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Das sagen Nowitzkis Weggefährten: "Stets seinen eigenen Weg gegangen"

Dirk Bauermann, Frank Buschmann, Demond Greene, Marvin Willoughby und Ademola Okulaja: Begleiter und Freunde erzählen, was sie mit Dirk Nowitzki verbindet.
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Hatten eine erfolgreiche Zeit in der deutschen Nationalmannschaft: Dirk Nowitzki (links) und Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann. Georgi Licovski/EPA/dpa
Hatten eine erfolgreiche Zeit in der deutschen Nationalmannschaft: Dirk Nowitzki (links) und Ex-Bundestrainer Dirk Bauermann. Georgi Licovski/EPA/dpa

Nach 21 Jahren in der NBA hat Dirk Nowitzki Mittwochnacht deutscher Zeit nach dem 120:109-Heimsieg seiner Dallas Mavericks über Phoenix sein Karriereende verkündet.

Dirk Bauermann, ehemaliger Nationaltrainer und langjähriger Coach der Bamberger Basketballer, Sportjournalist Frank Buschmann sowie die ehemaligen Profis Ademola Okulaja, Marvin Willoughby und Demond Greene haben den Weg von Dirk Nowitzki zum Weltstar begleitet und erzählen Anekdoten über den Würzburger.

Frank Buschmann, 54, gebürtiger Bottroper, basketball-sozialisiert in Hagen, heute Fußball-Kommentator bei Sky und unter anderem Gastgeber von "Ninja Warrior Germany" und "The Wall" bei RTL, war über viele Jahre die "Stimme des deutschen Basketballs" (DSF, SPORT1, Telekom Basketball). "Buschi", vor Kurzem in Hamburg erneut zum besten deutschen Sport-Kommentator gekürt, hat Dirk Nowitzki bei diversen Großereignissen wie Welt- oder Europameisterschaften begleitet. Bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking, als Nowitzki bei der Eröffnungsfeier der deutsche Fahnenträger war, zeichnete Buschmann, der auch als Buch-Autor ("Am Ende kackt die Ente" und "Einfach mal frei Schnauze") erfolgreich ist, für die Moderation im Deutschen Haus verantwortlich.

"Was soll ich zu Nowitzki groß sagen? Los ging"s Ende der 90er-Jahre bei "Nike Hoop Heroes", als ein großer, schlaksiger, langer Blonder aus Würzburg für eine deutsche Nachwuchs-Basketball-Nationalmannschaft über Charles Barkley hinweg "stopfte" und so Massen zum Kochen brachte - und keiner ihn wirklich kannte. Ich übrigens auch nicht.

Und als Barkley in der anschließenden Pressekonferenz sagte, "wenn der Junge in die NBA will, dann kriegt er meine Telefonnummer, ich helfe ihm dabei", da habe ich mir das erste Mal gedacht, aus dem (Nowitzki, Anm. d. Red.) kann was werden. Als NBA-Reporter habe ich am Rande verfolgt, dass er sich anfangs schwer getan hat in der stärksten Basketball-Liga der Welt. Aber von Jahr zu Jahr wurde es besser.

Ab 2001 habe ich Dirk die schönsten Momente meines Berufslebens zu verdanken. Das war die EM 2001 in der Türkei - was hat er da abgeliefert...? Die Krönung ist leider versagt geblieben. Foul, Foul, Foul - sag ich nur! Ademola Okulaja lässt Hedat Turkoglu werfen, der trifft, es geht in die Verlängerung, Deutschland verliert im Halbfinale gegen Gastgeber Türkei und wird am Ende Vierter. Aber Nowitzki war überragender Mann des Turniers.

Und dann sicherlich ein absolutes Highlight 2005 die Silbermedaille. Das Halbfinale der Deutschen gegen Spanien: Nowitzki ins Gesicht von Jorge Garbajosa; Deutschland geht ins Finale, verliert da, ehrlich gesagt chancenlos, gegen Griechenland. Aber knapp drei Minuten vor dem Ende nimmt Dirk Bauermann (der damalige Bundestrainer, Anm. d. Red.) Nowitzki runter - und der serbische Hallensprecher sagt auf Deutsch "Donke, Dirk". Da kriege ich jetzt noch eine Gänsehaut.

Ich habe das immer sehr genossen, über Dirk zu berichten. Das liegt sicherlich auch daran, dass mit ihm die Nationalmannschaft sehr erfolgreich war - und es waren einfach unfassbare Spiele dabei. Ich bin mir auch darüber im Klaren, dass ich für meine Berufslaufbahn von Dirk profitiert habe, und ich bin mir auch darüber im Klaren, dass Dirk nicht immer begeistert war, wenn er mich gesehen hat. Bei Trainingslagern oder im Umfeld von Spielen: Wenn er mich schon gesehen hat, hat er mit dem Kopf geschüttelt. So dicke Buddys, wie alle oft gedacht haben, weil ich unter anderem seine Pressekonferenzen moderiert habe, waren wir gar nicht. Es war ein kumpelhaftes Verhältnis zwischen einem Basketball-Weltstar und einem ganz normalen Basketball-Reporter. Damit sind auch die Kräfteverhältnisse ganz gut dargestellt.

Ich habe ihn immer sehr geschätzt; ich will nicht sagen, ich habe ihn verehrt. Das sind Gedanken, die mir irgendwo fern liegen, aber geschätzt habe ich ihn. Und ich finde, dass er einer der meist unterschätzen deutschen Sportler aller Zeiten ist. Ich glaube, die Deutschen haben immer noch nicht begriffen, was Nowitzki 21 Jahre lang in der NBA abgeliefert hat - und dabei ein ganz normaler, netter Kerl geblieben ist."

Dirk Bauermann, 61, war 1994 und von 2003 bis 2011 Trainer der deutschen Nationalmannschaft. Der gebürtige Oberhausener betreute zudem die Auswahl-Teams von Polen und Iran. Aktuell ist der erfolgreichste deutsche Headcoach (neunmal Deutscher Meister mit Bayer Leverkusen, GHP Bamberg und Brose Baskets Bambeg sowie viermaliger Pokalsieger mit Bayer Leverkusen) Chef-Trainer des türkischen Erstligisten Pinar Karsiyaka.

"Während einer Trainings-Einheit mit der Nationalmannschaft im Jahr 2011 gab es an die damaligen Youngster Robin Benzing, Philipp Schwethelm, Elias Harris und Tibor Pleiß folgende Ansage: "Ihr arbeitet mit Denis Wucherer (damals Co-Trainer von Dirk Bauermann, Anm. d. Red.) solange an Euren Skills wie Nowe (Nowitzki, Anm. d. Red.) mit Hodge (Spitzname von Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner, Anm. d. Red.) arbeitet: nach 20 Minuten vorsichtiges Schielen, nach 40 Minuten Verzweiflung, nach 60 Minuten Aufgabe." Die Großen sind eben motiviert, Dinge zu tun, zu denen andere nicht bereit sind."

Ademola Okulaja, 43, Spitzname "The Warrior" gehörte, von 1995 bis 2007 der deutschen Nationalmannschaft an und absolvierte für diese 172 Partien. Beim Gewinn der WM-Bronzemedaille 2002 in Indianapolis war er hinter Nowitzki zweitbester Scorer und Rebounder des Teams. Okulaja spielte in der Basketball-Bundesliga für ALBA BERLIN, RheinEnergie Köln und die Brose Baskets. Aktuell ist er als Spielerberater tätig).

"Dirk und ich waren nie arbeitsscheu und haben nach dem offiziellen Training immer Extraschichten eingelegt. Aber irgendwann war bei mir die Batterie alle, während Dirk noch mal eine Schaufel draufgelegt und eine halbe, dreiviertel oder auch ganze Stunde entweder alleine oder mit Holger Geschwindner trainiert hat. Das war einerseits sehr bewundernswert, andererseits aber auch leicht frustrierend. Hinzu kam, dass wir anderen uns nach den Vormittags-Einheiten im Hotel ausruhen konnten, während bei Dirk noch Telkos, Pressekonferenzen oder offizielle Auftritte anstanden. Obwohl er fast gar keine Zeit zum Ausruhen hatte, hat er es doch irgendwie geschafft, die Batterie aufzuladen, um abends wieder voll zu powern."

Demond Greene, 39 Jahre, absolvierte von 2001 bis 2010 114 Länderspiele für das "A-Team". Zusammen mit Dirk Nowitzki gelang ihm 1998, damals in Diensten von DJK s.Oliver Würzburg, der Aufstieg in die Beletage. Weitere Arbeitgeber in Deutschland waren Bayer Leverkusen, ALBA BERLIN, Brose Baskets und der FC Bayern München. Aktuell coacht Greene die zweite Mannschaft des FCB in der ProB.

"Ich bin froh, ihn in jungen Jahren kennengelernt zu haben. So konnte ich seine Entwicklung mitbekommen und jedes Mal sehen, wie hart er gearbeitet hat. Er hat es zudem geschafft, jeden Spieler im Training oder im Spiel besser zu machen. Abseits des Basketballs war er ein großartiger Mensch und Freund. Man hatte nie den Eindruck, dass er ein Superstar ist, der seine Allüren zur Schau stellt und dadurch die anderen klein wirken lässt. Er war ein lustiger Vogel, der immer zu Späßen bereit war und sich nie in den Fokus gestellt hat. Dirk habe ich im Übrigen meinen Spitznamen zu verdanken: In den Anfangsjahren des Bamberger Camps hat Dirk angefangen, mich Desmond zu nennen - aus irgendwelchen Gründen. Diesen Spitznamen trage ich heute noch."

Marvin Willoughby, 41 Jahre, trug 35 Mal das Nationalmannschafts-Jersey (2001 bis 2003). Zusammen mit Demond Greene, Robert Garrett und Dirk Nowitzki gehörte er Ende der 90er-Jahre zu den "jungen Wilden" des Würzburger Basketballs, die von Holger Geschwindner inspiriert und individuell trainiert wurden. Nach seiner Zeit in Würzburg wechselte Willoughby zu RheinEnergie Köln, wo er von 2002 bis 2004 sowie 2005 unter Vertrag stand. Seit 2014 amtiert er als Sportlicher Leiter und Geschäftsführer des ProA-Ligisten Hamburg Towers.

"Dirk ist ein überragender Basketballer. Man kann darüber streiten, ob er in seiner "Hoch-Phase" der beste Basketballer der Welt war. Meiner Meinung nach: ja. Auf jeden Fall hat er das Spiel komplett verändert, weil er als langer Spieler von außen geworfen hat. Heute ist es fast schon Standard, dass die großen Leute hinter der Drei-Punkte-Linie stehen. Damals war das alles andere als normal. Dirk ist stets seinen eigenen Weg gegangen und hat sich von niemandem davon abbringen lassen. Er war fokussiert und hat sich bis zuletzt als Schüler des Sports gesehen. Er ist einer der Wenigen, die selbst auf dem höchsten Level gesagt haben, dass sie noch besser werden wollen. Deswegen ist er einer der besten Basketballer aller Zeiten. Es gibt nicht viele, die vor ihm zu nennen sind. Darüber hinaus ist er ein feiner Kerl, der sich immer treu geblieben ist. Er hat nicht versucht, den Leuten einzureden, wie wichtig er ist. Vielmehr hat er, fast schon verkrampft, versucht, ein ganz normaler Typ zu sein - was er natürlich auch nicht ist. Ich kann nur danke sagen, dass ich ihn kennenlernen durfte."

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