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Arnoldas Kulboka: Er ging als Junge, er kam als Mann

Der 20-jährige Litauer ist nach einem lehrreichen Jahr in Sizilien zurück in Bamberg - und ist kaum wiederzuerkennen.
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Ein Aktivposten in den bisherigen Bamberger Testspielen: Arnoldas Kulboka (mit Ball)Daniel Löb
Ein Aktivposten in den bisherigen Bamberger Testspielen: Arnoldas Kulboka (mit Ball)Daniel Löb
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Eine knappe Stunde nachdem Arnoldas Kulboka an 55. Stelle des NBA-Drafts in Brooklyn von den Charlotte Hornets ausgewählt worden war, meldete sich der Litauer über den Kurznachrichtendienst Twitter zu Wort. "Ich habe schon immer gewusst, dass ich mal ein Hornet werde", schrieb der 20-Jährige aus Los Angeles, wo er Ende Juni bei den Lakers ein Probetraining absolvierte.

Ein etwas kitschig anmutender Satz, der durch das beigefügte Foto an Bedeutung gewann. Darauf zu sehen ist ein kleiner, blonder Junge in einer türkis-lilafarbenen Trainingsjacke der Charlotte Hornets: Arnoldas Kulboka vor zehn Jahren. "Um ehrlich zu sein, hat mir das Bild meine Mutter geschickt, direkt nachdem ich gedraftet wurde. Ich selbst war ziemlich überrascht, weil ich mich gar nicht mehr dran erinnern konnte", erzählt Kulboka grinsend.

"Ich liebe es, schnell zu spielen"

Es dauerte keine zwei Wochen, bis der Flügelspieler die "echte" Hornets-Trainingsjacke als Spieler tragen durfte. Gleich in seinem ersten Spiel in der "Las-Vegas-Summerleague" hinterließ er beim 88:87-Sieg über die Oklahoma City Thunder mit zwölf Punkten in 13 Minuten einen bleibenden Eindruck. Eine starker Start im Mutterland des Basketballs, der Kulboka selbst wenig überraschte: "Ich liebe es, schnellen Basketball zu spielen, viele Würfe, besonders Dreier, zu nehmen. Für mich war das keine große Umstellung."

Trotz der vielversprechenden Ansätze war es ebenso keine Überraschung, dass Kulboka noch keinen Vertrag für die NBA-Saison 2018/19 erhielt. Dass Spieler, die in der zweiten Runde (ab Position 31) des NBA-Drafts gezogen werden, noch eine oder mehrere Spielzeiten im Ausland verbringen, um sich körperlich und spielerisch weiterzuentwickeln, ist das übliche Prozedere. Feinschliff, den der 20-Jährige in Bamberg erfahren soll, wo er 2015 als 17-Jähriger einen Vertrag über fünf Jahre unterschrieb. Die ersten beiden Spielzeiten war Kulboka vor allem in der Nachwuchs-Bundesliga (NBBL) für den TSV Breitengüßbach und der 2. Liga ProA für Baunach im Einsatz.

Lehrreiches Jahr in Italien

Im Sommer 2017 wurde Kulboka für ein Jahr zum italienischen Erstligisten und Champions-League-Teilnehmer Capo d'Orlando verliehen. "Das war für mich eine große Chance zu zeigen, dass ich fähig bin, auf einem höheren Level zu spielen. Ich hatte eine große Rolle im Team und konnte viele Erfahrungen sammeln", sagt der Litauer, der in der Champions League knapp über zehn Punkte und fünf Rebounds in 27 Minuten auflegte.

Kulboka war dabei einer der wenigen Lichtblicke im Team der Sizilianer. Nachdem Capo d'Orlando im Vorjahr noch das Überraschungsteam der Liga war, sich für die Play-offs und dadurch auch für den internationalen Wettbewerb qualifiziert hatte, stieg das Team in der vergangenen Spielzeit als Tabellenletzter ab. "Wenn man wettbewerbsübergreifend 20 Spiele in Folge verliert und in jedes Spiel mit der Einstellung reingeht, dass es fast unmöglich ist, zu gewinnen, ist das schon eine schwierige Situation", sagt Kulboka. Auch in der Gruppenphase der Champions League gab es für die Sizilianer mit zwei Siegen aus 14 Spielen wenig zu holen.

Kulboka ist der einzige Spieler im Brose-Kader, der die neue "internationale Heimat" der Bamberger schon hautnah erlebt hat. "Die Champions League ist ein sehr junger Wettbewerb, der von Jahr zu Jahr besser wird. Ich würde das Niveau in der kommenden Saison genauso hoch wie im Eurocup einschätzen. Es ist natürlich noch kein Euroleague-Niveau, aber es bewegt sich immer mehr in die Richtung", lautet die Einschätzung des 20-Jährigen, der die letztjährige Bamberger Saison in der Euroleague und Bundesliga aus der Ferne aufmerksam verfolgte.

Neun Kilo draufgepackt

Vor allem mit seinem guten Freund Louis Olinde stand er regelmäßig im Kontakt. "Ich war sehr überrascht, als Bamberg in der Liga zwischenzeitlich auf dem elften Platz stand. Aber am Ende der Saison hat die Mannschaft dann doch gezeigt, dass sie ein großes Team ist und es immerhin ins Halbfinale geschafft, wo sie unglücklich ausgeschieden ist", meint Kulboka.

Obwohl der Balte mit Nikos Zisis, Patrick Heckmann, Elias Harris, Leon Kratzer und Olinde noch eine Handvoll Spieler aus der Saison 2016/17 kennt, sei das neue Team nicht mit der Mannschaft von damals zu vergleichen "Es ist komplett anders. Wir pflegen einen anderen Spielstil und haben jetzt viel mehr junge Spieler im Kader."

Zu den jungen Akteuren gehört Kulboka mit seinen 20 Jahren natürlich selbst noch. Doch seine Entwicklung vom schmächtigen Jungen zum gestandenen Mann schreitet voran: Neun Kilo Muskelmasse hat der 2,05 Meter große Flügelspieler in den vergangenen 15 Monaten zugelegt, wiegt jetzt knapp 100 Kilogramm. Körperliche Voraussetzungen, mit denen Kulboka mittlerweile auch auf der Power-Forward-Position eingesetzt werden kann.

Seine größten Stärken sieht er aber auf dem Flügel. "Ich bin sehr froh, dass ich unter Ainars Bagatskis den Ball in den Händen halten und auch als Shooting Guard spielen darf", sagt Kulboka. "Ich spiele nun auch Pick-and-Roll, was ich vergangene Saison in Italien nicht durfte. Meistens kam ich nur nach Blöcken zu Würfen oder stand in der Ecke und habe auf den Pass gewartet." Dass er das Vertrauen des neuen Cheftrainers genießt, konnte man bereits in den ersten fünf Testpartien beobachten, als der Litauer stets zu den offensiven Aktivposten gehörte und seine Dreier traumwandlerisch sicher einnetzte.

Damit dass auch in den Pflichtspielen so bleibt, verzichtete er sogar auf seinen Einsatz für Litauen im aktuellen Nationalmannschaftsfenster. "Im Februar habe ich mein erstes Spiel für die A-Nationalmannschaft gegen den Kosovo bestritten, da ist für mich ein Traum wahr geworden", sagt Kulboka. "Aber für mich ist aktuell jedes Vorbereitungsspiel mit Bamberg wichtig. Ich will beweisen, dass ich mich hier durchsetzen kann."

Zur Person

Geburtstag 4. Januar 1998 in Marijampole (Litauen) Größe/Gewicht 2,05 Meter/100 Kilogramm Vertrag bis 2020 Trikotnummer 98 Position Small Forward/Shooting Guard Statistiken 2017/18 1. Italienische Liga: 8,3 Punkte, 3,5 Rebounds, 0,7 Assists, 37 % aus dem Feld in 26 Minuten / Champions League: 10,3 Punkte, 5,0 Rebounds, 1,1 Assists, 43 % aus dem Feld in 27 Minuten Twitter: twitter.com/kulboka98 Bisherige Vereine Zalgiris Kaunas (bis 2015), Brose Bamberg/Baunach (2015-2017), Capo d'Orlando (2017/18)



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