Bamberg
Basketball-Bundesliga

Brose Bamberg rutscht in die Krise

Bei der historischen Derbyniederlage gegen Medi Bayreuth offenbaren sich abermals Defizite in der Abwehrarbeit. Am Sonntag geht es nach Ulm.
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Brose-Coach Ainars Bagatskis bemängelte abermals die fehlende Aggressivität seines Teams. Fotos: Daniel Löb
Brose-Coach Ainars Bagatskis bemängelte abermals die fehlende Aggressivität seines Teams. Fotos: Daniel Löb
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Ein solches Bild hat es in der Brose-Arena noch nie zuvor gegeben: Bayreuther Basketballer zelebrieren auf dem Parkett mit ihren Fans vor der Nordtribüne die "Humba", während auf der anderen Seite der Halle Totenstille herrscht. Der historische Derbysieg des Medi-Teams - der erste in Bamberg seit immerhin fast 21 Jahren - schockte den Gegner und dessen Anhang. Unmittelbar nach der Schlusssirene, als die 84:94-Niederlage besiegelt war, hatten etliche Brose-Fans ihrem Unmut mit Pfiffen Luft verschafft, einige zudem den Spielern beim Gang am Fanblock vorbei das obligatorische Abklatschen verweigert.

51 Punkte in Halbzeit 2 kassiert

"Es kann nicht sein, dass wir so spielen. Das war frech dem Verein und den Fans gegenüber", redete Flügelspieler Patrick Heckmann Klartext. Eine bessere Einstellung von Beginn an hatten die Bamberger nach der 75:80-Heimniederlage gegen die Münchner Bayern, als sie vom Tabellenführer im ersten Viertel überrannt worden waren, versprochen. Doch den Worten ließen sie keine Taten folgen. 94 Punkte kassierten sie gegen den Nachbarrivalen in eigener Halle, 51 davon nach der Pause. Völlig von der Rolle waren sie diesmal im dritten Viertel, das sie mit 17:27 verloren und in dem die Bayreuther nach ausgeglichener erster Hälfte (43:43) den Grundstein zum Sieg legten.

"Im Basketball sind Einsatz und Aggressivität wichtig, das lassen wir vermissen. Wir haben in 19 Minuten ganze drei Fouls gemacht, und Bayreuth hat uns 27 Punkte in der eigenen Zone eingeschenkt. Das passt nicht zusammen", monierte Brose-Trainer Ainars Bagatskis.

Der Lette muss sich aber die Frage gefallen lassen, warum er auf die schwache Vorstellung seines Teams nicht reagierte. Maurice Stuckey, der mit seiner engagierten Verteidigungsarbeit seine Mitspieler aufwecken hätte können, schmorte die gesamte zweite Halbzeit über ebenso auf der Bank wie Daniel Schmidt oder Center Cliff Alexander. Unter den Körben konnte daher der Bayreuther De'Mon Brooks schalten und walten, wie er wollte. Mit 26 Punkten und neun Rebounds stellte der Power Forward eine persönliche Bestleistung in der Bundesliga auf.

Parallelen zum Vorjahr

Parallelen zum Vorjahr werden erkennbar. Vor genau zwölf Monaten hatten die Bayreuther ihrem oberfränkischen Kontrahenten im ersten Spiel des neuen Kalenderjahres ebenfalls eine empfindliche Niederlage bereitet. Nach dem 75:85 - damals in der Oberfrankenhalle - begann in Bamberg eine Diskussion über den Trainer, die sechs Wochen später in die Trennung von Andrea Trinchieri mündete. In den kommenden Spielen stehen Coach und Team daher unter besonderer Beobachtung. Am Sonntag (18 Uhr) beim aufstrebenden Bundesliga-Neunten in Ulm sowie am Dienstag gegen den AEK Athen, Spitzenreiter der Gruppe C (20 Uhr) in der Champions League, warten zwei Prüfsteine auf das kriselnde Bamberger Team. "Wir müssen dieses Spiel aufarbeiten und es besser machen. Die Aufgaben werden ja nicht leichter", sagte Stuckey.

Ausfall von Martin weggesteckt

Als "Straftraining" stand für die Bamberger am Freitag die Videoanalyse des Derbys auf dem Programm. Die Bilder werden ihnen gezeigt haben, dass das leidenschaftlicher auftretende Team verdient gewonnen hat. "Wir haben Bamberg regelrecht überpowert, das verdient wirklich mein Kompliment", lobte Medi-Trainer Raoul Korner seine Mannschaft, die den Ausfall ihres Topscorers Hassan Martin (Fußverletzung) nach nur zwei Minuten verkraften musste.

Das Team, so meinte der Bayreuther Center Andreas Seiferth (18 Punkte), hätte aus der bitteren Heimniederlage gegen Oldenburg kurz nach Weihnachten gelernt und wisse nun, worauf es gegen eine gute Mannschaft ankomme. Die Bamberger sollten nun ihrerseits die Lehren aus der Derbyniederlage ziehen - sonst geht es für sie in der Tabelle noch weiter runter als auf Platz 5.

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