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Weltkulturerbelauf

Brendah Kebeya im Interview: "Die Sprache ist der Schlüssel"

Brendah Kebeya ist die Favoritin im Halbmarathon. Im Interview spricht sie über den Lauf, ihr Leben in Deutschland und Sehnsucht nach Kenia.
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Brendah Kebeya von der LG Bamberg hatte im September erst den Marathon in Kassel gewonnen, vor vier Wochen außerdem den Marathon in Hannover in neuer persönlicher Bestzeit von 2:34 Stunden. Am Sonntag startet sie erneut beim  Weltkulturerbelauf im Halbmarathon - und hofft nach 2017 auf die Titelverteidigung. Vielleicht wieder mit neuer Bestzeit.  Michael Bald/Archiv
Brendah Kebeya von der LG Bamberg hatte im September erst den Marathon in Kassel gewonnen, vor vier Wochen außerdem den Marathon in Hannover in neuer persönlicher Bestzeit von 2:34 Stunden. Am Sonntag startet sie erneut beim Weltkulturerbelauf im Halbmarathon - und hofft nach 2017 auf die Titelverteidigung. Vielleicht wieder mit neuer Bestzeit. Michael Bald/Archiv

Wenn am Sonntag gegen 16.30 Uhr die ersten Halbmarathon-Läufer auf die Zielgerade am Maxplatz einbiegen, dann wird sich mit großer Wahrscheinlichkeit auch Brendah Kebeya darunter befinden. Die 27-Jährige von der LG Bamberg hat vor zwei Jahren die Frauen-Konkurrenz mit neuem Streckenrekord in 1:20:36 Stunden gewonnen. In diesem Jahr dürfte der Titel erneut nur über die Kenianerin führen.

Kebeya entstammt der bekannten Läuferhochburg Eldoret, fünftgrößte Stadt des Landes und Schmiede etlicher kenianischer Langstrecken-Olympiasieger. Da die Stadt auf mehr als 2100 Metern liegt und die Temperaturen gemäßigt sind, reisen auch viele Europäer zum Trainieren dorthin. So lernte sie auch ihren späteren Mann, einen Forchheimer, kennen. Inzwischen spricht Kebeya fließend Deutsch und absolviert eine Ausbildung zur Masseurin.

Im Interview spricht sie über den Stellenwert des Laufens in Kenia, die Liebe zu Karpfen, wie sich ihr neues Leben in Deutschland darstellt - und ob es am Sonntag einen neuen Streckenrekord geben könnte.

Frau Kebeya, in Deutschland laufen die Menschen meistens, um sich gesünder zu fühlen. Und nur die wenigsten, um Geld zu verdienen. Was bedeutet das Laufen für Sie persönlich?

Brendah Kebeya: Alle Läufer in Eldoret haben die Absicht, einmal damit Geld zu verdienen und davon leben zu können. Das war auch meine Motivation, als ich mit dem Laufen angefangen habe. Im Gegensatz zu Europa gibt es dort wenige Möglichkeiten, Geld zu verdienen, um davon leben zu können. Laufsport ist eine große Hoffnung für die Läufer dort. Die erfolgreichen Sportler der Vergangenheit und der Gegenwart sind die Idole und geben Motivation für das tägliche Training.

Dennoch bleiben sicherlich viele Läufer auf der Strecke...

Alleine in Eldoret gibt es Dutzende Trainingsgruppen mit jeweils mindestens 20 Läufern. Am Ende sind es aber nur wenige, die es schaffen, zu Rennen nach Europa eingeladen zu werden und wirklich gut davon leben können. Eine Szene mit vielen Freizeitläufern wie in Deutschland gibt es nicht, nur manchmal trifft man mal Läufer, die es nur aus Spaß machen.

Sie haben schon vor einigen Jahren in Europa Rennen bestritten. Können Sie davon leben?

Ehrlich gesagt nicht, aber das ist selbst für deutsche Eliteläufer extrem schwierig. Zum Glück habe ich ein paar Sponsoren, die mich etwas unterstützen. Auch die LG Bamberg hat mich schon für meine Trainingslager in Kenia unterstützt. Ich mache gerade eine Ausbildung zur Masseurin in Bamberg und werde diese im Juli abschließen. Danach absolviere ich mein Anerkennungspraktikum in Forchheim und hoffe dann, meine beiden Berufe Laufen und Massage in Einklang zu bringen und genug Zeit für Training zu haben.

Wie oft haben Sie die Möglichkeit, ihre Familie zu besuchen?

Wegen der Schule habe ich nur in den Ferien Zeit, nach Kenia zu fliegen. Wegen der großen Distanz macht das eigentlich nur in den Sommerferien Sinn. Daher werde ich wieder ab August für sechs Wochen in Kenia sein, um meine Familie zu besuchen, ich bin die jüngste von sechs Geschwistern. Und natürlich, um mit meiner Gruppe zu trainieren. Darauf freue ich mich schon sehr. Was mir hier im Training fehlt, sind die Straßen in Kenia, auf denen sich am besten trainieren lässt. Das sind zwar nur einfache Erdstraßen ohne Asphalt und sehr staubig, aber ein sehr gutes Gelände zum Laufen. Und ich vermisse das grüne Gemüse aus Kenia. Da gibt es sehr viel Leckeres wie Managu oder Sukuma und viele weitere.

Bitte nicht falsch verstehen: Aber wie lernt man als kenianische Langstreckenläuferin einen Hobbysportler aus Forchheim kennen?

Damals bin ich für einen österreichischen Manager gelaufen, der ein Camp in Kenia betreibt, zu dem auch Gäste aus Europa kommen können. Mein Mann war auch dort zu Besuch, so haben wir uns kennengelernt. Da Englisch die Amtssprache in Kenia ist, fällt die Kommunikation auch sehr leicht. Danach hatten wir Kontakt über WhatsApp und haben öfter telefoniert. Viele denken, dass Afrika sehr schlecht entwickelt ist, aber Smartphones und schnelles Internet sind auch in Kenia inzwischen völlig normal. Daher konnten wir uns immer sehr einfach austauschen. Danach war ich durch meinen Manager einige Monate in Europa und wir konnten uns öfter sehen. Anschließend hat er mich zu Hause bei meiner Familie in Eldoret besucht.

Fiel es Ihnen schwer, die Heimat hinter sich zu lassen?

Die Entscheidung, nach Deutschland zu kommen, war nicht gerade einfach. Aber durch meine Aufenthalte zuvor hatte ich bereits erste Erfahrungen mit dem Leben in Europa gemacht und wusste zumindest ungefähr, wie sehr unterschiedlich das Leben hier im Vergleich zu Kenia ist. Nur der Winter war neu für mich, wobei das mit der Kälte eigentlich ganz gut geht, nur die lange Dunkelheit ist nicht so leicht zu ertragen. Aber ansonsten fühle ich mich wohl hier. Wie üblich ist die Sprache der Schlüssel für meinen Alltag. Und in der Ausbildung habe ich noch sehr viel mehr gelernt für mein Deutsch. Eigentlich gibt es viele Dinge, die mir sehr gut gefallen hier, aber was ich hier erstmals kennengelernt habe und besonders gern esse, ist Karpfen.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren?

Ich versuche immer, mein Deutsch zu verbessern und hoffe, dass ich in fünf Jahren endlich die richtigen Artikel 'der, die, das' verwende. Was das Laufen betrifft, denke ich, dass ich in fünf Jahren bereits die deutsche Staatsangehörigkeit besitze. Das bedeutet natürlich gleich eine andere Wahrnehmung in der Öffentlichkeit. Vor zwei Jahren bin ich meinen ersten Marathon gelaufen und konnte jetzt in Hannover meine Zeit auf 2:34 Stunden verbessern. Hier sehe ich noch gute Chancen, mich weiterzuentwickeln und hoffe, mich auf 2:25 Stunden zu steigern.

Sie zählen am Sonntag zu den Favoritinnen im Halbmarathon. Ist ein neuer Streckenrekord möglich?

Ich werde es auf jeden Fall versuchen, aber es wird schwierig. Vor vier Wochen bin ich erst den Marathon in Hannover gelaufen und musste mich danach zwei Wochen erholen. Letzte Woche konnte ich wieder voll trainieren. Aber ob es zum Streckenrekord reicht, hängt auch von der Tagesform ab.

Es soll kalt und windig werden. Ein großes Problem?

Kälte und Wind sind tatsächlich nicht schön. Aber im Winter habe ich nicht in Kenia trainieren können, sondern habe die Saisonvorbereitung hier absolviert bei sehr schwierigen Bedingungen. Meistens ist Wind das größere Problem als Kälte. Wenn es zehn Grad werden, ist das eigentlich ganz gut. Ideal wären sicher ein paar Grad mehr, aber die Bedingungen selbst sind ja für alle gleich. Man muss im Kopf bereit sein für jedes Wetter.

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