Nürnberg

Club-Trainer Köllner: Mehr Entschlossenheit wagen

Vor der Heimpremiere gegen Mainz 05: Club-Trainer Michael Köllner sieht sein Team gewappnet für einen gut aufgestellten Gegner und wünscht sich, mit Blick auf den Video-Beweis, weniger Spielunterbrechungen.
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Viel hat nicht gefehlt gegen die Hertha. Für die Heimspiel-Premiere hat Trainer Michael Köllner den Club-Profis noch mehr Durchsetzungskraft verordnet. Foto: Timm Schamberger/dpa
Viel hat nicht gefehlt gegen die Hertha. Für die Heimspiel-Premiere hat Trainer Michael Köllner den Club-Profis noch mehr Durchsetzungskraft verordnet. Foto: Timm Schamberger/dpa

Es war der Aufreger des ersten Bundesliga-Spieltags, und er lieferte ausreichend Gesprächsstoff - wieder einmal - für zahlreiche Debatten und Diskussionen: der Video-Beweis. Strittige Situationen, die keiner Bewertung unterzogen worden waren, und Eingriffe in das Spielgeschehen, die es nicht unbedingt bedurft hätte. Die Haupt-Akteure zum Auftakt in die 56. Bundesliga-Saison waren die Video-Assistenten in ihrer Zentrale in Köln. Fernab des tatsächlichen Spielgeschehens auf dem Rasen, und doch irgendwie stets mittendrin.

Nach einer teils chaotischen und turbulenten Premieren-Saison hatten die Verantwortlichen für dieses Projekt in dieser Spielzeit auf einen "Neustart" gesetzt: Verbesserung der Technik und der Abläufe, mehr Transparenz für die Zuschauer in den Stadien und an den TV-Geräten sowie weitere Schulungen der für den Einsatz vorgesehenen Video-Assistenten sollten die Akzeptanz bei allen Beteiligten erhöhen.

Eingreif-Truppe aus Köln

Doch nach nur einem Spieltag hagelt es erneut Kritik von allen Seiten: Ob der Vorstandsvorsitzende des FC Bayern München, Karl-Heinz Rummenigge, der nach der Partie gegen die TSG Hoffenheim an den DFB appellierte, eine "Taskforce" zu bilden, oder der Manager des FC Schalke 04, Christian Heidel, der sich nach der 1:2-Niederlage gegen den VfL Wolfsburg über Wolfgang Stark beklagt hatte, ("Wir haben einen Schiedsrichter in Köln erlebt, der in einen absoluten Aktionismus verfallen ist") - der Video-Beweis war und ist das zentrale Thema.

Auch der 1. FC Nürnberg hatte die Auswirkungen der "Kölner Eingreif-Truppe" zu spüren bekommen: Vor dem Elfmeter, den Schiedsrichter Tobias Welz dem Club aufgrund eines Handspiels zugesprochen hatte, hatte der Unparteiische die Szene auf Geheiß des Video-Assistenten noch einmal ausführlich überprüft - was zur Folge hatte, dass sich die Ausführung, für die Mikael Ishak verantwortlich zeichnete, erheblich verzögerte. Das Ergebnis ist bekannt: Der Schwede vergab die Chance zum 1:1 und damit auch die Möglichkeit, eventuell einen Punkt aus der Hauptstadt zu entführen.

Viel hat nicht gefehlt

Club-Trainer Michael Köllner hatte auch drei Tage später die Situation noch nicht ganz abgehakt: "Alles, was das Spiel am Fluss hindert - damit tut man sich keinen Gefallen." Köllners Aussage bezog sich auf die "fünfminütige Wartezeit vor dem Elfmeter, obwohl sich der Schiedsrichter in seiner Entscheidung eigentlich klar war".

Gegen den FSV Mainz 05, den ersten Heimspiel-Gegner der Nürnberger am Samstag (15.30 Uhr, Max-Morlock-Stadion), soll nach Möglichkeit der erste "Dreier" her. Gegen die Hertha, so der 48-jährige Übungsleiter, habe "so viel gar nicht gefehlt", um bestehen zu können. Deswegen ist Köllner davon überzeugt, dass "wir zu Hause gegen Mainz noch mehr Entschlossenheit und Durchsetzungskraft haben werden".

Dass die Rheinhessen, die ihr Auftaktspiel gegen den VfB Stuttgart dank eines Treffers ihres Torjägers Anthony Ujah mit 1:0 gewonnen haben, ein direkter Konkurrent im Kampf um den Klassenerhalt sein könnten, ist für Köllner aktuell kein Thema. Die vergangene Saison, in der Mainz mitunter tief in den unteren Tabellenregionen zu finden war, lasse keine Rückschlüsse auf die neue Spielzeit zu - und für eine Bewertung sei es noch viel zu früh.

Gleichwohl hat Köllner ausgemacht, dass Mainz über eine "gute Mannschaft" verfügt - in der Gesamtheit und im taktischen Bereich. Dass Stürmer Ujah ein Schlüsselspieler ist, mag der Club-Trainer gar nicht verhehlen. "Aber wir wären falsch beraten, wenn wir uns nur auf ihn konzentrieren würden." Summen sind mittlerweile fast inflationär aufgebläht" Sandro Schwarz, in Mainz geboren und aufgewachsen, hat seit Juli 2017 die sport-fachliche Leitung über den Profi-Kader des FSV Mainz 05. Nach einer Spielzeit, in der "wir alles getan hatten, um abzusteigen", wie es Sportvorstand Rouven Schröder im "Kicker" konstatiert hatte, möchte der Klub wieder ruhigere Gefilde erreichen. Im folgenden Interview spricht der 39-jährige Chef-Trainer über den Transfermarkt, die Mainzer DNA, die Kunst der Kommunikation und den kommenden Gegner.

Herr Schwarz, Ihr Bundesliga-Auftakt ist geglückt; der Club hingegen ist mit leeren Händen aus Berlin zurückgekommen. Machen diese Resultate Mainz in Nürnberg zum Favoriten?

Sandro Schwarz: Keineswegs. Jedes Spiel ist immer nur eine Momentaufnahme, auch wenn wir mit den Siegen gegen Erzgebirge Aue im DFB-Pokal und gegen den VfB Stuttgart beim Ligaauftakt zufrieden sind. Sie haben vor der Saison für Mainzer Verhältnisse teure Transfers getätigt (Kunde Malong, Jean-Philippe Mateta und Moussa Niakhaté kosteten zusammen 23,5 Millionen Euro): Was waren die Gründe dafür?

Die Hauptgründe liegen im Markt an sich. Die Summen sind mittlerweile fast inflationär aufgebläht. Die Spieler, die in diesem Jahr um die acht Millionen Euro kosten, hätten vor ein paar Jahren bei vergleichbarer sportlicher Situation sicher ein paar Millionen weniger gekostet. Durch die Masse an Geld, die im Markt ist, wird alles teurer.

Sie trainieren einen Kader mit Spielern aus elf Nationen. Wie gelingt es Ihnen, diesen die Mainzer DNA "einzupflanzen"?

Oft braucht es keine Worte, um die Mainzer DNA zu vermitteln. Leidenschaftlich kämpfen, sich füreinander einzusetzen auf und abseits des Platzes, eine hohe Laufbereitschaft und die Bereitschaft an den Tag zu legen, die eigenen Grenzen immer wieder zu überschreiten und sich kreativ durchzusetzen leben wir jeden Tag auf dem Trainingsplatz und in der Kabine vor. Spieler, die schon länger dabei sind, geben dies an die neuen weiter. Dazu gehört auch Jean-Philippe Gbamin, der in dieser Saison eine neue Führungsrolle einnehmen wird. Er hat sich den neuen französischsprachigen Spielern direkt angenommen. Darüber hinaus sprechen fast alle Englisch, nur sechs kein Deutsch. Wir müssen uns also nicht ausschließlich auf die Kommunikation mit Händen und Füßen verlassen.

Wie schätzen Sie den aktuellen Leistungsstand der Mannschaft von Trainer Michael Köllner ein?

Zunächst einmal freue ich mich sehr, dass der Club wieder in der Bundesliga spielt! Und wir stellen uns auf ein intensives Duell ein - die Fans sind euphorisiert. Und was das Team von Michael Köllner in Berlin gezeigt hat, sah stark aus. Auch wenn die Mühen am Ende nicht belohnt wurden. Das Gespräch führte Dirk Kaiser



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