Bamberg

Brose Bamberg: Trauer nach dem Halbfinal-Aus

Luca Banchi bleibt wohl als Trainer im Amt
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Mit allen Mitteln zerstörten die Bayern in einem sehr intensiven Spiel die letzten Hoffnungen des Brose-Teams. Hier geht Maik Zirbes (l.) sehr rustikal gegen Augustine Rubit zu Werke. Fotos: Daniel Löb
Mit allen Mitteln zerstörten die Bayern in einem sehr intensiven Spiel die letzten Hoffnungen des Brose-Teams. Hier geht Maik Zirbes (l.) sehr rustikal gegen Augustine Rubit zu Werke. Fotos: Daniel Löb
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Enttäuschung machte sich am Dienstag ab 20.58 Uhr in der Frankenhölle breit, wo die Bamberger Brose-Basketballer seit 2005 neun Meisterschaften gefeiert hatten. Die knappe 79:83-Niederlage in Spiel 4 der Halbfinalserie gegen die Bayern stand sinnbildlich für die ganze Saison - das langjährige Aushängeschild des deutschen Basketballs hat den Status der Unbesiegbarkeit verloren und muss tatenlos zusehen, wie der FC Bayern München und Alba Berlin ab Sonntag um den Titel kämpfen.


"Team hat sich nicht belohnt"

"Mein Fazit fällt sehr gemischt aus. Zum einen bin ich wirklich dankbar, dass die Mannschaft noch einmal den Kampf aufgenommen, sich wirklich in das Spiel reingehauen hat - so, wie sie das versprochen hatte. Zum anderen hat sie sich aber nicht belohnt für den Kampf. Sie hätte es über weite Strecken des Spiels verdient gehabt. Allerdings ist uns am Schluss ein bisschen der Sprit ausgegangen", kommentierte Geschäftsführer Rolf Beyer das letzte Saisonspiel.
Für die Fans war dieser Auftritt ein klein bisschen versöhnlich nach den zwei blamablen Vorstellungen in München. "Wir haben auch keinen Bock mehr" war auf einem Plakat zu lesen, Freak City sehnte das Ende dieser enttäuschenden Saison herbei. Doch als Dorell Wright, Maodo Lo und Co. dann so loslegten, wie man es eigentlich von den Bayern gewohnt war, sprang der Funke schnell vom Spielfeld auf die Tribünen über. Beim 33:13 nach achteinhalb Minuten tobten die Freaks, trauten ihren Jungs plötzlich doch die Auferstehung zu.
Auch zur Pause (52:38) war die Stimmung noch bestens, doch schon zu Beginn der zweiten Halbzeit machten die Münchner in Person von Danilo Barthel (19 Punkte) klar, dass sie unbedingt ein fünftes Spiel am Donnerstag vermeiden wollten. Und nach dem 14:0-Lauf zum 69:77 zu Beginn des Schlussabschnitts schien der Widerstand der müden Brose-Truppe - Trainer Luca Banchi setzte auf eine kurze Rotation - erloschen. Doch vor allem Augustine Rubit wollte sich nicht mit der Niederlage abfinden, und als Nikos Zisis einen Dreier zum 79:80 versenkt hatte, loderte das Feuer in der Brose Arena plötzlich wieder. Die Bayern schwächelten an der Freiwurflinie, aber die Gastgeber wussten ihre freien Distanzwürfe nicht zu nutzen. 14,3 Sekunden hatten die Bamberger beim 79:81 Zeit für den letzten Angriff. Doch ausgerechnet Mr. Zuverlässig, Daniel Hackett, leistete sich einen Ballverlust, so dass die Chance auf den Sieg oder zumindest die Verlängerung dahin war.
"Dass wir mit erhobenem Kopf aus dem Spiel gehen, davon kann man nicht reden. Wir haben zwar gekämpft, aber den Sieg nicht geschafft. Wir hatten einen guten Vorsprung, dass wir ihn noch abgegeben haben, ist extrem bitter. Am Ende bekamen wir freie Dreier, hätten wieder in Führung gehen können. Ich hatte einen freien Dreier in der Ecke, war zu 100 Prozent sicher, dass er reingeht, aber er ist nicht reingegangen. Wir besaßen genug Chancen, das Spiel zu gewinnen", trauerte Maodo Lo den vergebenen Chancen nach.
Und der 25-jährige, dem trotz laufenden Vertrags Abwanderungsgedanken nachgesagt werden, blickte auch zurück auf eine Serie mit vielen Höhen und Tiefen: "Das war eine schwierige Saison, sehr hart, lang, schmerzhaft, ab und zu auch mit einigen Höhen, aber sehr, sehr schwierig."
Die beiden Auswärtspleiten in München hatten auch beim Nationalspieler Spuren hinterlassen: "Wir haben jetzt im vierten Spiel noch einmal gekämpft. Das zeigt, dass wir schon etwas Charakter in der Mannschaft haben. Das hat auch Nikos Zisis gerade in der Kabine gesagt, und seine Worte werden in meiner Erinnerung bleiben. Er betonte auch, dass er es schon erlebt hat, dass Teams, die sich in so eine Situation gebracht haben, aufgeben. Das war bei uns nicht der Fall. Wir haben gekämpft."


Fans wünschen Alba den Titel

Und das honorierten auch die Fans, die mit trotzigen "Alba, Alba"-Rufen nach der Schlusssirene deutlich machten, für wen ihr Herz in der Finalserie schlägt. Wenn schon kein Titel für Brose Bamberg, dann auf keinen Fall einer für Bayern München.
Am Freitag (Essensausgabe ab 15 Uhr, Bühnenprogramm ab 17 Uhr) bei der großen Abschlussfeier in der Brose Arena besteht für die Fans bei Freigetränken und Bratwürsten ein letztes Mal die Möglichkeit, sich mit Dorell Wright & Co. zu treffen. Das Ziel des begnadeten Schützen für die neue Saison ist die Rückkehr in die NBA.

Luca Banchi dirigiert wohl auch in der nächsten Saison das Brose-Spiel
Auch Trainer Luca Banchi, der als Feuerwehrmann den Bambergern die Saison noch gerettet hat, war niedergeschlagen nach dem Aus, suchte nach den passenden Worten: "Die Enttäuschung ist riesig, vor allem auf Grund der Art und Weise, wie wir das Spiel verloren haben. Wir wissen, dass die Bayern ein starkes Team sind, das seine Klasse schon unter Beweis gestellt hat."
Der Italiener, der allem Anschein nach auch in der nächsten Saison an der Seitenlinie stehen wird, bescheinigte seinen Jungs: "Mit welchem Ansatz sie ins Spiel gegangen sind, war stark. Die ersten zehn Minuten waren perfekt, die zweiten exzellent. Aber die Münchner sind mit einer ganz anderen Energie und Physis aus der Kabine gekommen. Wir hatten erwartet, dass wir ihrem Comeback mit mehr Disziplin begegnen können. Wir haben Fehler in den Details gemacht, das hat uns den Sieg und die verdiente Chance, ein fünftes Spiel zu sichern, gekostet. Wir sind enttäuscht, traurig nach diesem verrückten Ende einer langen, stressigen Saison."


Banchi dankt seinen Mitstreitern

Und Banchi, der erst im letzten Drittel der Spielzeit den entlassenen Andrea Trinchieri ersetzte, - er erreichte nach drei Meisterschaften in Folge die Mannschaft nicht mehr - betonte: "Für mich war es eine Ehre, ein Teil dieser Saison zu sein - unabhängig vom Ende. Ich bin glücklich und stolz auf jeden, der versucht hat, noch etwas zum Guten zu wenden. Zuerst möchte ich mich für die Chance bedanken, hier arbeiten zu dürfen. Aber vor allem bei denen, die mir jeden Tag geholfen haben, mir die Arbeit zu erleichtern und mich in eine bessere Ausgangslage zu bringen. Zwischenzeitlich sah es unmöglich aus, unsere Ziele zu verwirklichen. Aber alle zogen mit und versuchten bis zum Ende alles. Das war jeden Tag aus ihren Aussagen und aus ihren Gesichtern herauszulesen."
Für Geschäftsführer Rolf Beyer und Sportdirektor Ginas Rutkauskas beginnt jetzt die explizite Planung der neuen Saison: "Die Spieler können, wenn sie verabschiedet sind, in den Urlaub gehen. Und für uns beginnt wirklich die harte Arbeit. Wir müssen sicher das eine oder andere aus der vergangenen Saison erst einmal aufarbeiten, auf der Personalseite ein paar grundlegende Entscheidungen treffen. Und dann werden wir in die Planung der Zukunft einsteigen", betont Beyer und ergänzt: "Wir haben Ideen, aber jetzt beginnt die Maßnahmenarbeit. Wir müssen sicher in der Struktur des bestehenden Kaders das eine oder andere bearbeiten. Das ist jetzt die Hausaufgabe, die wir haben." kg
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