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Basketball

Bayreuth oder Bamberg? Wessen Trümpfe stechen besser?

Mit dem oberfränkischen Duell starten Medi und Brose in die Saison. Die Fans sind gespannt, welches der neu zusammengestellten Teams am schnellsten harmoniert.
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Sowohl der Bamberg Paris Lee (rechts) als auch der Bayreuther Lucky Jones - hier ein Duell aus dem Vorbereitungsturnier - wissen noch nicht, was es heißt, um Bundesliga-Punkte im Derby in der hitzigen Oberfrankenhalle zu spielen.  Foto: Daniel Löb
Sowohl der Bamberg Paris Lee (rechts) als auch der Bayreuther Lucky Jones - hier ein Duell aus dem Vorbereitungsturnier - wissen noch nicht, was es heißt, um Bundesliga-Punkte im Derby in der hitzigen Oberfrankenhalle zu spielen. Foto: Daniel Löb

Für Roel Moors ist es das erste Oberfrankenderby. Ebenso für acht Spieler des Bamberger Trainers, die am Dienstagabend (20 Uhr, Oberfrankenhalle, live bei Sport1) bei Medi Bayreuth zum Saisonstart der Basketball-Bundesliga zum meist hitzig geführten Duell der benachbarten Erzrivalen antreten. "Wir haben Assem Marei und einige andere Spieler, die die Derbyatmosphäre kennen. Sie haben über die besondere Rivalität gesprochen und hoffentlich erkannt, dass es ein spezielles Spiel ist. Ich kenne das auch noch nicht, für mich ist es das erste Spiel der Saison", sagt Moors.

Der Ägypter Marei trug zwei Jahre lang das Medi-Trikot und beendete mit Coach Raoul Korner eine 22 Jahre andauernde schwarze Serie in eigener Halle, als er mit zehn Punkten am 2. Januar 2018 zum 85:75-Sieg über die Bamberger beitrug. Auch an den verrückten Strelnieks-Dreier aus dem Dezember 2016 (siehe Text rechts) kann sich der 27-Jährige noch erinnern - damals sein erstes Derby. "Die Fans waren heiß auf das Spiel, das schon Wochen vorher ausverkauft war", erzählt Marei.

Diesmal kommt es bereits am ersten Spieltag zum wohl traditionsreichsten Derby der Bundesliga. Beide Trainer wissen nicht, was sie erwartet. Der Bamberger 97:56-Kantersieg vor neun Tagen beim Vorbereitungsturnier in Bayreuth zählt für Moors nichts. "Wir hatten ein gutes Spiel, aber am Dienstag wird es komplett anders. Bayreuth spielte nicht so, wie sie es sonst tun", sagte der Belgier.

Trainer Korner hatte dabei nur eine Rumpftruppe zur Verfügung. "Wir werden definitiv besser auftreten. Ob es für einen Sieg reicht, weiß ich nicht, aber wir werden es probieren", sagt der Österreicher, der auch als Nationaltrainer seiner Heimat fungiert. Trotz der verpassten Play-off-Teilnahme in der vergangenen Saison verlängerte der 45-Jährige in Bayreuth. Drei Spieler, Bastian Doreth, Lukas Meisner und den derzeit an der Schulter verletzt fehlenden Andreas Seiferth, hat Korner aus der vergangenen Spielzeit noch, muss wie sein Pendant ein neues Team bilden. Mit Aufbauspieler James Robinson kehrt zumindest ein Bekannter aus der Saison 2017/18 in die Wagnerstadt zurück. Er sollte das Spielkonzept Korners kennen. Neben ihm soll vor allem James Woodard die Fäden ziehen.

Bei Bamberg blieben vier Akteure nach dem Reset-Knopf-Drücken aus der Vorsaison übrig: Maurice Stuckey, Bryce Taylor, Louis Olinde und Kapitän Elias Harris. Taylor forderte sein Team bereits auf, "extra Gas" zu geben, auch vor dem Hintergrund der "schwierigen Zeit nach der Heimniederlage gegen Bayreuth im Januar". Auf beiden Seiten werden die Karten somit neu gemischt. Doch welche Trümpfe stechen am besten?

Athletik mit Carrera

Bambergs Trainer Moors dürfte in den vergangenen Tagen vor allem an der defensiven Abstimmung gearbeitet haben. Im letzten Test gegen den Mitteldeutschen BC kassierte sein Team zu einfach Körbe. "Wir haben vor allem die Intensität in der Abwehr hochgeschraubt, um als Team zu verteidigen", berichtet Moors aus den letzten Trainingseinheiten. Die Offensive gegen Zonenverteidigung wird ebenso auf dem Trainingsplan gestanden haben wie die Integration des erst am Donnerstag aus Venezuela angekommenen Power Forwards Michael Carrera. "Die ersten Eindrücke sind sehr positiv. Er bringt viel Energie und die Athletik mit, die wir noch vermisst haben", sagt sein neuer Trainer.

In Bayreuth konnte Korner aufgrund von Verletzungen nur wenige Wochen mit dem kompletten Team arbeiten. Er tauschte Ende August Charles Cooke aus, der die Erwartungen nicht erfüllte. Für ihn kam Lucious Jones auf der Flügelposition, wie die anderen fünf Ausländer ebenfalls ein Amerikaner. Die Saisonziele in Bayreuth sind niedrig gesteckt. "Erst einmal wollen wir besser abschneiden als Platz 12 in der Vorsaison", sagt Geschäftsführer Björn Albrecht, "ob wir um die Play-offs mitspielen, hängt von vielen Faktoren ab." us

Das ewige Derby

Die Basketballer von Medi Bayreuth und Brose Bamberg stehen sich am Dienstag im 79. Oberfrankenderby gegenüber. 30 Mal siegten bislang die Bayreuther (17 Mal daheim, zwölfmal auswärts). 48 Mal triumphierte Bamberg (20 Mal daheim, 27 Mal auswärts). Dabei gab es einige denkwürdige Duelle - nachfolgend eine kleine Auswahl.

Saison 2018/19

Am 3. Januar dieses Jahres landen die Bayreuther einen Coup, als sie zum ersten Mal seit fast 21 Jahren wieder in Bamberg gewinnen. Mit 94:84 siegt die Mannschaft von Raoul Korner in der Brose-Arena. Zuvor hatten die Bayreuther letztmals am 14. Februar 1998 in Bamberg triumphiert.

Saison 2016/17:

Am zweiten Weihnachtsfeiertag des Jahres 2016 sehen die Bayreuther schon wie der sichere Sieger aus, doch Janis Strelnieks sorgt mit einem irren Dreier 0,7 Sekunden vor dem Ende für das 83:82 aus Bamberger Sicht. Beim letzten Einwurf der Bayreuther entscheiden die Unparteiischen erst nach einem Blick aufs Video auf unsportliches Foul gegen Nikos Zisis. Das entspricht nicht den Regeln, weshalb die Bamberger auch Protest einlegen. Bastian Doreth verwandelt den ersten Freiwurf zum Ausgleich und vergibt den zweiten. Damit geht es in die Verlängerung, nach der Brose mit 92:88 die Nase vorne hat.

Saison 1985/86

Erstmals treffen beide Teams in den Play-offs aufeinander. Nach ihrem 86:78-Sieg in Bayreuth stehen die Bamberger schon mit einem Bein im Halbfinale um die deutsche Meisterschaft. Doch nach einer schwachen Heimvorstellung mit einer 62:79-Niederlage erzwingt Bayreuth ein drittes Spiel, das die BG Steiner Optik mit 69:67 glücklich gewinnt.

Saison 1978/79

Im entscheidenden Abstiegsduell in Bayreuth sichern sich die Gastgeber mit einem Korb in letzter Sekunde den Sieg (81:79) und damit die Klasse, während Bamberg den Weg in die 2. Liga antreten muss. Das Drama perfekt macht die Tatsache, dass den Siegkorb ausgerechnet der vor der Saison von Bamberg nach Bayreuth gewechselte Manfred "Manni" Voigt wirft. Auf Bamberger Seite im Team: Nowitzki-Mentor Holger Geschwindner, dessen 37 Punkte den Abstieg aber nicht verhindern. ps

Buch-Verlosung

Für unsere Leser verlosen wir zum Saisonbeginn drei Exemplare von The Great Nowitzki. Autor Thomas Pletzinger begleitete den deutschen Basketball-Superstar über viele Jahre und erzählt die Geschichte der großen Karriere des Würzburgers. Wer ein Buch gewinnen will, muss folgende Frage richtig beantworten: Wann absolvierte Dirk Nowitzki sein letztes Bundesliga-Spiel? Die Lösung mailen Sie mit Adresse bis Mittwoch, 25. September, 12 Uhr, unter dem Betreff Nowitzki-Buch an sport@infranken.de.

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