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Basketball

Bryce Taylor: Ich habe das Spiel vermisst

Nach fast einjähriger Leidenszeit ist Bryce Taylor zurück. Im Interview spricht der 32-Jährige über seine neue Rolle im Team von Brose Bamberg.
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Bryce Taylor. Foto: Daniel Löb
Bryce Taylor. Foto: Daniel Löb
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Fast ein Jahr war Bryce Taylor außer Gefecht. Ein Achillessehnenriss und Rückschläge in der Reha zwangen den Basketballprofi von Brose Bamberg zu dieser langen Zwangspause. Vor einer Woche feierte der US-Amerikaner mit deutschem Pass sein Comeback. Am Sonntag im Heimspiel gegen Jena läuft er erstmals wieder vor den eigenen Fans auf. Im Interview spricht der 32-Jährige über seine Leidenszeit und seine Ziele für diese Saison. Am vergangenen Sonntag standen Sie in Berlin zum ersten Mal seit fast einem Jahr wieder auf dem Basketballfeld. Wie hat sich das angefühlt?Bryce Taylor: Es waren gemischte Gefühle. Es war Erleichterung, aber die Freude überwog. Dass mein Comeback in Berlin war, wo ich zwei Jahre unter Vertrag stand, war nichts Besonderes für mich. Vielmehr, endlich wieder auf dem Feld zu stehen.

Was können Sie dem Team geben?Ich erwarte nicht mehr 25 bis 30 Minuten zu spielen. Aber ich kann 15 bis 20 Minuten mit hoher Energie für das Team da sein, den Ball werfen, gut verteidigen und Erfahrung aufs Feld bringen. Ich habe jetzt eine andere Rolle. Von der Bank zu kommen, finde ich gut. Ich freue mich auf das neue Kapitel in meiner Karriere, werde aber immer Bryce Taylor bleiben. Ich bin ein harter Arbeiter und denke immer positiv. Mental bin ich stärker als vor meiner Verletzung.

In den letzten Monaten waren Sie zum Zuschauen verdammt. Was hat Ihnen am Spiel ihrer Teamkollegen gefallen, was nicht? Wir hatten in dieser Saison schon einige gute Momente, aber wir haben auch noch Luft nach oben. Es gibt Dinge, die wir verbessern können. Defensiv muss jeder mehr Verantwortung für seinen direkten Gegenspieler übernehmen und dem anderen besser helfen. Offensiv müssen wir den Ball dorthin bringen, wo wir wissen, dass wir dort einen Vorteil haben. Es sind keine fundamentalen Dinge, die wir ändern müssen, nur Kleinigkeiten. Alle sind wieder gesund, jetzt können wir den nächsten Schritt machen.

Sie waren fast ein Jahr lang aus dem Geschäft. Wie ist das Leben ohne Basketball?Ich hatte viel mehr Freizeit. Das hat mir die Möglichkeit gegeben, zu erleben, wie es sein wird, wenn ich einmal kein Basketballprofi mehr sein werde. Hoffentlich dauert das noch ein paar Jahre. Ich habe das Spiel vermisst, es hat mir gefehlt, mich mit anderen zu messen. Das hat mir gezeigt, dass ich als Profi so lange spielen möchte wie irgendmöglich. Außerdem hatte ich Zeit, deutsch zu lernen. Es ist schon ganz gut geworden. Hatten Sie Angst, Ihre Karriere beenden zu müssen?Nein, doch es war hart, die mentalen Hürden zu nehmen. Ich hatte aber ständig Unterstützung von meiner Familie und meiner Freundin. Und jeder aus dem Team, die Trainer und Physios haben zu mir gehalten und mir geholfen, positiv zu bleiben.

Es war geplant, dass Sie zur Vorbereitung auf diese Saison zurück zum Team stoßen. Dann haben Sie aber Probleme mit der anderen Wade bekommen. Das muss sehr frustrierend für Sie gewesen sein.Das war es. Als ich mit der Reha begann, sagte man mir, es wird sechs bis neun Monate dauern. Natürlich wollte ich schneller damit fertig werden. Doch ich habe es etwas übertrieben. Das Bein, an dem ich operiert worden bin, war schwächer. Daher habe ich das andere Bein stärker belastet, damit haben dann die Probleme mit der anderen Achillessehne begonnen. Natürlich war das frustrierend. Aber ich habe schwere Verletzungen von anderen Profis recherchiert und herausgefunden, dass es gar nicht so selten ist, dass der Rehaprozess länger dauert als vorgesehen. Daher was es für mich letztlich am wichtigsten, erst dann zurückzukommen, wenn ich zu hundert Prozent gesund bin.

Sie sprachen von mentalen Hürden, die Sie nehmen mussten. Wie würden sie diese beschreiben?Als Athlet hast du das Gefühl unbesiegbar zu sein. Du rennst, springst, wirfst. Man denkt, das kann dir keiner nehmen. Wenn du plötzlich gar nicht mehr laufen kannst oder nur noch an Krücken, dann zweifelst du, ob du jemals wieder der Alte sein wirst und weißt, dass du einen langen Weg vor dir hast. Das macht dich erst einmal fertig. Aber dann merkst du die kleinen Fortschritte, Monat für Monat wird es besser. Plötzlich kannst du wieder rennen. Ich habe viele Meilen auf dem Ergometer runtergestrampelt. Aber viel wichtiger waren die kleineren Übungen, um die Muskulatur und die Wade wieder zu stärken. Ich bin stolz, dass ich das alles geschafft habe. Bei einer so schweren Verletzung, wie ich sie erlitten habe, wäre es leichter gewesen zu sagen: Das war's. Welche persönlichen Ziele haben Sie sich für diese Saison gesetzt?Zum ersten mal in meiner Karriere eigentlich keine. Jeder Spieler wird sagen, er will in erster Linie gewinnen. Aber das ist nicht immer wahr. Einige denken zuerst an ihre eigenen statistischen Werte oder das Gehalt oder den nächsten Vertrag. Aber ich kann ehrlich sagen, dass es mein Ziel ist, dem Team zu helfen. Auch wenn das nur zehn Minuten pro Spiel sein sollten. Meine statistischen Zahlen sind mir egal. Ich werde hart arbeiten und versuchen, einen positiven Einfluss auf das Team zu nehmen.



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