zeit hinein gründete sich die Schiedsrichter-Gruppe Bamberg.

"Im Jahr 1919 fand aufgrund einer Anregung des FC Bamberg eine Vorbesprechung mit verschiedenen Vereinsvertretern im Münchener Hof statt, wenige Wochen danach folgte die Gründungsversammlung mit 18 Teilnehmern. Erster Vorsitzender wurde damals Josef Stöhr vom 1. FC Bamberg", blickt die über 250 Seiten umfassende Chronik der Gruppe auf die ersten Tage ihrer mittlerweile hundertjährigen Geschichte zurück.

Größte Gruppe in Oberfranken

Seitdem ist viel geschehen: Wachstum und Erfolge durften gefeiert, stürmische Zeiten mussten überstanden werden - aber welcher Hundertjähriger hatte nur schöne und sonnige Tage in seinem Leben? Fest steht jedenfalls, dass die Gruppe Bamberg schnell zur größten in Oberfranken wurde und heute zu den stärksten in ganz Bayern gehört.

Ausgehend von den 18 Gründungsmitgliedern stiegen die Zahlen kontinuierlich an, der Höchststand lag bei 580, aktuell sind es etwa 430 Mitglieder. Schon nach dem Zweiten Weltkrieg gab es mit dem späteren Obmann Hans Wagner und Hans Loch, der in der Folgezeit Bezirks-Lehrwart wurde, Pfeifenmänner aus Bamberg, die Spiele in der höchsten Liga (damals Oberliga Süd mit Teams wie Bayern München, Eintracht Frankfurt oder Waldhof Mannheim) leiten durften.

Weit oder sogar ganz nach oben schafften es später auch Referees wie Helmut Fleischer, sein Vater Karl Fleischer, Siegfried Brehm, Robert Schauer, Günther Reitzner, Reinhard Lorenz, Peter Schirner oder auch die beiden Fifa-Schiedsrichterinnen Gertrud Gebhard (geb. Regus) und Elke Günthner sowie mit Markus Pflaum einer, der noch immer aktiv ist - und sorgten für einen hervorragenden Ruf der Bamberger Schiris.

Aber auch jene, die es nicht zu höheren Weihen an der Pfeife brachten oder bringen werden, sind mindestens ebenso wichtig: die Referees an der Basis, die Woche für Woche in den untersten Ligen bei Wind und Wetter zuverlässig die Möglichkeit eines geordneten Spielbetriebs gewährleisten. Die zwar nicht überregional bekannt werden, die aber auf den Plätzen in und um Bamberg nicht mehr wegzudenken sind. Und die sich in den Dienst des Amateur-Fußballs stellen.

Auch unruhige Zeiten

Als Untergruppen wurden 1965 die Gruppen Ebern (kam 1992 zu Coburg-Lichtenfels) und 1966 Höchstadt/Aisch (2006 in Steigerwald umbenannt) gegründet. In unruhigen Phasen kam es bisweilen zu Verwerfungen, Streitereien und Rücktritten.

Und die Gruppe geriet kurzfristig sogar ins Taumeln. Die Chronik zitiert aus einem Protokoll Mitte der 70er: "Jeder schreit und will Recht haben. Die Schiedsrichterkameraden wollten sich fast schlagen." Dennoch hatte Bamberg Anfang der 80er die mit Abstand meisten qualifizierten Referees im Bezirk vorzuweisen.

Ähnlich unruhig ging es um die Jahrtausendwende innerhalb der Vereinigung zu. Kein Wunder, dass es die Phase war, in der die Bamberger Vereinigung in Verbandskreisen nur noch die "Atom-Gruppe" genannt wurde. Leistungsfähigkeit und Qualität der Schiedsrichter taten diese Querelen keinen Abbruch.

Die Zusammenkünfte, Veranstaltungen und Lehrabende fanden im Laufe der Jahre immer wieder in verschiedenen Lokalitäten und später in Sportheimen statt. Seit mehreren Jahren haben die Bamberger Schiedsrichter eine feste Heimat beim SV Dörfleins.

Stabil ins zweite Jahrhundert

Zahlreiche bedeutende Köpfe prägten auf dem Feld und/oder als Funktionäre die Geschichte der Gruppe Bamberg, auch die langjährigen Obmänner wie Karl Perl, Rainer Pflaum oder Günther Reitzner, der die Gruppe seit 2006 an- und nun in ihr 100-jähriges Jubiläum führt. Nicht zu vergessen die Lehrwarte, von denen Josef Waldl die längste Amtszeit vorweisen kann. Sie und die zahllosen anderen Referees, die in keiner Ehren- oder Bestenliste auftauchen, haben dafür gesorgt, dass die Gruppe auch in einer von Schiedsrichter-Mangel geprägten Zeit stabil und gesund in das zweite Jahrhundert ihres Bestehens gehen darf. So, wie sich die Personen in all den Jahren geändert haben, so haben sich auch die Regeln und die Anforderungen an die Schiedsrichter von der Zeit kurz nach dem Ersten Weltkrieg bis in das digitale Zeitalter gewandelt.

Erschwerte Bedingungen

Kaum einer kann sich heute noch vorstellen, dass die Anreise zu den Spielen zu Fuß, mit dem Fahrrad oder bestenfalls mit öffentlichen Verkehrsmitteln bewerkstelligt werden musste. Heutzutage könnte der Schiedsrichter sogar, wenn er wollte, per Handy die aktuellen Spielstände direkt online eingeben. Zwischen diesen Entwicklungsschritten lag ein langer und manchmal steiniger Weg. Aber egal, was für Anforderungen dieser Wandel an die Gruppe stellte, sie musste mit der Zeit gehen - und sie ging mit der Zeit.

Eines hat sich jedenfalls nicht geändert: Ohne eine gehörige Portion Idealismus ging es 1919 ebenso wenig wie 2019.

Das Jubiläumsjahr der Schiedsrichter-Vereinigung

In den folgenden Monaten des Jahres werden wir mit unserem Partnerportal anpfiff.info in regelmäßigen Abständen über bekannte und weniger bekannte Pfeifenmänner und -frauen, Kuriositäten, Geschehnisse oder Entwicklungen berichten - und so das Jubiläumsjahr der Schiedsrichter-Gruppe Bamberg würdigen. Darüber hinaus stehen etliche Festivitäten an, nachfolgend die Termine bis zur Jahresmitte. Samstag, 2. Februar: Winterwanderung ab 15 Uhr von Wildensorg zur Altenburg und zurück mit anschließender Einkehr im Gasthof Heerlein. Freitag, 15. März: Schafkopf- und Schnauzturnier beim FC Baunach ab 19 Uhr. Samstag, 27. April: Infostand zum 100-jährigen Bestehen der Vereinigung am Grünen Markt. Wochenende, 10. - 12. Mai: Schiedsrichter-Neulingskurs beim FC Baunach. Samstag, 6. Juli: Gartenfest bei Obmann Günther Reitzner in Tuchenbach. Montag, 8. Juli: Beim SV Dörfleins findet um 18.30 Uhr ein Schiedsrichter-Traditionsspiel gegen die Gruppe Forchheim mit anschließendem Grillen statt.

Verwandte Artikel
was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren