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Basketball

Brose Bamberg ist nicht bereit für Play-off-Kampf

Der freche Aufsteiger Rasta Vechta zeigt den Bambergern, worauf es in der K.-o.-Runde ankommt. Nach dem enttäuschenden 85:96 redet Brose-Center Elias Harris Klartext: So können wir nicht auftreten!
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Während Vechtas Fans den ersten Bundesliga-Play-off-Sieg der Vereinsgeschichte überschwänglich feiern, stehen die enttäuschten Bamberger wie begossene Pudel auf dem Feld im Rasta Dome. Foto: Christian Becker
Während Vechtas Fans den ersten Bundesliga-Play-off-Sieg der Vereinsgeschichte überschwänglich feiern, stehen die enttäuschten Bamberger wie begossene Pudel auf dem Feld im Rasta Dome. Foto: Christian Becker

"Wir wissen, wie wir solche Spiele spielen müssen", sagte Federico Perego kurz vor dem Sprungball in Vechta bei Magentasport.de. Und der Trainer von Brose Bamberg zählte die Dinge auf, auf die es zum Play-off-Auftakt ankommen würde: die Offensivpower des Gegners stoppen, den Ball gut bewegen und so physisch wie möglich spielen. Umgesetzt haben seine Schützlinge davon gar nichts. Deshalb meinte der 34 Jahre Italiener nach der ernüchternden 85:96-Niederlage zum Start in die Viertelfinalserie um die deutsche Basketball-Meisterschaft frustriert: "Vechta hat mit unglaublicher Energie gespielt und uns ausgespielt. Darauf hatten wir keine Antwort. Wenn es dann so kommt wie heute, dann muss ich das auf meine Kappe nehmen."

Im Gegensatz zu den routinierten Bambergern zeigte der Play-off-Neuling das, worauf es in der K.-o.-Runde ankommt: Kampfbereitschaft und Leidenschaft. Das klingt banal, machte aber letztlich den Unterschied aus. Obwohl dem Rasta-Team vier Spieler auf den großen Positionen fehlten und es nur mit einer Siebener-Rotation agierte, schafften es die Niedersachsen, ihrem Gegner ihr Spiel aufzuzwingen. "Ich habe schon vor langer Zeit gesagt, dass Charakter wichtiger ist als Talent. Vielleicht war das heute eine dieser Situationen, an denen man das gesehen hat", meinte Pedro Calles. Die Worte von Vechtas Coach - gedacht als Lob für seine Mannschaft - sollten sich die Bamberger hinter die Ohren schreiben. Defensiv wieder einmal völlig überfordert, hatten die Oberfranken dem schnellen Offensivspiel der Gastgeber nichts entgegenzusetzen. 18 Dreier landeten im Korb des Pokalsiegers, wobei Austin Hollins mit 31 Punkten und acht Treffern aus der Distanz zwei persönliche Rekorde aufstellte.

Trotz des Fehlens fast seiner kompletten langen Garde war der Aufsteiger auch unter den Körben klar überlegen. Das Reboundduell entschied er mit 37:26 für sich. Ihre 15 Offensivrebounds (Bamberg 6) nutzten die Niedersachsen zu 22 Punkten, wobei sich Philipp Herkenhoff mit einem "Double-Double" (20 Punkte/11 Rebounds) hervortat. "Wir waren überhaupt nicht bereit, ihr physisches Spiel und ihre Aggressivität zu kontern", kritisierte Perego, in dessen Team einige Spieler abtauchten. Von Patrick Heckmann (null Punkte) war ebenso wenig zu sehen wie von Augustine Rubit (2). Center Cliff Alexander (3) wurde nach schwacher Anfangsphase gar nicht mehr eingesetzt.

Lediglich Elias Harris, mit 21 Punkten bester Bamberger Werfer, und Tyrese Rice (18/9 Assists) schienen sich gegen die Niederlage stemmen zu wollen. "Vechta hat uns komplett den Schneid abgekauft. So können wir nicht auftreten, wenn wir diese Serie noch gewinnen wollen", redete Harris Klartext.

Am Mittwoch (19 Uhr) haben die Bamberger Gelegenheit, die "best-of-five"-Serie in der Brose-Arena auszugleichen. "Was wir jetzt tun müssen, ist, unser anderes Gesicht zu zeigen", fordert Perego. Der Rumpfmannschaft aus Vechta wird nach ihrer Energieleistung vom Sonntag zwar das erste Spiel noch in den Knochen stecken - sechs Spieler standen 28 Minuten oder mehr auf dem Feld -, doch wird sie wieder von Beginn an Vollgas geben. "Wir ruhen uns jetzt aus. Am Mittwoch werden wir für Spiel 2 bereit sein", sagte Hollins. Am Sonntag war der überragende US-Amerikaner nach 39:47 Minuten Einsatzzeit vom Feld gehumpelt, kurz nach der Schlusssirene gab er aber Entwarnung für Mittwoch. Für die Bamberger sollte dies jedoch Warnung genug sein.

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