Bamberg

Bamberg gastiert in Riga: Die Gefahr droht aus der Distanz

Brose Bamberg geht die Auswärtsaufgabe am Mittwoch bei VEF Riga nach der überzeugenden Vorstellung in Bonn selbstbewusst an, muss sich aber vor den schnellen und wurfgewaltigen Guards der Letten in Acht nehmen.
Artikel drucken Artikel einbetten
Bekommt auch mit 37 Jahren noch das grüne Licht: Rigas Janis Blums drückt siebenmal pro Partie von der Dreierlinie ab.  Foto: championsleague.basketball
Bekommt auch mit 37 Jahren noch das grüne Licht: Rigas Janis Blums drückt siebenmal pro Partie von der Dreierlinie ab. Foto: championsleague.basketball

Für den 37 Jahre alten Janis Blums schließt sich nach 20-jähriger Profilaufbahn ein Kreis. Der Shooting Guard begann 1999 seine Basketballkarriere in der lettischen Hauptstadt Riga und wird sie aller Voraussicht auch dort beenden. Blums hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten bei 13 Vereinen in acht Ländern einen Namen als Scharfschütze auf höchstem europäischen Niveau gemacht. "Die letzten Jahre meiner Karriere möchte ich in meiner Heimat genießen, vor den lettischen Fans und meiner Familie", sagte Blums, der vor drei Monaten zum zweiten Mal nach 2016/17 bei VEF Riga, dem ältesten Basketballverein des Landes, unterschrieb.

Dass der 1,91-Meter-Mann in seiner Heimat ganze Basketball-Generationen verbindet, zeigt die Tatsache, dass Blums im lettischen Nationalteam unter anderem mit dem ehemaligen Brose-Coach Ainars Bagatskis (52 Jahre), den Ex-Bamberger Spielern Uvis Helmanis (47) und Janis Strelnieks (30), aber auch mit dem aktuellen NBA-Superstar Kristaps Porzingis (24, Dallas Mavericks) zusammengespielt hat.

Großen Respekt zollt ihm auch sein aktueller Trainer bei VEF, Janis Gailitis - übrigens zwei Jahre jünger als Blums. "Janis Blums ist ein großartiger Spieler, der beste Schütze der lettischen Basketball-Geschichte - nach Uvis Helmanis vielleicht", sagte er vor einer Woche nach der 81:85-Heimniederlage gegen Gaziantep in der Champions League auf der Pressekonferenz. Blums' Entscheidungsfindung war in der Crunchtime mit einem verworfenen Dreier und einem Offensivfoul in den letzten 20 Sekunden des Spiels in den Augen der anwesenden Journalisten ausbaufähig. "Ich bin nicht sauer auf ihn", sagte der lettische Trainer, dessen Mannschaft einen komfortablen 14-Punkte-Vorsprung im dritten Viertel gegen die Türken noch verspielte und die dritte Niederlage im vierten Champions-League-Spiel kassierte.

"Unabhängig vom Ergebnis bin ich mit der Leistung meiner Spieler zufrieden. Wir haben uns zur Vorwoche verbessert, aber es ist immer noch nicht genug, um Spiele auf diesem Niveau zu gewinnen", meinte Gailitis.

Riga steht zu Hause unter Druck

Um das Achtelfinale nicht aus den Augen zu verlieren, sollte sein Team möglichst schon gegen Brose Bamberg (zwei Siege, zwei Niederlagen) am Mittwoch (18 Uhr) mit dem Siegen beginnen. Für die Letten ist es am 5. Spieltag der Gruppenphase bereits das vierte Heimspiel in der schmucken, 11 000 Zuschauer fassenden Arena Riga. Der Brose-Tross machte sich am Dienstagvormittag vom Frankfurter Flughafen auf in die lettische Hauptstadt. Das letzte Mal gastierte eine Bamberger Mannschaft vor 16 Jahren in Riga. Im Dezember 2003 besiegte GHP Bamberg um Topscorer Jason Sasser in der Fiba Europe League den damaligen Stadtrivalen Skonto Riga (2004 aufgelöst) mit 75:67.

Ein gutes Omen, das das aktuelle Bamberger Team angesichts der stark steigenden Formkurve mit wettbewerbsübergreifend fünf Siegen in Folge aber gar nicht unbedingt nötig hat. Beim jüngsten 106:81-Erfolg bei den Telekom Baskets rief das Brose-Team erstmals in dieser Spielzeit sein Potenzial über die komplette Spieldauer ab. "Wir müssen unseren Fokus weiter hochhalten. Wir sind noch lange nicht da, wo wir hinwollen. Aber wir sind auf einem guten Weg. Den gilt es jetzt in Riga fortzusetzen", fordert Bambergs Trainer Roel Moors.

Der lettische Kontrahent definiert sich in der Offensive über seine Distanzschützen. Mit fast elf getroffenen Dreipunktewürfen pro Partie bei einer Quote von 38 Prozent gehört Riga in dieser Kategorie zu den besten Teams der Champions League. Neben Blums (12 Punkte im Schnitt, 37 Prozent Dreierquote) zeichnen sich hier vor allem der erst 19-jährige Shooting Guard Arturs Kurucs (13 Punkte, 53 Prozent Dreierquote), Bruder von NBA-Akteur Rodions Kurucs, und der US-amerikanische Aufbauspieler Lester Medford (15,8 Punkte, 6,5 Assists, 50 Prozent Dreierquote) aus.

Bamberger Vorteile in der Zone

Trainer Gailitis setzt auf eine Guard-lastige Formation mit oftmals drei Ballhandlern auf dem Parkett. "Sie spielen sehr schnell, daher müssen wir frühzeitig versuchen, ihren Rhythmus zu unterbrechen", erklärt Moors. "Wichtig ist auch, dass wir wieder physisch dagegenhalten. Das sind die beiden Punkte, auf die es ankommen wird." Für die Zonenpräsenz ist bei Riga in erster Linie der 2,06 Meter große Center Kristijan Krajina (10 Punkte, 4,8 Rebounds) zuständig. Da der Kroate und die zwei weiteren großen Spieler der Letten, Roberts Freimanis und Alexander Madsen, allesamt sehr foulanfällig sind, kann das Bamberger Rezept nur lauten, den Ball zu Assem Marei, Elias Harris und Christian Sengfelder in Korbnähe zu bringen - dies gelang zuletzt immer besser.

"Für uns muss gelten, dass wir unseren Basketball zeigen. Das bedeutet hinten hart verteidigen, dann ergeben sich vorne die Aktionen von ganz alleine", sagt Brose-Flügelspieler Michael Carrera, der es vor drei Jahren mit seinem russischen Ex-Klub Saratow bereits einmal mit VEF zu tun bekam - und damals verlor. "Sie spielen in einer tollen Arena, haben tolle Fans. Sie sind mit Abstand das beste Team Lettlands."

In einer richtungsweisenden Woche gilt es diesen Status für den Titelverteidiger der lettisch-estnischen Liga (7:0 Siege) gegen Dauerkonkurrent BK Ventspils (7:1) am Samstag zu bestätigen.

Kommentare (0)

was sagen sie zu diesem Thema?
jetzt anmelden jetzt registrieren