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Bamberg
Corona-Lockerungen

Ab Montag: Teamsport in Kleingruppen wieder erlaubt

Der BLSV-Präsident erklärt, wie sich die am Montag in Kraft tretenden Lockerungen auf den Mannschaftssport auswirken.
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Trainingseinheiten in Kleingruppen - so wie hier beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg - sind im Profibereich schon länger erlaubt, nun gilt das auch für Mannschaftssportarten im Amateurbereich.  Foto: Sportfoto Zink
Trainingseinheiten in Kleingruppen - so wie hier beim Fußball-Zweitligisten 1. FC Nürnberg - sind im Profibereich schon länger erlaubt, nun gilt das auch für Mannschaftssportarten im Amateurbereich. Foto: Sportfoto Zink

Der 11. Mai ist für den Sport ein Schritt zurück in die Normalität. Kontaktfreier Individualsport unter freiem Himmel ist wieder erlaubt. Über diese in der vergangenen Woche bekanntgewordenen Lockerungen der Bayerischen Staatsregierung freuen sich nicht nur Tennis- und Golfspieler sowie Leichtathleten. "Mir ist ein ganz großer Stein vom Herzen gefallen", sagt der Nürnberger Jörg Ammon. Der Präsident des Bayerischen Landessportverbandes (BLSV) betont, dass dieser Schritt mit "ganz viel Vertrauen der Politik in die Vereine verbunden ist". Der Chef der Dachorganisation der Sportvereine und Fachsportverbände in Bayern appelliert an den verantwortungsbewussten Umgang mit den zurückgewonnen Freiheiten und erklärt, wie auch der Teamsport von den Lockerungen profitiert.

Erwarten Sie nun einen Ansturm auf die Tennisplätze, Golf- und Leichtathletikanlagen?

Jörg Ammon: Jetzt kommt die warme Jahreszeit, da war schon immer einiges auf den Sportplätzen los. Und nachdem man jetzt mehr als sechs Wochen nicht der schönsten Nebensache nachgehen konnte, ist erst recht eine Belebung auf den Sportanlagen zu erwarten.

Besteht nicht die Gefahr, dass dann auf den Sportplätzen der nötige Abstand nicht eingehalten wird?

Da die Gesundheit im Mittelpunkt steht, muss jeder Eigenverantwortung übernehmen. Gerade da wir wieder mehr Freiheiten zurückbekommen, gilt es darauf zu achten, dass sich das Virus nicht weiter ausbreiten kann. Das ist eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe. Nur wenn die Abstandsregeln eingehalten werden, werden wir auch in den nächsten Wochen dem Vereinssport nachgehen können.

Verantwortung haben auch die Vereine, die auf die Regeleinhaltung achten müssen. Sind die Vereine auf die Situation vorbereitet?

Wir wissen von vielen Rückmeldungen unserer Sportvereine, dass sie gut vorbereitet sind und hochverantwortlich mit der Situation umgehen. Zudem haben wir über 90 000 Übungsleiter und Trainer im bayerischen Sportbetrieb - das heißt, der geregelte Sportbetrieb wird entsprechend angeleitet. Zudem schreibt der BLSV seine 12 000 Mitgliedsvereine seit Beginn der Corona-Pandemie sehr regelmäßig per Mail an. Erst am Wochenende wurde nochmals auf Hygienemaßnahmen hingewiesen. Auch auf unserer Homepage und in unseren sozialen Medien finden sich viele Informationen und unsere Sportfachverbände liefern vor allem sportartspezifische Informationen. Die Verantwortlichen vor Ort werden also bestmöglich unterstützt.

Kommt es durch die Lockerungen nicht auch zu Ungerechtigkeiten? So wird zum Beispiel Leichtathletik oft auf Anlagen betrieben, die an Schulen angeschlossen sind - und die Schulen haben nur bedingt geöffnet.

Die neuen Bestimmungen lassen zu, dass auf öffentlichen Sportanlagen Sport getrieben werden darf. Wir erwarten also, dass die Kommunen in den nächsten Tagen sukzessive ihre Sportanlagen öffnen und dort dementsprechend Vereinssport getrieben werden kann.

Die Lockerungen betreffen nur Outdoor-Sportarten. Bei Indoor-Sportarten wie Kegeln, Schießen oder Tischtennis ist es aber doch ebenfalls möglich, Abstand zu wahren.

Wichtig ist: Es wird nicht nach Sportarten unterschieden. So sind zum Beispiel Tischtennis und Badminton erlaubt, aber eben draußen. Wegen der möglichen Verbreitung des Virus über Klimaanlagen und den Luftaustausch in Gebäuden gilt es, noch Vorsicht und Umsicht walten zu lassen. Deswegen betreffen die aktuellen Lockerungen nicht den Hallensport. In einem zweiten Schritt wird dann hoffentlich auch dieser wieder erlaubt. Einen Zeitpunkt will und kann ich aber nicht nennen.

Aber Mannschaftssportarten können unter freien Himmel den Trainingsbetrieb wieder aufnehmen.

Per Definition ist individualisiertes Sporttreiben möglich. Das heißt man kann auch in kleinen Mannschaftseinheiten mit bis zu fünf Personen trainieren. Erlaubt ist kontaktloses Training in Form von zum Beispiel Taktik-, Technik- und Konditionstraining. Wann der Wettbewerb mit Kontakt wieder möglich sein wird, kann man ehrlicher Weise nicht sagen. Diese Freigabe ist schon noch eine gewisse Herausforderung. Der ganze Wettkampfbereich hängt stark von den Gesundheitsentwicklungen ab. Man darf auch nicht vergessen: Es gibt noch kein Medikament und keinen Impfstoff gegen das Corona-Virus.

Also wenn man das Beispiel Fußball heranzieht: Dem Pass-, Schuss- oder Geschicklichkeitstraining mit fünf Leuten steht nichts im Wege.

Kontaktloses Taktik-, Technik- und Konditionstraining in Kleingruppen ist zulässig, wenn dies im Freien und mit insgesamt höchstens fünf Personen stattfindet.

Aktuell wird viel verglichen: Was halten Sie Kritikern entgegen, die die Verhältnismäßigkeit beklagen, wenn viele Kinder nicht in die Schule gehen dürfen, aber auf den Sportplatz?

Man kann nicht immer alles mit einander vergleichen, da Bereiche unterschiedlichen Gegebenheiten unterliegen. Aus den unterschiedlichen Notwendigkeiten ergeben sich unterschiedliche Folgen. Wir müssen miteinander versuchen, verantwortlich mit dem Hochfahren unserer Gesellschaft umzugehen. Wir versuchen, das im Sport bestmöglich zu organisieren.

Apropos Hochfahren: Die Fußball-Bundesliga startet bald wieder. Wie ist Ihr Standpunkt dazu?

Aus profisportlicher und wirtschaftlicher Sicht ist es notwendig, dass die Bundesliga wieder startet. Es gilt nun, exzessive Entwicklungen zu vermeiden und bescheiden zu bleiben, dann steigt in Zukunft auch das gegenseitige Verständnis - und man hat keinen Gegensatz zwischen Spitzen- und Breitensport.

Eine Krise bietet auch immer Chancen: Welche positiven Erkenntnisse kann der Amateursport aus der Corona-Krise ziehen?

Auf jeden Fall, dass Sport der beste Gesundheitsschutz und die beste Gesundheitsvorsorge ist. Ich glaube, man kann schon sagen, dass unsere Senioren ihre gute Fitness zu einem großen Teil lebenslangem Sporttreiben verdanken. Deshalb müssen wir die Bevölkerung weiter animieren, Sport zu treiben - gerade junge Menschen. Es lohnt sich eben, schon von klein auf Sport zu treiben.

Wie der Bayerische Fußballverband auf die Lockerungen regiert und einen Kommentar dazu lesen Sie hier

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