Bamberg

Brose-Talent Mateo Seric: Auf der Überholspur

Im Turbo-Modus hat Mateo Seric, der erst mit 14 Jahren zum Basketball kam, seine Karriere vorangetrieben. Aus dem Baunacher Windschatten trat der Autofreund zuletzt auf die große Bühne und hat Geschmack daran gefunden.
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Mateo Seric, der im Sommer 2018 von den MHP Riesen Ludwigsburg nach Bamberg wechselte, schreit seine Freude nach seinem zweiten erfolgreichen Dreier im Heimspiel gegen ERA Nymburk heraus.  Foto: Daniel Löb
Mateo Seric, der im Sommer 2018 von den MHP Riesen Ludwigsburg nach Bamberg wechselte, schreit seine Freude nach seinem zweiten erfolgreichen Dreier im Heimspiel gegen ERA Nymburk heraus. Foto: Daniel Löb

Beide Fäuste geballt und ein Jubelschrei auf den Lippen: Mateo Seric lässt seinen Emotionen nach seinem zweiten Dreier innerhalb von nur 50 Sekunden im Heimspiel von Brose Bamberg gegen ERA Nymburk freien Lauf.

Zuerst traf der 2,04 Meter große Power Forward Anfang des zweiten Viertels aus der linken Ecke, dann drückte er selbstbewusst nach Pass von Bryce Taylor in einer Fastbreak-Situation von der 6,75-Meter-Linie ab - erstmalige zweistellige Führung für Bamberg und Auszeit der Tschechen. "Das war ein Gänsehaut-Moment für mich. Für solche Momente, wenn die ganze Halle ausrastet, und dann noch wegen dir, dafür steht man auf dem Feld", erzählt Seric. Trotz der unbekümmerten Vorstellung des 20-Jährigen reichte es für das Brose-Team letztlich nicht für den Heimsieg.

Für Seric war der Arbeitstag mit der Schlusssirene seines zweiten Champions-League-Spiels im Bamberger Trikot noch nicht beendet, denn anschließend ging es für den gebürtigen Schwaben noch zur internationalen Pressekonferenz. Noch etwas schüchtern wirkend, aber treffend brachte Seric die Gründe für die Niederlage auf den Punkt und erhielt für seine Analyse prompt Zustimmung von Trainer Roel Moors.

Seric bleibt im Bundesliga-Kader

Der Belgier hält große Stücke auf den 20-Jährigen: "Seine größte Qualität ist aktuell, dass er furchtlos ist und befreit aufspielt, wenn er das Feld betritt. Er hat nicht den Druck, Verantwortung übernehmen zu müssen, tut dies aber natürlich, indem er die freien Würfe nimmt und trifft."

Nachdem Seric die vergangene Spielzeit ausschließlich für den Kooperationspartner Baunach aufgelaufen war, empfahl sich der Power Forward bereits in der Vorbereitung auf die aktuelle Saison mit ansprechenden Leistungen in Testspielen für höhere Aufgaben.

Die Beförderung in das Bundesliga-Team erfolgte schließlich vor fünf Wochen nach der Auflösung des Vertrags mit Michael Carrera. "Natürlich können wir uns nicht allein auf einen 20-Jährigen verlassen, der unsere Probleme löst. Das wäre auch zu viel Druck für ihn", erklärt Moors, der nach längerer Suche mit Darion Atkins mittlerweile einen Ersatz für den Venezolaner gefunden hat. "Mateo wird aber weiter im Kader bleiben, das hat er sich einfach verdient."

Vom Tennis zum Basketball

Auch wenn das Brose-Team aktuell Priorität genießt, soll Seric weiter für die Young Pikes in der ProB zum Einsatz kommen und je nach Möglichkeit mittrainieren. "Die Trainer koordinieren meine Belastung sehr gut", sagt Seric. Mit 14,0 Punkten und 4,7 Rebounds in durchschnittlich 27 Minuten Einsatzzeit hat er sich in dieser Saison in der ProB zu einem Führungsspieler gemausert. Diese Entwicklung ist insofern bemerkenswert, dass Seric vor gerade einmal sechs Jahren mit dem Basketballspielen in Ludwigsburg begonnen hat.

Serics Eltern stammen aus Kroatien, sind vor mehr als 40 Jahren als Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Mateo und seine drei älteren Brüder (40, 39 und 25 Jahre) sind allesamt in der Kleinstadt Backnang, 30 Kilometer nordöstlich von Stuttgart gelegen, geboren.

Sportlich eiferte Seric zunächst seinem heute 25-jährigen Bruder Blaz nach, der von Kindesbeinen an Tennis spielte und auch heute noch erfolgreich am College auf Hawaii aktiv ist. "Ich habe mit sechs Jahren mit dem Tennisspielen begonnen und war auch relativ erfolgreich. Irgendwann wurde ich aber immer größer, und der Einzelsport hat mir nicht mehr so gut gefallen", erinnert sich Seric, der mit 14 Jahren bereits 2,02 Meter groß war.

Basketballerfahrung sammelte er bis zu diesem Zeitpunkt nur auf dem Freiplatz mit seinen Brüdern und Freunden. Der Sport interessierte ihn, aber Seric zweifelte, ob es nicht zu spät sei, mit Basketball anzufangen. Er ging spontan zum Training des Ludwigsburger JBBL-Teams und ließ sich bewerten. "Nach zwei Einheiten meinte der Trainer zu mir, dass sie es schaffen werden, mich nach oben zu bringen, wenn ich jetzt voll einsteige", erzählt Seric.

Die Erfolge ließen nicht lange auf sich warten. Bereits knapp zwei Jahre später wurde der Schwabe in die deutsche U16-Nationalmannschaft berufen und nahm gemeinsam mit seinen jetzigen Teamkollegen Nelson Weidemann (Bamberg) und Nico Wolf (Baunach) 2015 an der Europameisterschaft in Litauen teil. Im April 2017 feierte er kurz nach seinem 18. Geburtstag seine Bundesliga-Premiere für Ludwigsburg unter Trainer John Patrick. "Die MHP Riesen hatten zu der Zeit großes Verletzungspech und ich war mitten im Abistress", erzählt Seric. "Ich wollte eigentlich zwei Wochen gar nicht trainieren, aber daraus wurde nichts. Ich musste viel auf Auswärtsfahrten im Hotel lernen, aber am Ende ist ja alles gut gegangen."

Im letzten Hauptrundenspiel 2016/17 machte Seric mit zwölf Punkten und vier Rebounds beim Gastspiel in Berlin sein bestes Spiel unter Coach Patrick. "Ich habe unter ihm gelernt, was Professionalität bedeutet. Seine Philosophie ist, dass der Erfolg nur kommt, wenn man sich zu 100 Prozent professionell verhält. Dazu hatte er viele mentale Aspekte in seinem Coaching, die einen als Spieler im Kopf stärker machen", so Seric.

Stärke ist ein gutes Stichwort für den 20-Jährigen. "Aktuell sehe ich mich als ,Stretch Four'. Um auch einmal als Center zu spielen, fehlen mir noch ein bisschen die physischen Voraussetzungen", sagt der 94 Kilogramm leichte Seric. Technisch gilt sein Augenmerk vor allem seiner linken Hand. "Momentan bin ich noch sehr rechtslastig, sowohl, wenn ich den Ball auf den Boden setzte, als auch beim Abschluss."

Auf seinem weiteren Karriereweg will sich Seric nicht unter Druck setzen. "Ich versuche momentan, jede Minute, die ich auf dem Feld stehe, zu genießen. Der nächste Schritt ist, konstant Minuten auf diesem Niveau zu bekommen. Alles andere wird automatisch kommen, wenn ich weiter hart an mir arbeite und nicht zu viel nachdenke."

Autobegeisterter Schwabe

Hätte der Schwabe nicht den Weg des Profibasketballers eingeschlagen, hätte er sich einen Beruf in der Automobilbranche vorstellen können. "Ich bin in der Nähe von Stuttgart aufgewachsen, und dort dreht sich ja alles um Daimler und Porsche", erklärt Seric sein Interesse. "Ich mag schnelle und schöne Autos. Mich interessiert aber vor allem, wie man Fahrzeuge baut und wie man auf die Idee kommt, die Techniken zu entwickeln."

Da scheint ein Praktikum in der Sommerpause beim Hauptsponsor nur naheliegend. Seric grinst: "Das stimmt. Aber nein, Kontakt zu Michael Stoschek habe ich bisher noch nicht aufgenommen."

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