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Basketball

Airball statt Ausgleich

Brose Bamberg lässt in Crailsheim offensiv viele Wünsche offen und unterliegt verdient mit 69:73.
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Enttäuschte Bamberger nach der Niederlage in Crailsheim (von links): Paris Lee, Tré McLean, Bryce Taylor und Retin Obasohan. Fotos: Daniel Löb
Enttäuschte Bamberger nach der Niederlage in Crailsheim (von links): Paris Lee, Tré McLean, Bryce Taylor und Retin Obasohan. Fotos: Daniel Löb
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In der Auszeit 17 Sekunden vor Spielende erkor der Bamberger Trainer Roel Moors Tré McLean zu demjenigen Spieler, der beim Stand von 67:70 mit einem Dreier die Chance auf den Sieg in Crailsheim erhalten sollte. Der Flügelspieler kam auch tatsächlich zum Wurf, doch verfehlte der Ball die Korbanlage gänzlich - Airball statt Ausgleich! In den restlichen Sekunden ließen sich die Merlins den Sieg nicht mehr nehmen und kletterten mit dem 73:69 (40:33)-Heimerfolg in der Bundesligatabelle auf Rang 4, während die Bamberger auf Platz 7 abrutschten.

McLeans Fehlwurf war symptomatisch für die Offensivleistung, die die Oberfranken in der Arena Hohenlohe ablieferten. Lediglich 42 Prozent betrug ihre Trefferquote, im letzten Viertel lag sie nur bei 38 (sieben Treffer bei 18 Versuchen). An der Freiwurflinie ließen die Gäste zudem acht Punkte liegen, die Quote von 50 Prozent ist schlicht nicht bundesligatauglich. Zwar war die Trefferquote der Merlins aus dem Feld (44 Prozent) nicht viel besser, aber sie kämpften wesentlich leidenschaftlicher um den Sieg als ihr Gegner.

Brose-Trainer Roel Moors fand klare Worte für das Auftreten seines Teams, das mit solchen Leistungen die Play-off-Teilnahme verspielen dürfte: "Das einzig Positive, was ich über meine Mannschaft sagen kann, ist, dass wir am Ende eine Chance hatten, auszugleichen. Wir hatten es nicht verdient, in dieser Position zu sein. Die Crailsheimer haben mit viel Enthusiasmus gespielt und bekommen, was sie verdienen. Wenn du mit Freude spielst, dann kann viel passieren. Ich habe das heute von meiner Mannschaft vermisst", monierte der Belgier.

Vieles, was seine Mannschaft aufs Parkett brachte, wirkte erzwungen. Auch deshalb, weil die beiden Bamberger Aufbauspieler einen rabenschwarzen Tag erwischt hatten. Retin Obasohan, seit Wochen außer Form, leistete sich vier Ballverluste und kam nur auf einen Punkt. Die Werte für Paris Lee, der gegen Bayern München noch mit 23 Zählern geglänzt hatte, waren identisch. Auf beide Spielgestalter verzichtete Moors in der Schlussphase, in der die Bamberger die Partie beinahe noch gedreht hätten. Nach einem Zwölf-Punkte-Rückstand (56:68, 34. Minute) kämpften sie sich mit einem 10:0-Lauf, zu dem Neuzugang Darion Atkins vier Punkte sowie Christian Sengfelder und Louis Olinde je einen Dreier beisteuerten, vor Beginn der Schlussminute auf 66:69 heran. Die Wende aber schafften sie nicht.

Oft nicht schnell genug zurück

Ein Bamberger Sieg wäre auch nicht verdient gewesen, denn die Merlins düpierten ihren Gegner, der oft zu langsam von Angriff auf Abwehr umschaltete, einige Male mit Schnellangriffen. Zudem waren sie immer wieder mit Lobanspielen auf Center Aaron Jones erfolgreich. Insbesondere im zweiten Viertel, das 27:17 endete, hatten die Gäste den Crailsheimern nichts entgegenzusetzen, weil sie im Angriff zu eigensinnig agierten. "Wir waren in der ersten Halbzeit defensiv nicht bereit und haben nicht den Basketball gezeigt, den ich sehen will. Zur Halbzeit hatten wir nur neun Assists", meinte Moors, dessen Mannschaft sich am Samstag in Crailsheim aus der Spitzengruppe der Bundesliga verabschiedet hat.

Damit hat die "Woche der Wahrheit", in der am Mittwoch in der Champions League gegen Gaziantep und am Sonntag im Pokalhalbfinale gegen Alba Berlin zwei weitere wichtige Spiele anstehen, für die Bamberger nicht gerade verheißungsvoll begonnen.

Spieler des Spiels

Darion Atkins verdient sich diese Auszeichnung ausschließlich mangels Alternativen. In seinem dritten Spiel im Brose-Trikot war der Neuzugang mit einem Effektivitätswert von 19 der beste Bamberger. Der US-Amerikaner erzielte neun Punkte (Trefferquote 67 Prozent), holte acht Rebounds (davon drei offensiv), gab vier Assists und blockte zwei Würfe.

Die Statistik

Crailsheim Merlins - Brose Bamberg 73:69

(13:16, 27:17, 14:18, 19:18) Crailsheim Morgan (19 Punkte/3 Dreier), Hawkins (14), Jones (14), Russell (12/1), Herrera (12/2), Bleck (2), Span, D. Kovacevic Bamberg McLean (11/2), Olinde (11/1), K. Taylor (9/1), Marei (9), Atkins (9), Harris (8/1), Sengfelder (8/2), Weidemann (2), Lee (1), Obasohan (1), B. Taylor Zuschauer 2820 SR Rodriguez, Krüper, Bohn Gesamtwurfquote Crailsheim 44 Prozent (27 Treffer/62 Versuche), Bamberg 42 (27/65)

Dreierquote Crailsheim 22 Prozent (6/27), Bamberg 33 (7/21) Freiwurfquote Crailsheim 65 Prozent (13/20), Bamberg 50 (8/16) Rebounds Crailsheim 36 (30 defensiv/6 offensiv), Bamberg 42 (29/13) Ballgewinne/-verluste Crailsheim 8/11, Bamberg 7/12 Assists Crailsheim 18 / Bamberg 21 Fouls Crailsheim 21 / Bamberg 22

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