Nürnberg
Fußball-Bundesliga

Clubberer vor dem Derby in München vorsichtig optimistisch

Auch wenn der FC Bayern München auf der Suche nach alter Form ist, trennen ihn vom Aufsteiger 1. FC Nürnberg - finanziell und sportlich - Welten.
Artikel drucken Artikel einbetten
Viel Wasser war im Spiel am Montag beim 1:1 zwischen dem 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen, hier zwischen Tim Leibold vom FCN (links) und Lars Bender. Beim FC Bayern am Samstag will der Club nicht baden gehen. Foto: Nicolas Armer/dpa
Viel Wasser war im Spiel am Montag beim 1:1 zwischen dem 1. FC Nürnberg und Bayer Leverkusen, hier zwischen Tim Leibold vom FCN (links) und Lars Bender. Beim FC Bayern am Samstag will der Club nicht baden gehen. Foto: Nicolas Armer/dpa

Ein Duell zwischen "David und Goliath" - vor allem auch in finanzieller Hinsicht - steht an, wenn der auswärts noch sieglose 1. FC Nürnberg am Samstag (15.30 Uhr) beim Rekordmeister FC Bayern München gastiert. Das Finanz- und Geschäftsportal "Sporting Intelligence" hat kürzlich ermittelt, dass ein Spieler des FC Bayern im Schnitt sieben Millionen Euro pro Saison verdient - und damit die Rangliste in der Fußball-Bundesliga in dieser Kategorie souverän anführt. Am anderen Ende dieses Rankings, auf Platz 18, befindet sich der 1. FC Nürnberg: Ein Club-Akteur erhält im Schnitt 340 000 Euro pro Spielzeit - ungefähr 20 Mal weniger als ein Bayern-Spieler.

Hans-Joachim Watzke, der Vorstandsvorsitzende von Liga-Primus Borussia Dortmund, meint, "dass Geld die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass die Tore auf der richtigen Seite fallen". Aber: Derzeit ist das Team von Bayern-Trainer Niko Kovac sportlich alles andere als spitze: Neun Punkte Rückstand auf Dortmund und noch zwei weitere Teams vor den Münchnern gehen nicht mit dem Selbstverständnis des "Über-Klubs" der vergangenen Jahre einher.

Jobgarantie: ja und nein

Dass sich eine Form der Unzufriedenheit und Unruhe nicht nur beim kickenden Personal, sondern auch in der Führungs-Etage ausgebreitet hat, ist den teilweise uninspirierten Auftritten wie beispielsweise beim 3:3 gegen Aufsteiger Fortuna Düsseldorf geschuldet. Fakt ist: Der FC Bayern ist im Spätherbst dieses Jahres weit entfernt von der Souveränität vergangener Jahre. Daran ändern auch die beiden jüngsten Erfolge gegen Benfica Lissabon in der Champions League (5:1) und bei Werder Bremen in der Liga (2:1) nichts. Kovac, der sich in Bremen auf ein 4-2-3-1-System festgelegt und dadurch der Mannschaft wieder mehr Stabilität verliehen hatte, kann sich seines Arbeitsplatzes nur bedingt sicher sein - wenngleich Klub-Präsident Uli Hoeneß nach dem Bremen-Sieg das Gefühl hatte, "dass Trainer und Mannschaft jetzt schön zusammenwachsen".

Mit Köllner auch in der 2. Liga

Ganz anders stellt sich die Situation in Nürnberg dar: Obwohl der Club nur wegen der besseren Tordifferenz gegenüber dem VfB Stuttgart derzeit nicht auf einem Abstiegsplatz rangiert, hat Sportvorstand Andreas Bornemann seinem Übungsleiter Michael Köllner (47 Jahre) eine Job-Garantie ausgestellt. Gegenüber dem Kicker hatte Bornemann gesagt, dass Köllner "unser Trainer bleibt. Das schließt für mich ein, mit ihm auch in die 2. Liga zu gehen."

Zwei "Kreativ-Staubsauger"

Angesichts dieser Rückendeckung und der Gewissheit, sich nach der "Wasserschlacht" gegen Leverkusen (1:1) mit einem Punkt belohnt zu haben, können sich die Köllner-Schützlinge vergleichsweise entspannt auf den Weg nach München machen. Denn eine Niederlage der Franken hätte keine Konsequenzen für den Nürnberger Übungsleiter.

Sollten die Bayern indes keinen oder nur einen Punkt holen, würde die Trainerdiskussion rund um die Säbener Straße wohl erneut aufflammen - und Arsène Wenger, langjähriger Teammanager beim FC Arsenal London, würde wieder Thema werden. Jedoch scheint Kovac, ebenfalls 47 Jahre alt, mit seiner Systemumstellung und den daraus resultierenden Personalveränderungen seine momentane Erfolgsformel gefunden zu haben: Mit Joshua Kimmich und Leon Goretzka als Doppel-Sechser und "kreative Staubsauger" vor der Abwehr ist der Defensivverbund, in dem Innenverteidiger Niklas Süle längst eine Führungsrolle eingenommen hat, deutlich gefestigter. Und auf den Außenbahnen sorgen die beiden Jung-Spunde Serge Gnabry und Kingsley Coman, der nach seiner schweren Fußverletzung, erlitten am ersten Spieltag gegen die TSG Hoffenheim, in Bremen sein Comeback feierte, mit ihrer Schnelligkeit und Dribbelstärke für Räume, die Robert Lewandowski oder auch Thomas Müller zugutekommen.

Obwohl die Rollen finanziell und tabellarisch klar definiert sind, geben sich die Nürnberger vorsichtig optimistisch. "Wir nehmen durch das 1:1 gegen Leverkusen Selbstvertrauen mit, bei Düsseldorf hat man gesehen, dass man in München auch etwas holen kann", hatte Innenverteidiger Lukas Mühl gegenüber dem Kicker gesagt. Und weiter: Es werde schwer genug, aber man werde keinen Bus vor dem eigenen Tor parken.

Und auch der, so die keineswegs gewagte These, dürfte sich hinsichtlich des Anschaffungs-Werts und der Ausstattung von dem des FC Bayern München erheblich unterscheiden.

Kapitän Behrens fehlt in München

Der 1. FC Nürnberg muss im Auswärtsspiel beim FC Bayern ohne Kapitän Hanno Behrens antreten. Der Mittelfeldakteur fehle dem fränkischen Fußball-Bundesligisten im Freistaat-Derby am Samstag wegen einer Bauchmuskelzerrung. Die Blessur habe sich der Behrens beim 1:1 gegen Bayer Leverkusen zugezogen, berichtete der Club am Mittwoch. Ob der 28-Jährige im Team von Coach Michael Köllner danach länger ausfallen wird, wurde nicht mitgeteilt. Behrens stand bisher in allen 13 Liga-Partien in der FCN-Startelf.



was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren