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Basketball

Daniel Schmidt: "Zuhause ist es am schönsten"

Der Rückkehrer gehört zu den positiven Erscheinungen im Team von Brose Bamberg. Auch außerhalb des Parketts treibt der 28-Jährige seine Zukunft voran.
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Umsichtiger Organisator und zuverlässiger Dreierschütze: In der Bundesliga trifft Daniel Schmidt bislang 44 Prozent seiner Versuche hinter der 6,75-Meter-Linie, in der Champions League sogar 67 Prozent.  Foto: Daniel Löb
Umsichtiger Organisator und zuverlässiger Dreierschütze: In der Bundesliga trifft Daniel Schmidt bislang 44 Prozent seiner Versuche hinter der 6,75-Meter-Linie, in der Champions League sogar 67 Prozent. Foto: Daniel Löb

Wenn es für die Bamberger Basketballer auf Reisen geht, werden nicht nur die mobilen Endgeräte mit Netflix, Spotify und Co. strapaziert, auch ein wenig Nostalgie ist stets mit im Gepäck. Es dauert nicht lange, bis sich Patrick Heckmann, Maurice Stuckey, Louis Olinde und Daniel Schmidt zusammensetzen und ihre Spielkarten herausholen. Bevorzugt spielt das Quartett "Solo", eine Mau-Mau-Variante aus den 90er-Jahren. "Wir sind die Karten-Crew", sagt Schmidt grinsend.

Dass der in Litzendorf aufgewachsene Schmidt Anfang September überhaupt erst zu dieser gemütlichen Bamberger Kartenrunde hinzustoßen konnte, hat er auch einem Stück weit seinem Pokertalent zu verdanken. "Der Sommer war ein bisschen verrückt, es gab kein wirklich interessantes Angebot für mich. Ich hatte zwei Anfragen, eine aus der Bundesliga und eine von einem spanischen Zweitligisten. Aber die geplanten Rollen waren nicht so, wie ich sie mir vorgestellt habe", erklärt der 28-Jährige.

Vier Wochen vor Saisonstart stand Schmidt noch ohne Verein da - als deutscher Spieler im besten Alter und mit der Empfehlung von rund 20 Minuten Spielzeit in der vorherigen Bundesliga-Saison durchaus überraschend. "Man macht sich auf jeden Fall seine Gedanken, aber so extrem nervös war ich jetzt nicht", sagt Schmidt. "Ich weiß mittlerweile, dass in dem Geschäft auch ein bisschen Glück dazugehört. In dem Fall haben mir die Bamberger Verletzungsprobleme natürlich in die Karten gespielt."

BBL-Premiere vor zehn Jahren

Da sich Aufbauspieler William McDowell-White mit einer hartnäckigen Achillessehnenverletzung rumgeschlagen hatte, suchten die Brose-Verantwortlichen nach einem Trainingsersatz - und wurden in Hallstadt fündig. Dort wohnt Schmidt mit seiner langjährigen Freundin Tanja. Schmidt stand sofort Gewehr bei Fuß und bereicherte nicht nur das Training, sondern zeigte sich bereits in den ersten Testspielen bestens integriert. Nachdem solide Leistungen in den ersten acht Pflichtspielen folgten, war die Konsequenz Ende Oktober nur logisch. Schmidts anfänglicher Zwei-Monats-Vertrag wurde bis zum Saisonende verlängert. "Das ist für mich natürlich eine perfekte Situation, denn zuhause ist es immer am schönsten", sagt er.

Vor fast genau zehn Jahren, am 14. Dezember 2008, bestritt der damals 18-Jährige gegen Gießen sein erstes Bundesliga-Spiel für das Brose-Team. Es sollten in den nächsten acht Jahren weitere 104 Bundesliga-, 15 Euroleague- und neun Eurocup-Partien für Bamberg folgen - doch der Durchbruch zum festen Rotationsspieler gelang dem 1,88 Meter großen Aufbauspieler weder unter Chris Fleming noch unter Andrea Trinchieri.

Im Sommer 2016 verließ Schmidt seine Heimat in Richtung Jena, wo er sich mit 17 Minuten Spielzeit im Schnitt als Rollenspieler etablierte. "Daniel ist ein typisch europäischer Spieler. Er spielt nicht so viel mit seiner Physis, sondern mehr mit Köpfchen", sagte Jenas Trainer Björn Harmsen einst über Schmidt, den er bereits als Zehnjährigen kennengelernt hatte. Damals arbeitete Harmsen als Stützpunkttrainer in Bamberg.

Fernstudium als Ausgleich

Apropos "Köpfchen": Während seiner Zeit in Jena begann Schmidt ein Fernstudium im Fach Sportmanagement. "Ein Drittel habe ich mittlerweile geschafft, es macht mir viel Spaß und ist einfach eine Abwechslung zum Basketball", erklärt er. Der Start der akademischen Laufbahn tat seiner sportlichen Entwicklung aber keinen Abbruch. 2017 zog es Schmidt 50 Kilometer weiter westlich zu den Rockets Erfurt. Der Spielmacher bestritt in der vergangenen Spielzeit alle 34 Partien und nahm für die Thüringer, die im Kern auf deutsche Talente setzten, eine Führungsrolle ein. Seine Karrierebestleistung von 20 Punkten gelang ihm ausgerechnet gegen Bamberg.

Letztlich verpassten die Rockets am letzten Spieltag den Klassenerhalt, mit dem Rückzug des Hauptsponsors war auch eine Teilnahme in der ProA wirtschaftlich nicht darstellbar gewesen - das Team zerbrach. "Wenn es in der BBL weitergegangen wäre, glaube ich, dass der Großteil der Mannschaft zusammengeblieben wäre, weil das Projekt in Deutschland schon ein Stück weit einzigartig war", sagt Schmidt, der sich vor allem mit Andi Obst (jetzt: Obradoiro/Spanien) und Johannes Richter (Würzburg) noch regelmäßig austauscht.

Lehrreiche Einheiten mit Rice

Ein Austausch, von dem Schmidt in Bamberg profitiert, ist die Zusammenarbeit mit seinen Kollegen auf der Aufbauposition, Nikos Zisis und Tyrese Rice. "Beide sind komplett unterschiedliche Spielertypen. Nikos ist ein ,Pass-First-Player' und Tyrese ein unglaublicher Scorer. Alleine Tyrese jeden Tag im Training zu verteidigen, macht einen definitiv besser", meint Schmidt. Mit seinen Spielanteilen (16 Minuten im Schnitt) und seinen Leistungen zeigt sich Schmidt zufrieden. "Ich denke, ich mache einen ganz guten Job. Ich bringe Energie ins Spiel, entlaste Tyrese und Nikos im Spielaufbau und versuche, hart zu verteidigen", sagt er und fügt selbstkritisch an: "Meine Pick-and-Roll-Verteidigung muss noch besser werden, und vorne muss ich etwas aggressiver werden. Der Coach sagt mir in jedem Training, dass ich mehr für meinen Schuss schauen soll."

Auch wenn für die Bamberger sportlich noch nicht alles nach Plan läuft, hat Schmidt mit seinem Team in dieser Spielzeit noch Großes vor: "In der Champions League müssen wir die nächste Runde erreichen, in der Bundesliga ist unser Ziel Halbfinale plus X." Doch egal, wie groß das X letztlich ausfällt, für Schmidt wird es ein unvergesslicher Sommer 2019 werden, schließlich wird der 28-Jährige nach den Play-offs den Bund fürs Leben schließen.

Zur Person

Geburtstag 16. August 1990 in Bamberg

Größe/Gewicht 1,88 Meter/87 Kilogramm Vertrag bis 2019

Position Point Guard

Statistiken 5,6 Punkte, 1,5 Assists, 1,9 Rebounds, 45 % Feldwurfquote, 5,1 Effektivität (alles BBL-Werte)

Bisherige Vereine BG Litzendorf, Brose Bamberg/Breitengüßbach/Baunach, Science City Jena, Rockets Erfurt

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