Bamberg

Brose Bamberg von der Rolle: Schlimmer geht immer

Nach der ersten Pleite in München kommt das Brose-Team bei den Bayern erneut unter die Räder und verliert 67:99.
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Hart gelandet: Augustine Rubit, mit 15 Punkten Bambergs bester Werfer, gerät beim Abwehrversuch gegen Maik Zirbes aus der Balance. Fotos: Daniel Löb
Hart gelandet: Augustine Rubit, mit 15 Punkten Bambergs bester Werfer, gerät beim Abwehrversuch gegen Maik Zirbes aus der Balance. Fotos: Daniel Löb
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Debakel, Desaster, Demütigung - all diese Umschreibungen einer katastrophalen Vorstellung sind schon in der Vorwoche bei der 72:95-Pleite des Bamberger Brose-Teams in München gefallen. Viele Fans teilten die Ansicht: Schlimmer geht's nimmer - doch sie wurden eines Besseren belehrt. Am Samstagabend nahmen die Bayern den hilflosen deutschen Meister ein zweites Mal nach allen Regeln der Kunst auseinander. Und was das Schlimmste daran ist: Das langjährige Aushängeschild des deutschen Vereins-Basketballs zeigte keinerlei Gegenwehr und fügte sich bereits nach acht Minuten bei einem Elf-Punkte-Rückstand in sein Schicksal. Am Ende war das Brose-Team mit der 67:99 (28:48)-Packung - die höchste in der Bamberger Play-off-Geschichte - noch gut bedient, denn Mitte des Schlussviertels führten die "Super-Bayern", wie sie von ihrem Anhang gefeiert wurden, schon mit 42 Punkten Differenz.
300 Fans aus Freak City waren nach der starken Leistung beim 78:65-Erfolg am Mittwoch gegen den Hauptrunden-Primus durchaus optimistisch gen Süden gefahren und glaubten trotz der bekannten Auswärtsschwäche in dieser Saison an den Sieg - doch sie wurden schnell auf den harten Boden der Tatsachen zurückgeholt.
Jetzt führen die Münchner in der Halbfinalserie im "best-of-five"-Modus mit 2:1, können am Dienstag (19 Uhr) in der Frankenhölle den Einzug in die Endspielserie perfekt machen und den Erzrivalen vorzeitig in den Urlaub schicken. Beinahe möchte man sagen: hoffentlich. Denn dann bliebe der bedauernswerten Truppe von Trainer Luca Banchi am nächsten Donnerstag in München in Spiel 5 eine weitere Demütigung erspart - denn seit Samstagabend ist klar: Schlimmer geht's immer.
Den Sprungball gab Devin Booker gegen Leon Radosevic kampflos ab, doch das war gefühlt schon die einzige Aktion, in der die Bayern schlecht aussahen. Vor allem Jared Cunningham legte los wie die Feuerwehr und erzielte die ersten sieben Punkte der Hausherren (7:4). Während die Münchner traumwandlerisch sicher trafen, fanden die Bamberger keinerlei Rhythmus in der Offensive und kamen auch in der Abwehr nicht einen, sondern gleich zwei oder drei Schritte zu spät: Immer wieder nutzten die Bayern die Hilflosigkeit der Gäste zu einfachen Punkten. Es fehlte jegliches Aufbäumen, nicht einmal ein Frustfoul oder ein Wutausbruch war zu erkennen.


Viertel 3 ein Offenbarungseid

Nach acht Minuten lag der Hauptrunden-Primus zweistellig in Front (19:8) und baute den Vorsprung zu Beginn des zweiten Viertels bis auf 33:13 aus. Im dritten Abschnitt (28:10) machte der Pokalsieger noch einmal richtig ernst. Das Brose-Team war am Boden, ließ die Köpfe hängen. Vor dem Schlussviertel hatte der Gastgeber genau doppelt so viele Punkte auf seinem Konto wie der Meister (76:38). Reggie Redding sorgte schließlich mit einem weiteren Dreier sogar noch für eine 42-Punkte-Führung (87:45). Die ersten Münchner Fans machten sich früh auf den Weg in den Biergarten - und hätten fast den Hunderter verpasst.

"Uns muss klar werden, was es heißt, in einem Play-off-Halbfinale zu spielen"
Dejan Radonjic (Trainer FC Bayern München): "Das war ein gutes Spiel. Wir waren über 40 Minuten offensiv wie defensiv voll konzentriert. Wir müssen jedoch erneut darauf vorbereitet sein, dass die nächste Partie wieder völlig anders verlaufen kann. Ich zumindest erwarte ein anderes Auftreten der Bamberger."

Luca Banchi (Bamberger Trainer): "Wir waren heute erneut nicht in der Lage, der Intensität des Gegners etwas entgegenzusetzen. Bayern hat sich als ein gefestigtes Team bewiesen. Wir hingegen hatten nicht die richtige Einstellung, um da mitzuhalten. Wir haben nur ein paar Stunden zum Regenerieren und um uns einmal mehr klar zu machen, was es heißt, in einem Play-off-Halbfinale zu spielen."

Daniel Hackett (Broses Energiebündel): "Bayern hat heute viel mehr Qualität aufs Feld gebracht als wir. Wir konnten sie nie stoppen, sie haben 100 Punkte erzielt. Wenn wir im Audi Dome gewinnen wollen, müssen wir ganz anders auftreten. Das ist eine weitere bittere Niederlage. Persönlich fühle ich mich miserabel, weil wir uns, unsere Fans und die ganze Organisation schlecht präsentiert haben. Aber die Serie ist noch nicht vorbei. Wir fahren nach Hause und versuchen, einen Weg zu finden, Spiel 4 zu gewinnen."

Nikos Zisis (Brose-Kapitän): "Bayern hat diesen Sieg zu 100 Prozent verdient. Sie haben in der Offensive und in der Abwehr mit ihrer Aggressivität den Ton angegeben. Sie haben ihr Spiel von Anfang bis zum Ende durchgezogen. Wir können jetzt nichts mehr an dieser Niederlage ändern, müssen aus den Fehlern lernen. Es steht 2:1. Das Gute an den Play-offs ist, dass es egal ist, mit wie vielen Punkten du gewinnst oder verlierst. Wir werden uns jetzt zusammenraufen und versuchen, uns eine weitere Chance nächsten Donnerstag hier zu erkämpfen. Bayern ist zu Hause einfach sehr stark, ist ein sehr athletisches Team, das Kapital aus unseren Fehler geschlagen hat. Uns hat das Gift gefehlt. Unsere schlechte Verteidigung hat sich auf unsere Offensive ausgewirkt."

Jared Cunningham (Bayerns-Topwerfer): "Die Jungs sind heute mit unfassbarer Energie rausgekommen und wollten hier vor unserem Publikum die Niederlage in Spiel 2 wettmachen. Jeder hat seinen Teil zu diesem Sieg beigetragen, hat sich dem System untergeordnet und seine Würfe getroffen. Wir gingen schnell in Führung und haben sie nie abgegeben."

Die Statistik
Bayern München - Brose Bamberg 99:67
(26:13, 22:15, 28:10, 23:29)
München Cunningham (15 Punkte/2 Dreier), Booker (15), Hobbs (13/3), Redding (12/2), Djedovic (11/2), Jovic (9/1), Zirbes (9), King (6/2), Ogunsipe (5/1), Barthel (2), Gavel (2)
Bamberg Rubit (15/1), Radosevic (12), Wright (11/3), Hackett (8), Staiger (7), Olinde (6), Lo (3/1), Musli (3), Zisis (2), Nikolic
SR Fritz, M. Reiter, Madinger
Zuschauer 6271
Gesamtwurfquote München 61 Prozent (36 Treffer/59 Versuche), Bamberg 42 (23/55)
Dreier München 54 Prozent (13/24), Bamberg 22 (5/23)
Freiwurfquote München 88 Prozent (14/16), Bamberg 89 (16/18)
Rebounds München 29 (24 defensiv/5 offensiv), Bamberg 24 (17/7)
Ballgewinne/-verluste München 6/11, Bamberg 7/14
Assists München 21 / Bamberg 12
Fouls München 24 / Bamberg 21
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