Bamberg
Volleyball

"Die Arena kann auch Volleyball"

Wenn neben dem Sieger, den Zuschauern und den Organisatoren auch die Verlierer zufrieden nach Hause fahren, muss einiges richtig gelaufen sein.
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Zumindest die Westtribüne der Brose-Arena war voll. 2300 Zuschauer sahen das Volleyball-Derby in der 2. Liga zwischen Eltmann (schwarze Trikots) und Hammelburg. sportpress
Zumindest die Westtribüne der Brose-Arena war voll. 2300 Zuschauer sahen das Volleyball-Derby in der 2. Liga zwischen Eltmann (schwarze Trikots) und Hammelburg. sportpress
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Ausverkauft war die Bamberger Brose-Arena am Samstagabend bei Weitem nicht, doch das war auch gar nicht realistisch. Wo sonst die Bundesliga-Basketballer vor etwa 6000 Zuschauern Körbe werfen, sahen nun 2300 Volleyball-Fans die Zweitliga-Partie zwischen den Heitec Volleys Eltmann und dem TV/DJK Hammelburg (3:1). Das Urteil von Hallensprecher Robert Hatzold, der sonst im Schnitt 500 Gäste in der Georg-Schäfer-Halle in Eltmann informiert und bei Laune hält, lautete hinterher: "Die Zuschauer haben bewiesen: Die Arena kann auch Volleyball."

Theater-Dramaturg am Werk?

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Selbst der eher zurückhaltende Manager der Heitec Volleys, Rolf Werner, schwärmte: "Unser Mut, für einen Testlauf in die drittgrößte Multifunktions-Arena Bayerns umzuziehen, wurde auf ganzer Linie belohnt. Ein Theater-Dramaturg hätte die Begegnung nicht besser inszenieren können. Die zwei Stunden waren eine tolle Werbung für unsere Sportart. Unsere Generalprobe für den angepeilten Aufstieg ins Oberhaus hat geklappt. Das Top-Event war absolut erstligareif."

Für die gelungene Veranstaltung 25 Kilometer von der Heimspielstätte entfernt sorgten in erster Linie die Sportler auf der 18 mal neun Meter großen Schaumstoffmatte mit einem hochklassigen und spannenden Unterfranken-Derby. Das Drumherum war für Hatzold trotz der ungewohnten Kulisse in ungewohnter Umgebung Routine. "Mit den Schiedsrichtern das Netz prüfen. Vorstellung beider Mannschaften. Pausenprogramm nach dem zweiten Satz. Das Spieltagsprotokoll ist vorgegeben und immer gleich", erklärt der Moderator von Radio Bamberg.

Anders als sonst verläuft dagegen der Abend für Sabine, Daniela und Stephan. Das Trio trommelt das Eltmanner Sextett zum Sieg - allerdings sitzen die Mitglieder des Fanklubs "Red Baron" diesmal nicht seitlich des Spielfelds, sondern dahinter. "Wir dürfen nicht direkt hinter den Auswechselbänken sitzen", erklärt Sabine die Auflagen in der Arena. "Man kann sich daran gewöhnen, aber wir lieben unsere Halle, weil wir da näher bei den Spielern und Fans sind."

Anhänger und Akteure zugleich waren die Männer von Gut Holz Zeil. Der Spielplan der Zweitliga-Kegler wollte es, dass der Aufsteiger am Nachmittag bei der Reserve von Victoria Bamberg antrat. Die Gelegenheit nutzte das Sextett, um die Volleyballer aus der Nachbargemeinde zu unterstützen. "Wir sind die beiden höchstklassigen Teams aus dem Landkreis Haßberge, daher müssen wir zusammenhalten", berichtet der Zeiler Patrick Löhr.

Die Regeln der Ballsportart kennen er und seine Gut-Holz-Kollegen. "Ob es umgekehrt genauso ist, weiß ich nicht", sagt Löhr schmunzelnd. Die eigene Niederlage bei der Victoria ist - ähnlich wie später bei Hammelburg - schnell vergessen, denn in Sachen Klassenerhalt sieht es gut aus. In die andere Richtung soll es für die Heitec Volleys gehen. "Die Ambitionen auf die Bundesliga sind sichtbar", findet der 30-Jährige.

"Kulisse gewöhnungsbedürftig"

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Das sieht der Hammelburger Peter Uebel ähnlich: "Man sieht, dass Eltmann nicht zu Unrecht in die 1. Liga will." Der 49-Jährige, der nach eigener Aussage bei einem Gastspiel in Mainz 100 gegnerische Fans in den Dezibel-Schatten gestellt hat, dringt mit seinen Anfeuerungen kaum zu den Spielern durch. "Die Geräuschkulisse ist gewöhnungsbedürftig." Entmutigen lassen sich er und die circa 200 Gästefans nicht. "Wir können druckfrei aufspielen, denn der Abstieg ist so gut wie vermieden." Auch wenn der Lärmpegel nicht mit einer Begegnung der Brose-Basketballer mithalten kann - eines ist am Samstagabend ähnlich. "Im Volleyball gibt es keine Feindseligkeiten. Man unterstützt das eigene Team und pfeift den Gegner nicht aus", berichtet Uebel.

Egal ob Schäfer-Halle oder Brose-Arena - der Hammelburger blüht beim passiven Sport auf. Sucht das Gespräch mit Gästezuschauern ("Da sind schon Freundschaften entstanden"). Lässt Tüten mit Süßigkeiten durchs gemischte Publikum wandern. Die Arena ist bereit für mehr solche Besucher. Die Arena kann auch Volleyball.

Mircea Peta verwandelt den dritten Matchball

Einen entscheidenden fünften Satz, der nur bis 15 statt 25 Punkte ausgespielt worden wäre, gab es im Zweitliga-Derby zwischen dem VC Eltmann und dem TV/DJK Hammelburg nicht, dennoch boten die unterfränkischen Teams den 2300 Zuschauern im oberfränkischen Bamberg nahezu alles, was zu einem Volleyballspiel gehört. Erst nach knapp zwei Stunden verwandelte Mircea Peta - hinterher mit dem Hammelburger Lukas Spachmann zum wertvollsten Spieler der Partie gewählt - den dritten Matchball zum 3:1-Sieg der Heitec Volleys, die zudem von Patzern der Konkurrenz profitierten. Völlig überraschend verlor der bisherige Spitzenreiter Mainz-Gonsenheim zu Hause mit 0:3 gegen den SV Schwaig. Neuer Tabellenführer der 2. Bundesliga Süd ist der TSV Grafing, der beim 3:2 in Gotha allerdings einen Zähler einbüßte und punktgleich mit Eltmann ist.

Zum ersten Mal machte Peta in der Brose-Arena auf sich aufmerksam, als er einen Ball ins Aus gehen lassen wollte, sich aber umentschied und die Kugel kurz vor dem Auftatzen mit dem Fuß übers Netz schoss. Der Hammelburger war offenbar so überrascht, dass ihm die Annahme missglückte. Den 11:9-Vorsprung baute der VC zum 25:19-Satzgewinn aus. Im zweiten Durchgang lagen die Gäste bis zum 14:14 stets knapp vorne. Mit dem spektakulären Punkt zum 25:24 riss der VC das Publikum von den Sitzschalen. Eine Serie von Aufschlagfehlern auf beiden Seiten sorgte dafür, dass der Abschnitt erst beim 28:26 für Eltmann beendet war.

Noch mehr Widerstand leisteten die Hammelburger im dritten Satz, in dem sie den Eltmannern in jeglicher Hinsicht Paroli boten und starke Nerven zeigten, denn die Gäste verspielten beinahe ein 23:19. Dass die Hausherren den Durchgang nicht kampflos abgaben, zeigte einmal mehr Peta, der einen Ball von hinter der Werbebande zurück aufs Feld beförderte, wenngleich der Zähler zum 6:8 aufs TV-Konto wanderte. Die gelungene Rettungsaktion des Most Valuable Players zum 16:16 verhinderte die 25:23-Niederlage auch nicht mehr: Die Entscheidung war vertagt.

Im vierten Durchgang legte Hammelburg ein 5:2 vor, dann war es bis zum Ende eng. Beim 19:19 fischte ein VCler die Kugel aus dem Netz, seine Teamkollegen vollendeten. Der anschließende Ballwechsel war einer der wenigen, in dem die Linienrichter, die aus Kostengründen nur in der 1. Liga im Einsatz sind, vermisst wurden: Der Schlag eines TVlers zum 20:20 war eventuell etwas zu lang. Doch im Volleyball ersetzen die Spieler oft den Schiedsrichter, wenn sie eigene Vergehen wie eine Netzberührung oder einen "Tusch" anzeigen.

Fünf Mal hatte Hammelburg anschließend die Gelegenheit, den Tiebreak zu erzwingen. Der starke Gäste-Zuspieler wehrte indes den zweiten Matchball für Eltmann ab, als er die Kugel übers Netz legte, anstatt wie erwartet für einen Mitspieler aufzulegen. Doch Peta machte nach 35 Minuten den Sack per Schmetterer zum 32:30 für die Heitec Volleys zu. Die verdiente Medaillen-Auszeichnung erhielt er von Saloua Zinoui, frühere marokkanische Nationalspielerin und Lebensgefährtin von Richard Heindl, dem Vorstandsvorsitzenden von VC-Hauptsponsor Heitec.

Volleys-Coach Marco Donat war nach dem Duell auf Augenhöhe erleichtert: "Mein Trainerherz hätte gerne mehr Druck in unseren Aufschlägen und ein klareres Ergebnis gesehen. Mein Volleyballer-Herz ist glücklich über ein wahnsinnig spannendes Spiel vor einer traumhaften Kulisse.". Doch auch dafür gebe es nur drei Punkte.

Am kommenden Wochenende steht ein Doppelspieltag in Friedrichshafen und bei Aufsteiger Mimmenhausen an.

red/rupEltmann: Couchman, Engel, Peta, Richter, Kolbe, Schmitt, Krüger, Kellermann, Werner, Stoyanov, Wacek, Bibrack, House, Strobel



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