Das Ultimate Frisbee Team der Bamberger "Wurfkultur" hat es bei den deutschen Junioren-Meisterschaften in Leipzig bis ins Finale geschafft. "Ein riesen Erfolg für die jungen Nachwuchssportler", so Trainer Holger Loritz.
Wer Ultimate Frisbee spielt, ist es gewohnt, erstaunte Blicke zu ernten, wenn man von seinem Sport erzählt. "Das ist eine Mannschaftssportart? Und ihr habt sogar Meisterschaften?" sind klassische Reaktionen von Verwandten und Freunden. Aber der relativ geringe Bekanntheitsgrad der Sportart schmälert in keiner Weise die sportliche Leistung, die sieben Jugendliche aus Bamberg in Sachsen vollbracht haben.
Denn beim Ultimate Frisbee ist neben Sprintstärke, guter Kondition und taktischem Raumverständnis vor allem der sichere Umgang mit der Scheibe gefordert: Als Vorhand, Rückhand oder "Overhead" muss das Spielgerät über weite Distanzen sicher zum Mitspieler und zur Mitspielerin gepasst werden, denn wer die Scheibe in der Hand hält, darf nicht mehr Laufen. Ein Punkt wird in dem körperlosen Sport erzielt, wenn die Scheibe von einer Seite des Spielfeldes (von der Länge eines Fußballplatzes) zur anderen gespielt und dort gefangen wird.
Ein Team kann gemischt aus Mädchen und Jungen bestehen - in der Jugend ist die Spielerdichte aber noch recht gering, so dass es selbst bei den Meisterschaften keine festen Quoten gibt. Umso höher ist die Leistung des Bamberger Teams einzuschätzen: fünf Jungen und zwei Mädels haben es gegen die bundesweite Konkurrenz aufgenommen - und dabei mussten die beiden Mädchen des Teams ihre Spielstärke häufig gegen Jungen beweisen.
Die sieben Jugendlichen trainieren seit noch nicht einmal zwei Jahren zusammen mit dem Erwachsenen-Team der Wurfkultur auf dem Gelände des FC Wacker am Margaretendamm. Trainer Holger Loritz betont: "Alle Sieben haben viel Talent mitgebracht und sind regelmäßig und ehrgeizig im Training. Wir freuen uns sehr über ihren Erfolg bei den deutschen Junioren Meisterschaften."
In Leipzig, einer Hochburg des Ultimate Frisbee bei den Jugendlichen, spielten insgesamt 33 Teams in drei Altersgruppen. Die Bamberger traten bei den unter 17-Jährigen an. Das Leistungsniveau der 13 Jugendteams war sehr unterschiedlich und die Wurfkultur hatte Glück, dass die ersten Gegner nicht die stärksten waren. Nach 25 laufintensiven Spielminuten konnten jeweils hohe Siege verzeichnet werden - und es stand das Spiel um den Gruppensieg bevor.
Hier trafen die Bamberger auf das erfahrene und gut eingespielte Team aus Heilbronn, der Stadt, in der im vergangenen Sommer die Ultimate Junioren Welt- und Europameisterschaften stattfanden. Zur Überraschung aller Zuschauer, Gegner - und auch ein bisschen von sich selbst - bezwang die Wurfkultur auch diesen Gegner in einem ausgeglichenen und umkämpften Spiel mit 7:5. Damit ging es tags darauf am Morgen gegen Cultimaters Bönnigheim um den Einzug ins Halbfinale.
Hier zeigten die Bamberger zunächst Nerven, fanden dann aber wieder zu ihrer Stärke zurück und gewannen noch souverän mit 10:3. Im Halbfinale ging es wieder gegen Heilbronn. Bei diesem zweiten Duell konnten die Bamberger nicht mehr auf den Überraschungseffekt des Neulings hoffen. Viele Zuschauer verfolgten das erneut enge Spiel. Und wieder bewiesen die Bamberger Nervenstärke und schafften mit einem 7:5-Sieg tatsächlich den Einzug ins Finale.
Betreuer Moritz Oldenkotte war begeistert: "Was die Kids da gezeigt haben, war ganz großer Sport. Obwohl die Gegner viel erfahrener waren, haben sich unsere Spieler kaum Fehler geleistet und die Scheibe ganz sicher in die Endzone getragen." Finalgegner waren die "Bad Raps" aus Bad Rappenau, der amtierende Jugendmeister in allen Altersklassen, dem man mit entsprechendem Respekt begegnete. Simona Lieberth: "Vor allem wollten wir uns nicht blamieren - vor den ganzen Zuschauern." In dem packenden Endspiel konnte keine Mannschaft die Oberhand gewinnen und beide gaben ein letztes Mal ihr Bestes. Mit nur einem Punkt und dem Endstand von 7:8 musste sich die Bamberger Wurfkultur geschlagen geben. Doch auch mit dem zweiten Platz waren die Jugendlichen sehr zufrieden und hatten alle Erwartungen übertroffen.
David Metzger, der jüngste Spieler freut sich: "Nach so einem Wettkampf will man noch viel mehr Frisbee spielen. Zum Glück sehen wir einige der Teams schon bald wieder." Denn das Bamberger Ultimateteam richtet am Wochenende 9./10. April ein eigenes Turnier aus und hat hierzu Teams aus ganz Deutschland nach Bamberg eingeladen - darunter auch einige Jugendteams.